Sportdirektor vor dem Auftakt

Poschner im tz-Interview: "Darauf kann man als Löwe stolz sein"

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Löwen-Sportchef Gerhard Poschner.

München - Ein halber Liter Gemüsesmoothie auf dem Tisch (Weizengras, Rote Beete, Karotte, Apfel, Ingwer), die roten Gauloises in Reichweite – so hat sich Gerhard Poschner für das Interview mit der tz gewappnet. Die Lage ist ernst. Aufnahme läuft.

Herr Poschner, höchste Zeit, dass es wieder losgeht, oder?

Poschner: Ja, ich denke, wir hatten jetzt ausreichend Zeit, um hart zu trainieren, aber auch außerhalb des Platzes eine Basis zu legen für die kommenden Monate. Im Nachhinein war der Kaltstart gegen Stuttgart II, dieses 0:4, gar nicht so negativ. Wir haben danach in vielen Gesprächen mit den Spielern das Bewusstsein geschärft, welche Rolle jeder Einzelne in der Gruppe spielt und zu spielen hat. Daraus ist eine Eigendynamik entstanden, die im Trainingslager in letzter Konsequenz dazu geführt hat, dass die Mannschaft jetzt wirklich eine Einheit geworden ist.

Woran machen Sie das fest?

Poschner: Ich habe mit Freude beobachtet, wie auf dem Trainingsplatz eine ganz andere Lautstärke herrschte, wie sich die Spieler beim Essen zusammengesetzt und beim Kaffeetrinken durcheinandergewürfelt haben. Das gibt mir ein optimistisches Spannungsgefühl für den Montag gegen Heidenheim.

Dazu tragen mit Sicherheit auch die drei Zugänge bei. Wie würden Sie Tony Annan, Jannik Bandowski und Krisztian Simon mit jeweils einem Wort charakterisieren?

Poschner (überlegt ein paar Sekunden): Okay… Tony: Zuverlässigkeit, Krisztian: Fantasie, Jannik: Power. Und bei allen ganz wichtig: Sie stellen persönliche Interessen nicht in den Vordergrund. Darin bestand die Gefahr in diesem Winter. Dass wir den entstandenen Mannschaftsgeist durch charakterliche Fehlbesetzungen möglicherweise durcheinanderbringen.

Andreas Voglsammer, der von Haching nach Heidenheim ging, hätte als Identifikationsfigur aus der Region gut zu 1860 passt. Meisterlöwe Peter Grosser verglich ihn jüngst gar mit dem jungen Rudi Brunnenmeier…

Poschner: Ich will jetzt nicht mehr über Spieler sprechen, die nicht hier sind. Bei Voglsammer gab es Komponenten finanzieller Art, die nicht vertretbar waren, Punkt. Und zum Thema regionale Identifikationsfiguren… (Poschner holt sein Tablet). Wir haben mit Eicher, Wittek, Schindler, Weigl, Wolf, Vollmann, Hain, Netolitzky, Neudecker und Taffertshofer eine ganze Reihe von Spielern aus Bayern bei uns, die meisten davon aus unserem eigenen Nachwuchsleistungszentrum. Darüber bin ich froh und darauf kann man als Löwe auch stolz sein!

Wie stolz sind Sie auf Ihren Satz aus dem Mai 2014, wonach bei Sechzig eine „Mischung zwischen dem dominanten Ballbesitz-Fußball von Barcelona und aber auch dem schnellen vertikalen Spiel von Real Madrid“ angestrebt werde?

Poschner (lacht): Jajaja… Ich hab damals auch Hoffenheim, Freiburg, Mainz und Augsburg erwähnt, aber das ist unter den Tisch gefallen. Mir ging’s vor allem darum, unsere Ideen an prominenten Beispielen zu erläutern, ein Verständnis zu schaffen, auf was wir hinarbeiten. Ich hätte auch die SpVgg Bissingen und den FC Löchgau anführen können, wo ebenfalls gute, konzeptionelle Arbeit geleistet wird, nur sind die halt nicht so bekannt.

Den FC Bayern hätten Sie noch anführen können.

Poschner: Genau! Das wäre super gekommen. Oder Dortmund, noch besser! Dann könnten sich jetzt alle auf die Schenkel klopfen. Hoho, Ziel erreicht.

In Dortmund ist wenigstens das Stadion noch voll.

Poschner: Unsere Zuschauerzahlen sind die logische Konsequenz der Ergebnisse. Und unsere Heimbilanz ist eine Katastrophe. Teilweise wirkt es für die Spieler wie eine Belastung, in der Arena zu spielen. Das müssen wir ändern. In der ersten Halbzeit gegen Karlsruhe und danach beim 1:1 gegen Lautern ging es schon in die richtige Richtung. Daran müssen wir gegen Heidenheim anknüpfen. Wer künftig aus München was mitnehmen will, soll auf den Viktualienmarkt gehen.

Wie groß ist der Kredit von Cheftrainer Markus von Ahlen?

Poschner: Mein Vertrauen in Markus von Ahlen ist unverändert groß, er erreicht die Mannschaft, das sieht, hört und spürt man.

Und wie viel Kredit haben Sie?

Poschner: Ich glaube, dass wir alle keinen Kredit haben, angefangen von den Spielern bis hin zu mir als Geschäftsführer Sport. Wir haben in den letzten sechs, sieben Monaten nicht die Leistung abgeliefert, um Kredit in Anspruch nehmen zu können.

Inwiefern gilt die neue sportliche Einigkeit auch für die Führungsetage?

Poschner: Zusammenhalt ist auf allen Ebenen entscheidend. Ich kann von der Mannschaft nichts erwarten, was wir nicht vorleben. Wie in jedem Unternehmen ist jeder gut beraten, sich um die Dinge zu kümmern, von denen er am meisten versteht.

Ergänzen Sie uns zum Abschluss noch ein paar Satzanfänge?

Poschner: Gerne.

Mein Verhältnis zu Gerhard Mayrhofer…

Poschner: …ist herzlich.

Hasan Ismaik…

Poschner: …wünsche ich eine erfolgreiche Zukunft mit den Löwen.

Nach dem letzten Spieltag am 24. Mai in Karlsruhe…

Poschner: …werden wir auf eine erfolgreiche Rückrunde zurückblicken und uns von dieser Basis aus auf die neue Saison vorbereiten.

Wenn ich die Zeit um neun Monate zurückdrehen könnte…

Poschner (überlegt länger): …dann würde ich in der Vergangenheit leben.

Bilder: So luxuriös ist der neue 1860-Bus

Interview:lk

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