Der Grexit und der Poxit

Kommentar: Poschner ist das Griechenland des TSV 1860

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Gerhard Poschner hat in der öffentlichen Wahrnehmung alles falsch gemacht, was man als Manager in diesem Geschäft falsch machen kann.

München - Wenn der TSV 1860 das Griechenland des deutschen Profifußballs ist, dann ist Gerhard Poschner das Griechenland des TSV 1860. Der Mann hat in der öffentlichen Wahrnehmung alles falsch gemacht, was man als Manager in diesem Geschäft falsch machen kann.

Er hat Spieler geholt, die nicht zum Kampffußball der Zweiten Liga passen, er vertraute zwei Trainern, die aus entgegengesetzten Gründen nicht funktionierten bei 1860. Und hätte der Kämpfer Kai Bülow nicht kurz vor Schluss dieses Tor gegen Holstein Kiel geschossen, dann wären die Löwen jetzt bestenfalls ein Drittligist, die entsprechende Lizenz vorausgesetzt.

Poschner ist Stand heute noch da, genau wie Griechenland Stand gestern noch Teil der Eurozone war. Was für die Griechen die Troika darstellt, das ist für Poschner das Duo Schneider/Bay samt den Beratern Wettberg, Miller und Grosser, die vom Sport-Geschäftsführer in etwa so viel halten wie Wolfgang Schäuble von Gianis Varoufakis. Mit den Bodenmaiser Bekanntmachungen (Beschlüsse klänge besser, wäre aber übertrieben) haben Schneider und Bay die Daumenschrauben bei Poschner noch mal hörbar angezogen. Jederzeit könne der Manager den mit einer Abfindung versüßten Weg durch die Hintertür gehen, ließ Bay wissen. Falls er dies nicht wolle, so gibt es laut Schneider nun eine Frist von zwei Wochen, binnen der der Großteil des Kaders stehen müsse, tolle Namen (die nun sicher nicht billiger werden) inbegriffen.

Was passieren wird, sollte Poschner nicht wie gefordert liefern? Tja, hier enden einstweilen die Parallelen mit Griechenland. Während der sogenannte Grexit kein Tabu mehr darstellt, ist der hiermit eingeführte „Poxit“ noch kein Thema. Man unterliege in der Rauswurffrage gewissen „Zwängen“, gestand Bay. Schließlich seien die Chancen, Hauptgesellschafter Hasan Ismaik zum Anteilsverkauf zu bewegen, in einem Klima des Miteinander höher als im Modus der Konfrontation. Und um diesen Investorenwechsel, der dem Klub eine neue (und wohl die einzig sinnvolle Perspektive) eröffnen würde, geht es in diesen Wochen ja hauptsächlich bei 1860. Die kommende Saison, da braucht sich kein Fan irgendwelchen Illusionen hinzugeben, muss nur einigermaßen schadlos überstanden werden.

Fragt sich nur, wie hoch Schneider vor der Mitgliederversammlung am 12. Juli zu pokern bereit ist. Sollte Poschner seinen Kader bis dahin nicht beisammen haben, geriete der Interimspräsident vor den Fans in Erklärungsnot. Eine Verlängerung des Poschner-Ultimatums würde die Integrität der Vereinsspitze mehr als nur ankratzen, sämtliche Alternativen riskierten tiefe Schnitte ins Löwenfleisch. Der Preis des Zweckbündnisses ist hoch und wohl auch gerechtfertigt. Nicht ratsam ist es, das Gespür des Löwenrudels zu unterschätzen.

Alles ­Ouzo?

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