Ex-Trainer beim "Grantlerabend" der Löwen 

"Immer der gleiche Schmarrn" - Lorant schimpft und geht

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Was ist nur aus seiner Welt geworden? Werner Lorant, zurück an seinem Stammplatz im Löwenstüberl.

München - Beim "Grantlerabend" des TSV 1860 wurde am Donnerstag Dampf abgelassen. Ehrengast war Ex-Löwen-Trainer Werner Lorant, der missgelaunt vorzeitig abdampfte. Sein Kommentar: "Immer der gleiche Schmarrn".

Der auf 90 Minuten angelegte Abend ist gerade mal zur Hälfte rum, es ist also Halbzeit gewissermaßen, da hat Werner Lorant bereits genug gesehen. „Ich zahl’ dann“, ruft der frühere Erfolgstrainer des TSV 1860 und wendet sich ab von dieser Welt, die nicht mehr seine ist – und die er schon lange nicht mehr versteht. Im Nebenraum des Löwenstüberls, seiner alten Heimat, sitzen die Geschäftsführer der KGaA, Markus Rejek und Noor Basha. Zwischen ihnen sitzt Oliver Kreuzer, der Sportchef. Und um sie herum sitzen 40 bis 50 Fans, die vom abstiegsbedrohten Zweitligisten eingeladen wurden, mal kräftig Dampf abzulassen. „Grantlerabend“, nennt sich diese Veranstaltung. Richtig gegrantelt hat jedoch niemand, bis Lorant flüchtet – außer Lorant natürlich.

Ehe er seinen alten Stammplatz an der Eckbank verlässt, grantelt er besser als jeder andere an diesem Abend. Wie früher genügen wenige, kurze Stichworte – und Lorant liefert. Knurrend, mit abfälligen Handbewegungen; von den Fans an seinem Tisch, teilweise alten Bekannten, wird das Gepolter dankbar aufgesaugt. „Was reden die für einen Quatsch da hinten?“, wettert Lorant, die immer noch volle, weiße Mähne schüttelnd. „Haben die jetzt irgendwas Neues erzählt? Ist doch immer der gleiche Schmarrn.“

Lorant: "Fußball ist ganz einfach"

Er ist ein bisschen älter geworden, der Bauch spannt über der Stoffhose, dazu trägt er eine Designerbrille, doch seine Kernaussagen, die hat man schon vor 15 oder 20 Jahren an exakt diesem Ort gehört. „Fußball ist immer Ist-Zeit“, doziert er. Und: „Es hängt doch alles davon ab, ob ich gewinne oder verliere. Fußball ist ganz einfach.“

Der Rest der vermeintlichen Grantler braucht dagegen ein Weilchen, um auf Touren zu kommen. Der erste redet ewig, ohne auf den Punkt zu kommen. Der zweite stellt eine eher harmlose Frage („Was ist die genaue Aufgabe von Basha?“). Der dritte liest einen Endlostext von einem Spickzettel ab, verheddert sich aber in der Vergangenheit, in wirren Vergleichen, richtig den Finger in die Wunde legt auch er nicht.

So in etwa geht das weiter. Und schnell geht es auch um große Themen: Um 50+1, um das dicke Geld, das jetzt auch aus China in den Markt gespült wird. Themen, die einer wie Lorant natürlich nicht unkommentiert lassen kann. Den Rednerbereich meidet er, doch im Hintergrund, da nimmt er jede Steilvorlage auf – und serviert seine einfachen, bissigen Erklärungen. „Was hat der Verein mit 50+1 zu tun?“, lästert er und zeigt auf seine Füße: „Daaa! Auf die kommt es an.“ Die leidige Arena-Debatte? „Es geht alles nur übers Sportliche. Wenn du oben mitspielst, ist die Hütte voll“, doziert er bei einer Zigarette, für die er jetzt vor die Tür gehen muss (hätte es früher nicht gegeben). Schließlich, die Finanznöte des Klubs streifend: „Der Wildmoser ist als Präsident zu jeder Firma hingefahren.“

Kreuzer begrüßt Lorant mit "Großer Meister"

Beide waren auf ihre Art erfolgreich damals. Auch deswegen genießt Lorant noch immer einen guten, wenn auch speziellen Ruf. „Großer Meister“, rief Kreuzer, 50, als er Lorant zu Beginn begrüßte. „Amateur“, knurrte Lorant, 67, zurück. Er meint’s ja nicht immer so. Das beinharte Image muss schließlich auch kultiviert werden.

Kreuzer war auch der Einzige, bei dessen Ausführungen Lorant aufmerksam zuhörte. Die Kernaussage des Sportchefs zu den fünf Wintertransfers: „Die finanzielle Zusage aus Abu Dhabi ist leider nicht passiert, wir mussten daher intern ein paar Ressourcen freimachen.“ Interessant auch, was er sagt, als ein Fan den wegtransferierten Eigengewächsen hinterhertrauert: „Vollmann hat in vier Jahren 32 Spiele gemacht, 15 in der Startelf. Und bei Mulic sage ich strikt: Das ist kein Toptalent.“ Gerne würde er dafür mit Moritz Heinrich, 18, verlängern, einem Toptalent, das auch Kreuzers Ansprüchen genügt: „Er hat seit einiger Zeit ein Vertragsangebot vorliegen.“ Weniger optimistisch ist er, was die Zukunft von Richard Neudecker, 19, angeht, der auch im Krankenstand nicht an eine Vertragsverlängerung denkt: „Er ist ein gefragter Mann in Deutschland. Ich kann verstehen, dass er jetzt keinen Schnellschuss macht, wenn keiner weiß, wo wir in dreieinhalb Monaten spielen. Bei ihm ist es einfach vor ein, zwei Jahren versäumt worden, den Vertrag längerfristig zu gestalten.“

Als die Grantler dann munter werden, es vorübergehend hitzig wird und Basha eine negative Grundstimmung beklagt („Immer schimpfen, immer schimpfen“), ist Lorant schon über alle Berge, auf dem Rückweg nach Waging am See, wo er seit einiger Zeit wohnt. Hinterlassen hat er einen Satz, den die Fans nicht gerne hören werden. „Wenn sie Nürnberg am Samstag nicht schlagen, wird’s sehr, sehr schwer dem Klassenerhalt. Sechs Punkte Rückstand im Abstiegskampf sind verdammt viel.“

Nach 90 Minuten plus Nachspielzeit beenden die Bosse den Abend. „Es wurde fair gegrantelt“, lobt Rejek. Lorant, der Obergrantler, hätte das vermutlich nicht als Kompliment aufgefasst.

Uli Kellner 

Lorant geht vorzeitig heim: Dicke Luft bei 1860-Grantlerabend

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