Sogar Möhlmanns Arbeit ist beeinflusst

Großbaustelle 1860: Was bei den Löwen alles im Argen liegt

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Einige Löwen-Spieler stellten sich nach der Niederlage in Berlin den enttäuschten Fans.

München - Neues Jahr, neues Glück? Nicht bei den Löwen. Nach den zwei Niederlagen gegen Nürnberg und Union Berlin ist man dem Abgrund so nah wie nie zuvor. Wir zeigen, was bei Sechzig alles im Argen liegt.

Fünf Niederlagen in Serie, den Auftakt ins neue Fußballjahr mit zwei zu-Null-Pleiten vermasselt und neun Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Platz in der 2. Bundesliga: Der TSV 1860 München trudelt Woche für Woche tiefer in den Abgrund. Dabei war gegen Ende der Winterpause beinahe so etwas wie Aufbruchstimmung an der Grünwalder Straße zu vernehmen gewesen. Die fünf gemeinhin als Verstärkungen bezeichneten Transfers machten vielen Fans Hoffnung, dass es in den kommenden Wochen und Monaten aufwärts gehen könnte mit Mannschaft und Verein. Doch die Pleiten gegen den 1. FC Nürnberg und bei Union Berlin haben das zarte Pflänzchen der Zuversicht schnell austrocknen lassen. Man fragt sich: Wie soll diese Mannschaft noch zu retten sein? Wir zeigen die derzeit größten Probleme der Löwen auf:

Personal: Fünf neue Spieler verpflichtete der TSV 1860 in der Winterpause. Die Namen des neuen Personals stimmten optimistisch, dass die Mannschaft qualitativ verbessert wurde. Nach den beiden Spielen eine Bilanz der Neuzugänge zu ziehen, wäre wohl verfrüht. Sowohl Sascha Mölders, Levent Aycicek, Maxi Beister als auch Jan Mauersberger sollte noch etwas Zeit zugestanden werden. Der fünfte Neuzugang, Goran Sukalo, konnte verletzungsbedingt bislang noch gar nicht eingreifen.

Dennoch scheint derzeit akuter Notstand auf manchen Positionen zu herrschen. Maxi Wittek beispielsweise befindet sich offenkundig in einem Formtief. Sowohl gegen den Club als auch gegen Union wirkte der Linksverteidiger überfordert. Defensiv mit Schwächen im Zweikampf, offensiv ohne Akzente. Problem: Durch die Verletzungen von Jannik Bandowski und Richard Neudecker fehlt es an Alternativen. Wittek muss durchgeschleppt werden, bis er sich endlich aus seiner Malaise befreit. Viel Zeit bleibt dazu nicht.

Im Angriff stehen mit Sascha Mölders und Rubin Okotie zwar zwei Hochkaräter zur Verfügung, die Chancenververwertung der Sechzger ist aber katastrophal (siehe unten). Dennoch verwunderte es, warum Trainer Möhlmann in Berlin von Beginn an auf Stefan Mugosa setzte. Der Sommer-Einkauf aus Kaiserslautern hat bislang auf ganzer Linie enttäuscht und in 20 Pflichtspielen erst einen Treffer erzielt. Dass es mit seinen technischen Fähigkeiten nicht allzuweit her ist zeigte die Szene bei seiner einzigen Torchance in Berlin, als er einen Heber meterweit neben das Tor setzte.

Einstellung: Machte der Auftritt gegen den FCN in der Allianz Arena noch Hoffnung, so war der Auftritt bei Union Berlin eine Farce. Die Anfangsviertelstunde total verpennt, danach behäbig bis gefällig und gegen Ende wieder ohne jede sichtbare Einstellung. Warum passiert so etwas? Auch Trainer Benno Möhlmann konnte sich die ersten Minuten in Berlin, in denen man auch prompt einen Gegentreffer kassierte und so einem Rückstand hinterherlaufen musste, nicht erklären. "Wir sind rumgerutscht, als wenn wir uns gar nicht aufgewärmt hätten", sagte der Coach hinterher. In der Situation, in der sich die Löwen befinden, muss man einfach anders auftreten. Das Abwehrverhalten beim Gegentor, als sich Jan Mauersberger düpieren ließ, darf so nicht passieren. Der einzige, der in Berlin von Beginn an hellwach war, war Torhüter Stefan Ortega. Für Abstiegskampf in der 2. Bundesliga reicht das nicht.

Chancenverwertung: Die Chancenverwertung ist tatsächlich ein Thema für sich. Gegen Nürnberg vergaben die Sechzger mindestens ein halbes Dutzend Hochkarätige. Gegen Union blieb vor allem eine Szene in Erinnerung, als der eingewechselte Rubin Okotie in der 79. Minute freistehend die große Chance zum Ausgleich vergab. Der Furor der Fans traf den Österreicher daraufhin mit voller Wucht. In diversen Internet-Foren wird der Nationalspieler von wütenden und enttäuschten Fans niedergemacht. Förderlich ist das nicht. Dabei ist der fehlende Killer-Instinkt der Löwen-Offensive jene Baustelle, die am ehesten zu beheben ist. Die Chancen sind ja schließlich da - sie müssen nur endlich genutzt werden.

Konstanz: Beständigkeit in der Unbeständigkeit - so könnte man die Formkurve der Löwen in dieser Saison beschreiben: Erst am 13. (!) Spieltag konnten die Blauen ihren ersten Saisonsieg einfahren. Das war der Beginn einer vier Spiele anhaltenden Mini-Serie mit zwei Siegen und zwei Unentschieden. Es folgten fünf Pleiten in Folge. Was für ein Leistungsvermögen hat er denn nun, der Löwe? Fakt ist, 1860 brauchen ganz dringend eine kleine Erfolgs-Serie wie im Herbst - mindestens. Sonst schwimmen die Klassenerhalts-Felle schon in den nächsten Wochen davon.

Fans: Die Löwen-Fans gehören zur treuesten, leidenschaftlichsten, hartgesottensten aber auch leidgeprüftesten Anhängerschaft im deutschen Fußball. Das Potential ist enorm (in der vergangenen Woche kamen über 50.000 Zuschauer in die Allianz Arena), die Liebe riesig. Doch auch wenn sich der Löwen-Fan gerne selbst auf die Schippe nimmt ("Ich gehe nicht zu einer Domina, ich gehe zu Sechzig"), so deuten die derzeitigen Bekundungen einen kleinen Riss zwischen Mannschaft und den treuesten der Treuen an. Das vielzitierte "Adios 2. Liga Tour"-Plakat lässt sich nicht mehr nur als selbstironisches Pamphlet interpretieren. Die wütenden "Absteiger, Absteiger"-Rufe der mitgereisten Fans in Berlin zeigen, dass der Frust bei den Getreuen teilweise tief sitzt. Andere Teile der Löwen-Fans haben die Unmutsäußerungen nach dem Berlin-Spiel allerdings verurteilt. 

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Trotzdem: Die Reaktionen der Fans beeinflussen mittlerweile sogar die Arbeit von Benno Möhlmann. Am Montag antwortete der Löwen-Trainer auf die Frage, warum der freie Tag am Dienstag nicht gestrichen wird: "Wenn die Fans schon anfangen mit 'Adios, Zweite Liga', dann muss ich nicht auch noch mit Gewalt auf die Mannschaft einschlagen. Und die Worte der Fans, die sich die Spieler auf dem Weg in die Kurve gefallen lassen mussten, waren auch nicht so freundlich."

Möhlmanns indirekter Aufruf an alle Löwen: Zusammenhalten! Die Chance auf die Trendwende ist noch immer da.

tz

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