Noten für Mittelfeld und Angriff

1860-Abschlusszeugnis: So schneiden Okotie und Co. ab

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Hiergeblieben: In der Sechzig-Offensive zogen in der Saison vor allem Daniel Adlung (l.) und - zumindest bis Februar - auch Rubin Okotie die Fäden.

München – Mit Ach und Krach verhinderten die Löwen den GAU. Erst über die Relegation ergatterten die Sechzger das Ticket für die 2. Liga. Das große Abschlusszeugnis für die 1860-Profis. Heute: Mittelfeld und Angriff.

Sechzig bleibt in der 2. Liga. Was bei den Fans im vergangenen Sommer allenfalls für ein Schulterzucken gesorgt hätte, mutet nach den Leistungen der Löwen fast schon wie ein kleines Wunder an. Diese Saison wird so schnell niemand vergessen, der zu den Giesingern hält. Doch welche Spieler haben ihre Tauglichkeit für den Profi-Fußball überhaupt unter Beweis gestellt? Wir checken und benoten die Kicker – nach den Torhütern und Abwehrspielern sind heute die Mittelfeldspieler und Angreifer dran.

Ilie Sanchez: Der 24-Jährige spielte jahrelang für das B-Team des FC Barcelona in der zweiten spanischen Liga. Mit dem deutschen Fußball konnte sich der Katalane bislang nicht wirklich anfreunden und rasselte als Taktgeber im Löwen-Mittelfeld gnadenlos durch - trotz einiger Lichtblicke in der Hinrunde. Bezeichnend: In den letzten vier Saisonspielen stand er nicht mehr im Kader. Note: 4,5

Dominik Stahl: Der Kämpfer in der Zentrale fiel die komplette Hinrunde wegen einer Knieverletzung aus. Als der 26-Jährige sich einsatzbereit meldete, saß mit Torsten Fröhling schon der dritte Trainer der Saison auf der Bank und 1860 steckte tief im Abstiegsstrudel. Stahl schaffte zwar schnell den Sprung zurück in die Startelf, doch auch seine persönliche Rückrunde war ein Auf und Ab. Beim 2:1 über Kiel verletzte er sich schon nach wenigen Minuten und musste von draußen mitbibbern. Note: 3

Anthony Annan: WM-Teilnehmer mit Ghana, einst von Felix Magath zu Schalke 04 gelockt, aber bei Sechzig eigentlich nur Tribünengast. Nach drei Einsätzen zu Jahresbeginn hatte der mit hohen Erwartungen verpflichtete Winterzugang ausgespielt. Da hätte ihm auch sein berühmter Onkel Kofi, langjähriger UN-Generalsekretär, nicht helfen können. Keine Bewertung

Yannick Stark: Der Mittelfeldspieler mit der Löwenmähne galt lange Zeit als kämpferisches Vorbild, der im richtigen Moment die Ärmel hochkrempelt. Allerdings nur bis zum Herbst 2014. Nach seiner vorübergehenden Suspendierung wegen der längst berühmtberüchtigten Party-Nacht fehlte dem 24-Jährigen der rechte Biss. Voran ging Stark nur noch, als er öffentlich seinen Wechsel nach Darmstadt forcierte – immerhin das schaffte er im Winter erfolgreich. Note: 5+

Julian Weigl: Der 19-Jährige geht in die Löwen-Geschichte ein – als jüngster und kurzlebigster Kapitän. Nach zwei Spielen war das Talent die Binde nebst Stammplatz los. Weigl ließ sich aber niemals hängen, durfte in der Rückrunde zeitweise wieder von Beginn an ran. Die prekäre Situation ging aber auch am gebürtigen Bad Aiblinger nicht spurlos vorbei. Trotz einer eher durchschnittlichen Saison überzeugte er die BVB-Bosse und darf ab sofort in Dortmund von Europacup-Einsätzen träumen. Note: 4

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Edu Bedia: Große Fußstapfen hat keiner der drei aus Barcelona geholten Spanier bei 1860 hinterlassen. Der 26-Jährige darf dabei allerdings für sich die Rolle des Pechvogels reklamieren. An den ersten neun Spieltagen stand Bedia acht Mal in der Startelf. Dann warf ihn eine Schambeinentzündung aus der Bahn. In der Rückrunde war er nur noch beim 0:1 gegen Aue für eine knappe halbe Stunde gefragt. Ansonsten bereiteten ihm abwechselnd Oberschenkel, Leiste und auch seine Leistungen Probleme. Note: 5

Daniel Adlung: Ein Adlung steigt nicht ab! Damit das so blieb, haute der gebürtige Fürther in jeder Partie alles raus – beim Abpfiff war stets kein Spritzer mehr in seinem Tank. Der 27-Jährige zählt sicher nicht zu den begnadetsten Kickern, die jemals den Löwen-Dress getragen haben. Doch mit seinem unbändigen Willen machte er viele Defizite wett. An ihm konnten sich die Teamkollegen aufrichten. Dass der bekennende Veganer das wichtige 1:1 gegen Kiel erzielte, war kein Zufall. Note: 2-

Korbinian Vollmann: Der gebürtige Münchner zählt zu den gaaaanz wenigen Aufsteigern des Teams. Unter Trainer Markus von Ahlen bekam Vollmann zum Ende der Hinrunde seine ersten Einsätze in der 2. Liga – er ergriff die Chance beim Schopf. Besonders das 3:0 in Fürth dürfte der 21-Jährige nicht soll schnell vergessen: Nachdem er Krisztian Simon zur Führung aufgelegt hatte, besorgte das Löwen-Eigengewächs das zweite Tor gleich selbst. Note: 3+

Markus Steinhöfer: In seiner ersten kompletten Saison bei Sechzig wollte der 29-Jährige so richtig durchstarten. Klappte aber mal überhaupt nicht. Nach vier Startelf- und drei Kurzeinsätzen war Steinhöfer nicht mehr gefragt, verabschiedete sich in der Winterpause nach Aalen - und stieg mit dem VfR ab. Note: 5-

Valdet Rama: Dass es im Fußball keine B-Note gibt, ist sein Glück. Die Aktionen des Albaners werden wohl keinen Fan zum Zungeschnalzen animieren. Aber was Rama macht, hat stets Hand und Fuß. Und so ist es das Glück der Löwen, den offensiv fast überall einsetzbaren 27-Jährigen im Kader zu haben. Note: 3

Bobby Wood: Der US-Amerikaner reiht sich in den Reigen der Spieler ein, die unter Ricardo Moniz den Aufstieg anpeilen sollten und dann ganz schnell in der Versenkung verschwanden. In den ersten fünf Spielen stand Wood noch in der Startelf, danach kamen nur noch 17 Minütchen im Löwen-Trikot hinzu. Tiefpunkt: Nach einem Disput mit Co-Trainer Filip Tapalovic flog der 22-Jährige aus dem Team. In der Rückrunde kämpfte er mit Aue vergeblich gegen den Abstieg. Note: 5

Krisztian Simon: So richtig angekommen ist der Winterzugang bei den Sechzigern noch nicht. Mal durfte Simon von Beginn an ran, dann blieb ihm wieder nur die Jokerrolle, ein Innenbandabriss spielte ihm auch nicht gerade in die Karten. Der Ungar konnte sein Talent nur andeuten. Note: 4+

Marin Tomasov: Ob als Linksverteidiger, im Mittelfeld oder auf der offensiven Außenbahn - der Kroate durfte sich in den ersten Saisonwochen fast überall probieren. Für nachhaltigen Eindruck sorgte er dabei nie. Im Winter beendete Tomasov seine Zeit als Löwe und schloss sich dem kroatischen Klub HNK Rijeka an. Note: 5

Marius Wolf: Der Wolf im Löwen-Rudel bestand seine Feuertaufe in beeindruckender Manier. Mehr als das: Seine Treffer in den Heimspielen gegen St. Pauli und Bochum waren überlebenswichtig – beide Partien endeten mit 2:1 für Sechzig. Auf den 20-Jährigen war Verlass: Nach seinem ersten Einsatz am 11. Spieltag verpasste Wolf nur das 1:2 zu Hause gegen Heidenheim. Weiter so. Note: 3+

Daylon Claasen: Der Südafrikaner sollte die Abwehrreihen der Gegner aufmischen, sorgte aber oftmals eher für ein müdes Lächeln bei der Konkurrenz. So verlängerte der 25-Jährige die Liste der Fehleinkäufe. Unter Torsten Fröhling kam Claasen nur noch einmal als Joker zum Einsatz. Note: 5

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Leonardo: Ein wohlklingender Name bei den Sechzigern – das ließ die Fans wieder von besseren Zeiten träumen. Mit seinem spektakulären Tor zum 2:2 in Heidenheim deutete der Brasilianer mit niederländischem Pass sein Können an. Danach ließ Leonardo jedoch nur noch einen Elfmetertreffer folgen. Ende November – der 32-Jährige hatte seinen Stammplatz längst verloren – bat er um Vertragsauflösung. Das Ende eines Missverständnisses. Note: 4-

Stephan Hain: Wegen einer Operation am Außenmeniskus des linken Knies blieb dem 26-Jährigen in der Hinrunde nichts anderes übrig, als von der Tribüne aus die Daumen zu drücken. Erst am 30. Spieltag stand Hain erstmals in der Startelf. Da hatte er mit seinem Tor zum Last-Minute-Sieg gegen Bochum schon seinen Anteil am letztlich erfolgreichen Existenzkampf der Löwen. Note: 4+

Rubin Okotie: Hinrunde hui, Rückrunde eher pfui! Wie hatte der in Pakistan geborene Österreicher die Sechzig-Fans im vergangenen Jahr verzaubert! Angesichts seiner zwölf Treffer schien die Torjägerkanone schon auf dem Weg nach Giesing. Doch nach seinem 13. Saisontor zum Start ins neue Jahr ging nicht mehr viel. Natürlich warf den 28-Jährigen auch eine Innenbanddehnung im rechten Knie zurück. Doch vor allem mit seiner Körpersprache war der Torjäger a. D. im Schlussspurt und der Relegation keine wirkliche Hilfe mehr. Im Relegations-Rückspiel wechselte Torsten Fröhling ihn trotz Rückstands aus – Höchststrafe für einen Torjäger. Note: 3+

Rodri: Mit 600.000 Euro Ablöse war der 24-Jährige der teuerste Neuzugang der vergangenen Saison. "Warum?", werden viele Löwen-Fans fragen. Ganz ehrlich: Wir wissen es nicht. Auch wenn eine Sprunggelenksverletzung Rodri fünf Monate matt setzte, rechtfertigen ein Treffer und eine Torvorlage in zwölf Einsätzen nicht annähernd das in ihn investierte Geld. Note: 5+

Fejsal Mulic: Zum Ende des vergangenen Jahres sammelte der Serbe 150 Minuten Zweitliga-Erfahrung. Beim 1:1 in Leipzig legte Mulic sogar das Löwen-Tor durch Rubin Okotie auf. Nach der Winterpause verschwand der 20-Jährige – auch wegen Rückenproblemen – wieder im Regionalliga-Team. Keine Bewertung

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