TSV 1860, Türkgücü und FC Bayern suchen nach Lösung

Drei Vereine im Grünwalder? Stadt bringt neue Option ins Spiel

Wer geht, wer bleibt, oder dürfen sogar alle spielen? Die Frage, wer in der kommenden Drittliga-Saison im Grünwalder Stadion spielen kann und darf, ist nicht einfach zu lösen.

  • Türkgücü München ist auf dem besten Weg in die 3. Liga.
  • Laut DFB sind drei Teams aus einer Liga im gleichen Stadion logistisch kaum umsetzbar. 
  • Die Suche nach alternativen Spielorten gestaltet sich schwierig.

München - Drei Vereine, drei Mannschaften, aber nur ein Stadion. So stellt sich nach aktuellem Stand die Situation für die Münchner Fußball-Profis dar. Der TSV 1860 München, der sich zum Ende der Hinrunde seiner Abstiegssorgen entledigen konnte und mit einem Sieg gegen Braunschweig weiter vom Aufstieg träumen dürfte, die FC Bayern-Amateure und nach der Winterpause auch Regionalliga-Tabellenführer Türkgücü München beanspruchen das städtische Stadion an der Grünwalder Straße für ihre Heimspiele. 

Drei Teams in der 3. Liga: Bis zu 60 Spiele im Grünwalder

Für die laufende Spielzeit haben sich die Vereine auf einen Kompromiss verständigt. Die Frauen des FC Bayern ziehen für ihre Heimspiele in das Stadion auf dem Bayern-Campus, dafür darf Türkgücü nach der Winterpause im Grünwalder Stadion auflaufen. Ein Dauerzustand für die kommende Saison soll das aber nicht werden. „Es muss im Interesse der LHM (Landeshauptstadt München) sein, den Spielbetrieb im Städtischen Stadion zu begrenzen, da künftig über 60 Spiele je Saison dann aus Gründen des Anwohner-/Lärmschutzes zu viel wären“, teilt ein Sprecher des Referats für Bildung und Sport der Stadt München mit.

Der DFB erklärt dazu: „Grundsätzlich schließen es die Statuten nicht aus, dass in der 3. Liga drei Mannschaften in einem Stadion spielen. Ob diese Konstellation sinnvoll wäre, steht auf einem anderen Blatt. Logistik, Organisation, Spielplangestaltung im Rahmen des fest vorgegebenen Spieltagsformats – all dies würde sich mit drei Profiteams in derselben Heimspielstätte sehr schwierig gestalten. Auch der Blick auf die Platzqualität ist in einer Profiliga immer zu beachten.“

Die Zahl der Alternativen ist gering

Die Verantwortlichen der Vereine wollen sich deshalb zu Gesprächen zusammensetzen, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Die Zahl der Alternativen ist allerdings gering. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat strikte Vorgaben bezüglich Zuschauerkapazität, Sitzplätzen, Flutlicht sowie Rasenheizung, die die Stadien in der 3. Liga erfüllen müssen. Für München ist vor allem eine Vorgabe von besonderer Bedeutung. Die Spielstätten müssen mindestens 10.000 Zuschauern Platz bieten. Ausnahmefälle sind die Zweitvertretungen der Bundesligaklubs. Für sie reicht eine Kapazität von 5.000 aus.

In München gibt es neben dem Grünwalder nur eine handvoll Stadien in dieser Größe: die Allianz-Arena, das Olympiastadion, das alte Dante-Stadion und der Sportpark Unterhaching. Das Stadion auf dem FC Bayern-Campus ist mit 2500 Sitzplätzen zu klein. Doch auch die anderen Lösungen sind mit Problemen behaftet.

Olympiastadion, Dantestadion, Sportpark - hier könnte gespielt werden

Das Olympiastadion hat bei den meisten Fußballfans einen schweren Stand. Zu groß ist der Abstand der Fans zum Spielfeld, zu wenig Stimmung herrscht bei den Spielen darin. Das Dante-Stadion ist schlichtweg baulich nicht geeignet. Zwar hätte es eine theoretische Kapazität von 12.000. Aus Sicherheitsgründen kann diese allerdings nicht ausgeschöpft werden. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen für das 1928 erbaute Stadion soll die maximale Zuschauerzahl zudem auf 4.999 reduziert werden - zu wenig für die 3. Liga. Außerdem ist das Dantestadion auch die Heimspielstätte der Footballer von den Munich Cowboys. Terminkollisionen sind da vorprogrammiert.

Bliebe die Möglichkeit, sich in den Sportpark Unterhaching einzumieten. Die SpVgg Unterhaching wollte zu dieser Option allerdings keinen Kommentar abgeben.

Der FC Bayern ist der einzige Verein mit eigenem Stadion

Dass ein Verein zurückstecken muss, scheint offensichtlich - doch welcher? Die Löwen sehen das Grünwalder als ihre ureigene Heimstätte an. Dazu verfügt der Verein über kein anderes Stadion, das in eigener Hand wäre. Ebenso Türkgücü München. „Im Fall des Aufstiegs in die 3. Liga ist das Grünwalder Stadion alternativlos. Entsprechend werden wir auch unsere Unterlagen für die Lizenzierung abgeben“, sagt Geschäftsführer Robert Hettich. Der Drittliga-Aspirant war in den vergangenen Jahren immer zu Gast in fremden Stadien, zuletzt in Heimstetten.

Am einfachsten wäre es für den FC Bayern, sich aus dem Grünwalder Stadion zurückzuziehen. Zumindest offiziell ist davon aber derzeit keine Rede. „Wir planen auch in der Saison 2020/2021 den Spielbetrieb im Grünwalder Stadion und haben dahingehend die Lizenzierungsunterlagen vorbereitet“, lässt ein Bayern-Pressesprecher auf Anfrage wissen.

„Der FCB verfügt mit der Allianz-Arena über eine vorhandene Spielstätte und könnte unter Umständen auch die Arena auf dem Campus-Gelände weiter ertüchtigen“, sagt dagegen der Sprecher des Referats für Sport und Bildung. Über entsprechende Pläne, das Stadion auf dem gerade erst eröffneten Campus zu erweitern, ist allerdings noch nichts bekannt. Und auch die Stadt betont: „Dieses müsste zunächst seitens des FCB beantragt und von der Lokalbaukommission geprüft werden.“ Dass diese Lösung so bis zur nächsten Saison verwirklicht werden kann, ist deshalb mehr als fraglich.

Grünwalder Stadion wird Zweitliga-tauglich

Aber auch am Grünwalder Stadion stehen in naher Zukunft umfangreiche Bauarbeiten an. Die Pläne des Frankfurter Architekturbüros Albert Speer sehen eine Kapazitätserweiterung auf 18.060 Zuschauer vor. Dazu wird das Fassungsvermögen der Haupttribüne von 1250 auf 4130 Plätze erhöht. Die Westkurve schrumpft dagegen von 8800 Plätze auf 7700. Ebenfalls verkleinert wird die Stehhalle. Über eine Verdopplung ihrer Plätze dürfen sich die Auswärtsfans freuen. Für sie sollen in Zukunft 3000 statt der bisherigen 1500 Plätze zur Verfügung stehen.

Die gravierendste Neuerung ist die durchgehende Überdachung des gesamten Tribünenbereichs. Der bietet nach dem Umbau außerdem noch Platz für den mindestens 855 Plätze fassenden VIP-Bereich sowie die Möglichkeit, sechs 40 Quadratmeter große Logen zu bauen. Um diese Pläne umsetzen zu können, muss das Spielfeld ein Stück weit nach Norden verschoben werden.

Aktuell sind die Münchner Löwen auf der Suche nach einer Übergangslösung für ihre Heimspiele, wenn das Grünwalder Stadion ausgebaut wird. Doch neben der SpVgg Unterhaching hat nun auch der FC Ingolstadt 04 abgesagt. Doch wie tz und Merkur exklusiv erfahren haben, hat der TSV 1860 München schon bei einer anderen Stadt nachgefragt. 

Das Grünwalder Stadion hat sich eindeutig gegen Rasissmus und Gewalt positioniert - wer dagegen verstößt, muss draußen bleiben. 

Rubriklistenbild: © Siggi Jantz

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