Der Zoff um die Bannmeile

TSV 1860: Bereich rund um das Grünwalder Stadion wird zum Politikum

„Blaue Zone“: In dem eingezeichneten Bereich müssen sich die Fans der Blauen bei Heimspielen zurücknehmen.
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„Blaue Zone“: In dem eingezeichneten Bereich müssen sich die Fans der Blauen bei Heimspielen zurücknehmen.

Die anstehende Abstimmung im Kreisverwaltungsausschuss über die neue Stadionverordnung für das Grünwalder Stadion sorgt für Aufregung. Die Giesinger „Bannmeile“ soll immer gelten.

München – Der kommende Dienstag wird für den TSV 1860 und seine Anhängerschaft nicht nur aus sportlichen Gründen interessant. Wenn die Löwen gegen den 1. FC Kaiserslautern um Punkte für den Aufstieg in die 2. Bundesliga* kämpfen (19 Uhr), wird der Münchner Kreisverwaltungsausschuss unter dem Vorsitz von OB Dieter Reiter über die neue Stadionverordnung für die Arena und das Grünwalder Stadion abstimmen. Ein Thema, das vor allem im Umfeld der Sechziger heiß diskutiert wird.

Worum geht’s bei der neuen Stadionverordnung für das Grünwalder Stadion?

Bereits im Juni 2020 sollte die Neufassung der Stadionverordnung verabschiedet werden. Damals wurden die Vorschläge der Polizei und des Kreisverwaltungsreferats (KVR), künftig alle Spiele als sogenannte Risikospiele mit schärferen Regeln zu behandeln, als zu pauschal kritisiert. Nun drängt die Stadt auf eine Entscheidung, da im Juni die EM mit Spielen in der Arena beginne. Was das mit Giesing zu tun hat? Nächste Frage. Die neue Beschlussvorlage gleicht der alten jedenfalls bis auf ein paar kleine Korrekturen. So wurde u. a. das Wort „Risikospiel“ entfernt. Am inhaltlichen Kern hat sich nichts geändert.

Heißt konkret? Sicherheitsbereich bei Risikospielen soll künftig immer gelten

Die Giesinger „Bannmeile“, der erweiterte Sicherheitsbereich bei Risikospielen, soll künftig immer gelten. Die besonderen Regeln wären dann ab vier Stunden vor Spielbeginn bis drei Stunden nach Spielende (statt bisher zwei) in Kraft. Und zwar im weiten Umfeld des Grünwalder Stadions zwischen den U-Bahnhöfen Silberhornstraße, Wettersteinplatz, Candidplatz (und damit auch an beliebten Treffpunkten wie dem Grünspitz). 

Gegenstände, die im Stadion verboten sind, dürfen auch dort nicht mitgeführt werden, extremistische Parolen und Vermummung sind untersagt. Zudem herrscht ein Glasflaschenverbot beim „Fanmarsch“. Eine Konkretisierung des KVR findet sich bei loewenmagazin.de. „Geschlossenes Auftreten einer größeren Personengruppe in der Öffentlichkeit, wobei die innere Verbundenheit der Gruppierung durch Kleidung und/oder das entsprechende Verhalten wie skandierende Rufe bzw. Gesang deutlich wird.“

Wie reagiert der TSV 1860? Kritik von Präsident Reisinger und „Löwenfans gegen Rechts“

Präsident Robert Reisinger: „Aus meiner Sicht ist die geplante Neufassung eine Überregulierung, die weder wünschenswert noch erforderlich ist. Es kann nicht sein, pauschal Tausende von Fußballfans an einem Spieltag zu potenziellen Kriminellen zu erklären. Das ist grotesk und ein falsches Signal. Strafgesetzbuch und Polizeiaufgabengesetz bieten mehr als genug Handlungsmöglichkeiten, um tatsächlichen Bedrohungslagen Herr zu werden.“ 

Die Organisation „Löwenfans gegen Rechts“ schrieb: „Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. (...) Wir laden daher die Stadtratsmitglieder ein, sich selbst ein Bild der Lage zu machen, sobald wieder Zuschauer*innen zugelassen sind. Somit können sie selbst bewerten, ob bei Fußballspielen halb Giesing ein Risikogebiet ist, wie es die Vorlage suggeriert.“ 

(LUDWIG KRAMMER)

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