"Gutes Gefühl"

Wojtkowiak vor Absprung - Drei Jung-Löwen dabei

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Im Trimmtrab der zweiten Saisonhälfte entgegen: Die 1860-Profis nahmen am Donnerstag wieder das Training auf.

München - Löwen-Trainer Markus von Ahlen setzt zum Vorbereitungsstart auf den Geist von Leipzig, Sportchef Gerhard Poschner auf den aktuellen Kader und den Nachwuchs.

Die Löwen, das war schon am Ende des vergangenen Fußballjahrs erkennbar, haben dazugelernt im Defensivspiel. Eine Tugend, der sich zum gestrigen Trainingsauftakt auch die Sportliche Führung der Sechziger – zumindest verbal – befleißigte. Hatte man beim Saisonstart sogar noch lautstark vom Zweitliga-Titel (zuvorderst: Ex-Trainer Ricardo Moniz) geträumt, so bemühte sich nun Gerhard Poschner, Sportchef des Tabellen-15., um Zurückhaltung. Seine Einschätzung des bevorstehenden Abstiegskampfs im ersten Halbjahr 2015: „Ich bin optimistisch, dass wir unsere Spiele besser bestreiten werden als in der Hinrunde.“

Viel mehr war auch Trainer Markus von Ahlen nicht zu entlocken. Immerhin bemühte er sich, jenen Hoffnungsfunken zu schüren, der beim 1:1 bei RB Leipzig kurz vor der Winterpause erglommen war: „Nach einem Rückstand haben wir Willen und Moral aufgebracht – und dann auch das Quäntchen Glück gehabt. Das hat uns gut getan; dieses gute Gefühl versuchen wir jetzt mitzunehmen.“ Von Ahlen selbst scheint von diesem Leipziger Gefühl bereits beflügelt zu sein: „Ich bin voller Tatendrang. Die Energie, die ich in mir habe, versuche ich auch mit der Mannschaft zu forcieren.“

Vom rund 30 Mann starken 1860-Kader fehlten am Donnerstag nur zwei Spieler. Gary Kagelmacher erhielt wegen seiner langen Anreise aus Uruguay einen Tag mehr Urlaub. Und der seit langem verletzte Stürmer Rodri befindet sich noch auf Reha in Spanien, er dürfte wohl erst beim Trainingslager in Marbella (20. bis 30. Januar) zum Team stoßen.

Grzegorz Wojtkowiak bei seiner womöglich letzten Trainingseinheit beim TSV 1860.

Einiges spricht dafür, dass bis dahin Grzegorz Wojtkowiak ein anderes Trikot tragen wird. Der polnische Nationalverteidiger erhielt zwei Tage frei, um mit Lechia Gdansk über ein mögliches Engagement zu verhandeln. Wojtkowiak ist offenbar stark an einer Rückkehr in seine Heimat interessiert. Abwanderungsgedanken hegen auch die ins Regionalliga-Team zurückgestuften Bobby Wood und Markus Steinhöfer. Wie Poschner bestätigte, befindet sich das Duo auf der Suche nach einem neuen Verein: „Es ist nicht auszuschließen, dass sie uns verlassen.“ Zu den Hintergründen der Degradierung von Wood und Steinhöfer hielten sich die 1860-Verantwortlichen weiter bedeckt. Poschner meinte nur: „Das waren rein sportliche Entscheidungen.“ Von Ahlen sagte dazu vielsagend: „Ich arbeite mit jedem Spieler – aber nur nach den Regeln, die ich aufstelle.“

Mit dabei waren am Donnerstag auch drei weitere Nachwuchskräfte, die sich in der U 21 empfohlen haben: Richard Neudecker (18), Emanuel Taffertshofer (19) und Felix Weber (19). „Das ist ein Teil von 1860, auf unsere gute Jugendarbeit zurückzugreifen,“ so von Ahlen. Die ersten Erfolge hätten sich bereits in der Hinrunde eingestellt. Sein Befund: „Auf junge Spieler zu setzen, zahlt sich aus.“

Bilder: Hier startet 1860 die Mission Wende

Hier startet 1860 die Mission Wende

Auch Poschner sprach sich im Hinblick auf etwaige Neuverpflichtungen für die Beibehaltung des Jugendstils aus: „Wir schauen da zunächst, was wir in unserem Haus haben.“ Wobei er besonders auf Korbinian Vollmann (21) hinwies, der durchaus Marin Tomasov ersetzen könnte – sollte dieser nach Kroatien zurückkehren. „Wir vertrauen dem Kader, den wir zur Verfügung haben“, erklärte Poschner. Zum Thema Neuzugänge merkte er überdies an: „Ich möchte nichts ausschließen. Aber es ist nicht so, dass wir zwingend Spieler verpflichten müssen oder wollen.“

Ohnehin erhoffen sich die Löwen für die ausstehenden 15 Punktspiele noch weitere Verstärkung aus den eigenen Reihen, und zwar durch die in der Hinrunde verletzten Dominik Stahl, Edu Bedia, Stephan Hain, Rodri und Kai Bülow. Von diesem weitgehend wiedergenesenen Quintett konnte am Donnerstag allerdings nur Bülow das komplette Trainingsprogramm durchziehen. Von Ahlen meinte: „Wir sind guter Dinge, dass während der Vorbereitung alle wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.“

Zuversichtlich zeigte sich auch Rubin Okotie, der die letzten Partien trotz eines angerissenen Bandes im Knie durchgehalten hatte. Beim heutigen Testspiel des TSV 1860 auf dem Trainingsgelände (14 Uhr, im Live-Stream) gegen den Drittligisten VfB Stuttgart II ist er zwar noch nicht dabei. „Ich denke aber“, sagte der unersetzliche Torjäger, „dass ich in den nächsten Tagen wieder voll mitmachen kann.“ Und das war am Donnerstag die positivste Nachricht aus dem Löwen-Lager.

von Armin Gibis

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