Sie gehen mit den Sechzgern auf Reisen

Die Hardcore-Fans der Löwen: "Ja mei, huift ja nix"

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Roman Wöll (li.), daneben steht Herrmann Heck. Fritz Fehling ist der mit dem Bart.

Marbella - Sie sie die Treuesten der Treuen, fliegen ihren Löwen sogar bis ins Trainingslager hinterher. Und warum? In der tz erzählen ein paar Hardcore-Fans von ihren Beweggründen.

Sie sie die Treuesten der Treuen, fliegen ihren Löwen sogar bis ins Trainingslager hinterher. Und warum? „Weil’s halt Sechzig ist und dazugehört“, sagt Roman Wöll (60), der die Reisen gen Süden seit 14 Jahren mitmacht. „Rom mit Peter Pacult als Cheftrainer ist 2001 mein Einstand gewesen“, erzählt Wöll, „seitdem bin ich jedes Jahr dabei.“

Manch andere wie Fritz Fehling oder Franz Hell können auf eine wesentlich längere Historie zurückblicken; sie haben die Bayernligazeit erlebt und die goldenen Jahre bis 2000, als Werner Lorant und Karl-Heinz Wildmoser dem Giesinger Kultklub wieder zu bundesweiter Relevanz verhalfen.

Seit nach Leeds der Sinkflug begann, gab’s jedes Jahr weniger zu lachen in den Trainingslagern. Götz, der Abstieg, Arena-Verkauf, verpuffte Investoren-Euphorie. Jetzt, wo die Mannschaft am Abgrund zur Drittklassigkeit steht, sind insgesamt nur noch gut 30 Fans übrig, die an der Costa del Sol vor allem ihre eigene Tradition hochhalten. Am Wochenende gab’s mit dem Spontan-besuch einer sonnenhungrigen (und bierdurstigen) Delegation der „Giasinga Buam“ zwar frisches Blut aus der jungen Fanszene zu bestaunen, doch die meisten der Stammgäste haben den sechzigsten Geburtstag bereits hinter sich gebracht.

Drohne über dem Trainingsplatz: Bilder von der Einheit am Sonntag

Klar, dass sich die Gespräche vor allem um die Vergangenheit drehen, als die Spieler noch Miller, Nowak, Trares, Jeremies oder Häßler hießen und Sechzig mit dem FC Bayern in derselben Galaxis spielte. Aus und vorbei. In diesen Januartagen von Marbella ist vor allem Galgenhumor gefragt. Herrmann Heck (82), den sie alle nur den „Charly“ nennen und der den Spielern nach schlechten Leistungen gerne mal selbst gebastelte Gelbe Karten vor die Nase hält, macht auf den Tribünen des Trainingsplatzes seine Witze, während der langbärtige Fehling zur Beobachtung gerne etwas abseits sitzt und still die Augen schließt, wenn die Bälle beim Torschusstraining mal wieder über den Zaun segeln.

„Es fehlen inzwischen einfach die Gesichter auf dem Platz“, sagt Wöll, „ein Király, ein Lauth, ein Bierofka. Und auch die Trainer sind jetzt nicht die geselligsten, da fehlt mir ein bissl der Pep, der Schmäh.“

„Ja mei, huift ja nix“, wirft der Charly in die melankomische Runde. „Für den Spaß sind ja mir dabei.“ Zustimmendes, von Seufzern untermaltes Nicken. Dann sagt einer aus dem Hintergrund: „Ja, vielleicht wäre zu viel Gaudi auf Platz 15 auch gar nicht mal so gut. Wir wollen doch nicht absteigen. Wer weiß, ob’s in der Dritten Liga noch für ein Trainingslager langt?“ Und das wäre dann doch schad’. Irgendwie.

lk

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