Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Hart erarbeitetes Stimmungshoch bei 1860 - es darf nicht blenden

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Der Löwe brüllt wieder auf Giesings Höhen: 1860-Angreifer Markus Ziereis, Schütze des 2:0.

Der TSV 1860 ist nach dem 3:0 gegen Bayreuth Herbstmeister der Regionalliga, die Fans genießen auch den 13. Sieg der Hinrunde in vollen Zügen. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

München – Man hat sich fast gewöhnt an solche Nachmittage. Zum 13. Mal in dieser Saison schon verließen die Münchner Löwen als Sieger den Platz, die Fans feierten von der ersten Minute an ihr Team („Sechzig ist der geilste Klub der Welt!“), die Fußballseele befand sich einmal mehr in angenehmer Wallung im ausverkauften Grünwalder Stadion – und am Ende stand auch fest, was sich in dieser ersten Viertliga-Hinrunde in der langen Geschichte des TSV 1860 München schon seit längerem abgezeichnet hatte: Die Sechziger besiegelten mit dem 3:0 (2:0) gegen die SpVgg Bayreuth die Herbstmeisterschaft in der Regionalliga Bayern. „Das war ein gelungener Feiertag“, sagte Kapitän Felix Weber.

Bierofka: „Das war ein ganz wichtiger Schritt nach vorn“

Schon erstaunlich, dass ausgerechnet im Jahr des Jahrhundertabsturzes von der 2. in die 4. Liga und der damit verbundenen tiefen Depression der Stimmungspegel derart nach oben ausschlagen konnte. Wenn man an die Unruhe und die Probleme denke, sagte Trainer Daniel Bierofka, die es noch im Sommer gegeben habe, „dann müssen wir mit den 41 Punkten sehr zufrieden sein. 13 Siege sind eine gewaltige Bilanz.“

Nur: Auch gegen Bayreuth war nicht alles Gold, was glänzte. Die überraschend widerspenstigen Franken, die am Dienstag ihre neunte Niederlage in Serie kassierten, machten den Löwen durchaus zu schaffen. Schon in der 7. Minute flog der von Dominik Schmitt getretenen Ball an den Innenpfosten. Eine Szene, der der erst am Montag neu installierte Bayreuth-Trainer Christian Stadler sehr nachtrauerte. „Ich weiß jetzt noch nicht, wie der Ball wieder herausgesprungen ist“, sagte er in der Pressekonferenz. Bierofka meinte: „Da hatten wir Spielglück.“ Und auch danach bedurfte es zunächst einiger starker Paraden von 1860-Keeper Marco Hiller, um einen Rückstand abzuwenden. „Wir haben anfangs ein bisschen zu viel zugelassen“, befand der Löwen-Schlussmann.

Erst das 1:0 von Verteidiger Jan Mauersberger (36.), der aus von ihm geschätzten „24 Zentimetern Entfernung“ den Ball aus einem chaotischen Durcheinander heraus über die Linie bugsierte, brachte Erleichterung. „Das war ein immens wichtiges Tor“, sagte Bierofka. Auch der zweite Volltreffer von Markus Ziereis (41.) fiel per Nachschuss. „Wir haben den Sechzigern eineinhalb Tore aufgelegt“, bemängelte Trainer Stadler, der ansonsten aber die Seinen nachdrücklich belobigte: „Wir können hier erhobenen Hauptes aus dem Stadion gehen.“

Daniel Bierofka: „Die Mannschaft ist noch lange nicht da, wo ich sie haben will.“

„Es war für uns von Anfang an ein täglicher Kampf“

Das gilt natürlich auch für die Löwen. Mit dem hart und auch etwas glücklich erarbeiteten Vorsprung im Rücken hielten sie in der zweiten Hälfte die Bayreuther einigermaßen sicher in Schach, Sascha Mölders erhöhte noch auf 3:0 (89.), nach zuletzt zwei Niederlagen war der erste kleine Negativtrend dieser Saison gestoppt, die Löwen-Welt damit wieder in Ordnung. „Das war ein ganz wichtiger Schritt nach vorne. Die drei Punkte waren enorm wichtig für uns“, erklärte Bierofka.

Löwen erkämpfen sich Herbstmeisterschaft: Einer kriegt die Zwei, zwei die Vier

Mit fünf Zähler Vorsprung auf den Regionalliga-Zweiten Ingolstadt II gehen die Blauen also in die Rückrunde, die schon Freitag mit dem Heimspiel gegen Memmingen (19 Uhr) beginnt. Bierofka macht sich da auf ein hartes Stück Arbeit gefasst: „Es war für uns von Anfang an ein täglicher Kampf, und es ist immer noch so. Wir sind immer noch am kämpfen.“

Die komfortable Tabellensituation, das weiß auch der Trainer, täuscht darüber hinweg, dass sich die Münchner manchmal immer noch ziemlich schwer tun, spielerische Dominanz zu entfalten. „Ich sehe immer noch Potenzial, das wir rauskitzeln müssen“, sagte der betont anspruchsvolle Bierofka, „die Mannschaft ist noch lange nicht da, wo ich sie haben will. Aber wir arbeiten jeden Tag daran.“ Schließlich soll es ja bis zum Saisonende andauern, das weiß-blaue Stimmungshoch.

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