1860-Investor erklärt: "Ich hab' es satt"

Ismaik droht Löwen mit Insolvenz!

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Starker Wille, schwache Umsetzung: Hasan Ismaik (39).

München - Nach seiner Presserunde in London legt Hasan Ismaik noch einmal nach und droht dem TSV 1860 mit einem Finanzierungs-Stopp. Und so droht den Löwen sogar der Lizenzentzug!

Hasan Ismaiks London-Konferenz und die Nachbeben… Obschon der jordanische Finanzier des TSV 1860 am Sonntag noch erklärt hatte, seinen „Lebenstraum“ von einem Erstliga-Sieg gegen den FC Bayern weiterverfolgen zu wollen (auch, um den Preis für seine Anteile nicht zu mindern), sendet er nun neue Drohungen Richtung Giesing. „Ich bin nicht mehr dazu bereit, neue Kredite zu geben, noch alte Kredite in Genussscheine umzuwandeln, solange die Art und Weise, wie der Verein verwaltet wird, sich nicht ändert“, ließ Ismaik per E-Mail wissen. Entweder gebe es nun „spürbare Veränderungen oder keine Investitionen“ mehr, „denn ich bin es satt – und noch vor mir haben es die Fans satt –, die beschämenden Niederlagen des Vereins hinzunehmen, die uns übrigens nicht nur in die Dritte Liga führen werden, sondern in die Amateurliga.“

Als Hauptgesellschafter einen Lizenzentzug zu riskieren – es wäre wirtschaftliche Selbstverstümmelung, die Ismaik mit einer Verweigerung neuer Darlehen für die kommende Saison beginge. Ohne frisches Geld im Frühjahr wäre die stark defizitäre Profi-KGaA des TSV 1860 ein Fall für den Insolvenzrichter, eine Versetzung in die Regionalliga die wahrscheinlichste Konsequenz. Kann Ismaik (geschätzt 1,25 Milliarden Dollar schwer) das wollen? Oder setzt er mit seiner Drohung der angeblich an einer Übernahme interessierten Autobauerfamilie Porsche das Messer auf die Brust, Devise: Entweder ihr schlagt jetzt zu, oder ihr bekommt einen Viertligisten?

Ismaik: 1860 ist ein Verein der Absurditäten

Recht hat Ismaik mit seiner Zustandsbeschreibung: „Ich glaube, dass mir alle zustimmen werden, dass wir momentan kein Fußballverein sind, sondern ein Verein der Absurditäten. Im Moment tut keiner den Löwen was Gutes – es müsste eigentlich so sein, dass die Löwen mit so einem Traditionsverein ihr Haupt erheben, anstatt sich für das, was daraus geworden ist, zu schämen.“

Ismaik und die Löwen: Was 2011 als Rettung bezeichnet wurde, ist zur Farce verkommen.

So weit, so vage. Was Ismaik konkret verändern will, wurde auch durch die Konferenz von London nicht wirklich klarer. „Bisher waren die Sportdirektoren alle auf demselben Niveau“, sagte der Jordanier. „Wenn beide Seiten übereinkommen und der Mann tatsächlich Erfolg hat, wären auch drei Millionen Gehalt okay für mich.“ Man solle sich nicht auf den deutschen Trainer- und Managermarkt beschränken, sondern Leute von englischen oder spanischen Topklubs überzeugen, in Giesing etwas voranzubringen. „Ich könnte alles dafür tun, dass 1860 so erfolgreich wird wie Chelsea oder Manchester City.“ Was Ismaik daran hindert? Zum einen die 50+1-Regel der DFL, die den Vereinen das letzte Wort zusichert. Und zum anderen Ex-Übergangspräsident Siegfried Schneider, dem Ismaik unterstellt, vorsätzlich den Wert des Klubs mindern zu wollen. „Ich respektiere Schneider. Aber er und (Ex-Beirat) Ulrich Bez arbeiten lieber eng mit der Käuferfamilie zusammen als mit mir.“

Fan-Reaktionen: "Ismaik trotzig wie ein kleiner Junge"

Schneider war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Vom Verein hieß es lediglich, man wolle kein öffentliches Pingpong-Spiel mit Ismaik austragen. Nicht die unklügste Strategie in diesen Tagen des Zorns.

lk

Hasan Ismaiks Erklärung im Wortlaut

Profit war nicht das Ziel meiner Investition, denn auch der klügste Geschäftsmann der Welt weiß, dass man mit einem Verein, der kein eigenes Stadion hat und sich in einer Situation befindet, wie der Situation bei 1860, keinen Profit erzielen kann – das Ziel meiner Investition war einfach die Leidenschaft für den Fußball, der Durst, eine Erfolgsgeschichte für einen so traditionsreichen Verein zu schaffen – deswegen habe ich in den letzten vier Jahren allen und jedem die Chance und die Freiheit gegeben, den Verein erfolgreich zu verwalten, allerdings sind die Ergebnisse sichtbar und spürbar für uns alle.

Ich bin nicht mehr dazu bereit, weder neue Kredite zu geben, noch alte Kredite in Genussscheine umzuwandeln, SOLANGE die Art und Weise, wie der Verein verwaltet wird, sich nicht ändert, denn: Was ich bislang gemacht habe, ist einfach nur, meiner Unternehmensgruppe, für die ich sehr hart gearbeitet habe, wirtschaftlich Schaden zuzufüge.

Entweder spürbare Veränderungen oder keine Investitionen, denn ich bin es satt und sicherlich und noch vor mir haben es die Fans satt, die beschämenden Niederlagen des Vereins hinzunehmen, die uns übrigens nicht nur in die Dritte Liga führen werden, sondern in die Amateurliga, und ich glaube, dass mir alle zustimmen würde, dass wir momentan kein Fußballverein sind, sondern ein Verein der Absurditäten.

Im Moment tut keiner den Löwen was Gutes – es müsste eigentlich so sein, dass die Löwen mit so einem Traditionsverein ihr Haupt erheben, anstatt sich für das, was aus dem Verein geworden ist, zu schämen.

Von Hasan Ismaik, Hauptgesellschafter des TSV 1860

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