Ungewohnte Zuneigung

Ismaik und 1860 München: Fast so etwas wie Liebe

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Hasan Ismaik (links) beim Spiel des TSV 1860 München in Leipzig.

München - Löwen-Vizepräsident Peter Helfer spricht über Hasan Ismaiks ungewohnte Zuneigung für den TSV 1860 München.

Was ist eigentlich mit Hasan Ismaik los? Nicht nur, dass er am Sonntag in Leipzig zum ersten Mal in knapp fünf Jahren bei einem Auswärtsspiel des TSV 1860 München vor Ort war, nein, er war hinterher auch trotz der 1:2-Niederlage voll des Lobes und zollte der Mannschaft große Anerkennung. Auf seiner Facebookseite schrieb der 39-jährige Investor: „Ich bin stolz auf diese Leistung, Löwen. Die Mannschaft hat bis zum Schluss gekämpft. Das war großartig. Wir werden vom Spiel zu Spiel stärker. Auch wenn wir heute verloren haben: Wir werden die nötigen Siege gemeinsam erringen. Löwen-Grüße aus Leipzig. Euer Hasan Ismaik.“ Ähnliches hatte er schon kurz nach Spielende über Präsident Peter Cassalette an die Mannschaft ausrichten lassen. Ein völlig neuer Ismaik. Schließlich hatte er in der Vergangenheit bei Toren der Löwen eher gelangweilt reagiert, sich lieber mit seinem iPhone beschäftigt und den Präsidenten zum Beispiel gefragt, warum dieser bei einem von Ortega gehaltenen Elfmeter so ausgelassen reagiere. „You are too emotional“, ließ er Peter Cassalette wissen.

In Leipzig dagegen ließ Ismaik selbst die Emotionen raus. Und das sogar in der Loge von Red Bull. Er ballte enttäuscht die Faust, nachdem Sascha Mölders in der ersten Halbzeit nur den Pfosten getroffen hatte, und auch ansonsten war sein Handy an diesem Tag eher Nebensache. „Hasan hat sich gewandelt“, sagte Vizepräsident Peter Helfer gestern, „vielleicht auch, weil ihn jetzt eine Berliner PR-Agentur berät“. Die ihm womöglich nahegelegt hat, dass es vielleicht nicht verkehrt wäre, für den Verein, in den er bisher zwischen 40 und 50 Millionen Euro gesteckt hat, etwas mehr Sympathie zu zeigen. Oder ist es sogar mehr? „Man kann ja fast schon davon sprechen, dass es so was wie Liebe ist“, schmunzelte Vizepräsident Peter Helfer und fügte dann noch hinzu: „Wir können ja auch nur gemeinsam etwas schaffen. Und ich glaube, da sind wir jetzt zusammen mit Hasan Ismaik auf einem guten Weg.“

Hasan Ismaik und der TSV 1860 München: Nur so etwas wie käufliche Liebe?

Oder ist es doch nur so etwas wie käufliche Liebe? Am Dienstag muss der TSV 1860 die Unterlagen für die Lizensierung der Saison 2016/17 einreichen, und ohne die finanzielle Unterstützung von Hasan Ismaik in Höhe von mehreren Millionen Euro wären die Unterlagen nicht mal das Briefporto wert.

Egal. Vor allem einer ist froh, dass im Umfeld des Vereins die Hektik gewichen ist: Benno Möhlmann. „Bei uns ist Ruhe“, sagte der Löwencoach, „auch nach der 1:2-Niederlage in Leipzig. Aber man muss damit auch richtig umgehen und darf nicht blauäugig sein.“ Und schon gar nicht nervös werden, nachdem sich im unteren Tabellendrittel die Situation wieder etwas verschärft hat. Möhl­mann: „Wir sind in der Spur, wir funktionieren als Mannschaft und haben eine sehr gute Qualität entwickelt.“ Am Sonntag im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld soll es bewiesen werden.Mit einem Sieg.

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Claudius Mayer

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