"Alter Mann", "Ist nicht ehrlich"

Ismaik attackiert Schneider! Das ganze tz-Interview

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Hasan Ismaik (r.) ist stinksauer auf Löwen-Präsident Dienter Schneider

München - Im Interview mit der tz schießt Löwen-Investor Hasan Ismaik mit voller Wucht gegen den Verein, allen voran gegen Präsident Dieter Schneider. Die Vorwürfe wiegen schwer.

Herr Ismaik, welche Probleme haben Sie mit 1860?

Hasan Ismaik: "Das Problem ist, dass meine Partner versuchen, die Fans für sich zu gewinnen, indem sie falsche Bedenken äußern und ein falsches Verlangen zeigen, Vereinsinteressen schützen zu wollen. Dabei machen sie starke Sprüche. Sie schaffen falsche Szenarien, die bei keinem Treffen diskutiert worden sind. Die Wahrheit ist, dass sie sich nicht wirklich um den Klub kümmern, sondern um ihre Ämter und ihr Ansehen in den Medien. Sie haben den Klub durch schlechtes Management und noch schlechtere Entscheidungen ruiniert. Welche Partei hat nun an die Mannschaft und die Fans geglaubt und verdient deren Vertrauen? Nach dem großartigen Empfang, den ich in München  erfahren habe, fühlte ich mich verantwortlich, die Fans glücklich zu machen.

Der Verein war am Rande der Insolvenz, und ich hätte

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einfach wieder gehen können, aber das habe ich nicht. Ich habe mich entschieden zu bleiben, weil ich an den Verein zutiefst geglaubt habe und immer noch glaube und die Mannschaft und die Fans unterstützen will. Ich habe die ganzen Schulden des Klubs bezahlt und habe mehr als zehn Millionen Euro als Darlehen gegeben, als ich wusste, dass ich bei einem Scheitern der Mannschaft alles verlieren würde. Ich bin derjenige, der am meisten mit dem Verein sympatisiert und sich am meisten um ihn kümmert, weil mein Geld auf dem Spiel steht.

Ich verfolge die finanziellen Belange des Vereins. Ansonsten wäre der Verein innerhalb eines Jahres kollabiert. Das Vereinsmanagement treibt politische Spielchen und käut die gleiche Geschichte über den Geist und die Tradition und die Schuldenfreiheit des Klubs wieder. Die kritische Frage ist: Wie kann der Verein Geld erwirtschaften, ohne in der 1. Bundesliga zu spielen? Sie wollen die Sachen belassen, wie sie sind. Warum sollte ein alter Mann wie Schneider am Präsidentenposten festhalten? Die einzige Erklärung ist, dass seine persönlichen Interessen und sein Öffentlichkeitsdrang ihn dort halten. Ich appelliere an jeden, der mein Handeln mit dem 1860-Team kritisiert, zu kommen mit mir über seine beabsichtigten Pläne, den Klub erfolgreich zu machen, zu diskutieren."

Mit welchen Erwartungen gehen Sie am 7. Januar in die Gespräche mit Schneider?

Ismaik: Ich respektiere Schneiders Alter, aber er ist nicht ehrlich im Umgang mit mir, mit den Fans und auch nicht zu sich selbst. Er gibt ständig inhaltlich falsche Statements ab und wenn man ihn damit konfrontiert, streitet er alles ab und meint, das habe er so nicht gesagt.

Was wäre die beste Lösung in Ihren Augen?

Ismaik: Die Vereinsmitglieder sollten ihre Wahlentscheidungen mit dem Ziel prüfen, manche Klubverantwortlichen durch Personen zu ersetzen, die die 1860-Anliegen über ihre persönlichen Interessen stellen. Der Klub braucht frisches Blut und ich werde der Öffentlichkeit in München für Fragen diesbezüglich zur Verfügung stehen.

Warum wollen Sie den Dreijahresplan abändern?

Ismaik: Ich habe den Plan im ersten Jahr unterstützt, aber er ist komplett gescheitert, wofür die Leistungen der Mannschaft und die Tabellensituation nur ein Beispiel sind. Es wurden sechs neue Spieler verpflichtet und die Leistungen der Mannschaft haben sich verschlechtert. Wäre es vernünftig, diesen gescheiterten Plan weiter aufrecht zu erhalten und alte Spieler zu verpflichten, die wir nicht wirklich brauchen?

Und darum haben Sie auch die zweite Darlehensrate noch nicht unterschrieben?

Ismaik: Ja, ganz einfach, weil ich keine gescheiterten Pläne unterstütze. Und dieser Plan hat sich schon im ersten Jahr als Fehler erwiesen.

Was sagen Sie zu den Gerüchten, Ihr einziges Ziel sei es, Ihre Anteile an 1860 schnellstmöglich zu veräußern?

Ismaik: Lassen Sie mich sehr klar werden in diesem Punkt. Wenn mein Partner keinen Respekt zeigt und keine Konsultationen mit mir haben will, dann werde ich nicht länger bleiben. Sie holen dann vielleicht einen anderen Partner aus München, der sich bei Schwierigkeiten öffentlich zur Rede stellen lässt. Falls sie mir nicht die Chance geben, in die Bundesliga aufzusteigen und später in die Europa League oder Champions League zu kommen, dann hat dieses Investment keinen Wert für mich.

Glauben Sie weiterhin, dass Sven-Göran Eriksson der geeignete Trainer wäre, um aufzusteigen?

Ismaik: Eriksson ist ein international anerkannter Coach mit großer Erfahrung. 1860 sollte aus dem dunklen Kanal auf den richtigen Weg kommen, von einem lokalen Klub zu einem Bundesligisten werden und später zu einem internationalen Klub. Eriksson ist ein Freund von mir. Er war bei seinen Besuchen sehr angetan von München und von 1860, seine Motive sind nicht materiell. Er will eine Erfolgsstory begründen und das Potenzial bei 1860 für einen Aufstieg nutzen. Sein Enthusiasmus ist das, was ich am meisten an ihm schätze.

Warum glauben Sie, dass Robert Schäfer der falsche Mann als Geschäftsführer ist?

Ismaik: Das habe ich niemals behauptet oder mit Schneider besprochen. Als ich von der Geschichte erfahren habe, habe ich ihn sofort angerufen und um ein öffentliches Dementi gebeten. Wie üblich hat er die ganze Story in Abrede gestellt, aber statt eines Dementi meinen Bürochef in München angerufen und ihn gefragt, wie man jetzt vorgehen solle. Ob es nicht besser wäre, das Thema zu verschweigen. Ich habe dann direkt mit Robert geredet und ihm erklärt, dass die Geschichte komplett falsch ist. Wenn ich der Meinung wäre, dass Robert der falsche Mann wäre, dann würde ich ihm das direkt sagen. Aber ich gebe ihm meinen Rückhalt, weil er hart daran arbeitet, das System zu verändern, das den Klub ausbremst.

Warum waren Sie so lange nicht mehr in München?

Ismaik: Ich habe einen Businessplan unterschrieben und gedacht, dass sich die Dinge positiv entwickeln. Das war der Grund. Als ich gemerkt habe, dass der Plan nicht aufgeht, war mir klar, dass ich kommen muss. Ich will die Mannschaft nicht Spiel um Spiel verlieren sehen. Ich bin komplett enttäuscht von meinen Partnern, dass sportlich nichts vorangeht.

Was ist Ihre Botschaft an die Fans?

Ismaik: Die Leute, denen ihr vertraut habt, haben einen Mangel an Verantwortungsbewusstsein. Ich mache keine taktischen Spielereien, mir tut die Entwicklung am meisten weh, schließlich ist es mein Geld, mit dem hier gearbeitet wird. Ich wünsche mir, dass die Fans an mich und meine Pläne glauben und mich unterstützen. Wir haben dieselben Ziele, Sechzig wieder hoch zu bringen und zu einem europaweit anerkannten Klub zu machen.

Wer wird Nachfolger von Hamada Iraki im Geschäftsführungsbeirat?

Ismaik: Ich hoffe, dass Hamada seinen Rücktritt nochmal überdenkt. Er hat große Verdienste um 1860 und wäre ein Gewinn für den Klub. Falls er nicht will, bin ich ihm trotzdem dankbar für alles. Die Geschichte wird seine Arbeit nicht vergessen.

Interview: lk

"Einer wie du und ich": Die wichtigsten Fakten zu Löwen-Investor Ismaik

"Einer wie du und ich": Die wichtigsten Fakten zu Löwen-Investor Ismaik

Am 30. Mai 2011 stieg Hasan Abdullah Mohamed Ismaik (l.) als Investor beim TSV 1860 München ein und rettete den Traditionsklub damit vor der drohenden Insolvenz. © M.I.S.
Wer genau ist dieser Mann, den viele im Löwen-Umfeld einfach nur den "Scheich" nennen? © Sampics
Ismaik wurde am 14. August 1976 in Kuwait geboren und besitzt die jordanische Staatsbürgerschaft. © M.I.S.
Er wuchs in einfachen Verhältnissen in Saudi-Arabien auf und studierte in der jordanischen Hauptstadt Ammam BWL. © M.I.S.
Nach dem Studium begann er in Abu Dhabi, mit Öl und Immobilien zu handeln und profitierte vom Immobilienboom 2007 im nahen Osten. "Da kann man viel Geld verdienen, wenn man auf das richtige Pferd setzt", so Ismaik. © M.I.S.
Über seinen Münchner Geschäftspartner und Unicredit-Manager Hamada Iraki (l.) entstand im März 2011 erstmals Kontakt zu den Löwen. © M.I.S.
Der Deal wurde perfekt gemacht, indem Ismaik für 18 Millionen Euro 60 Prozent der Aktien (davon 49 Prozent stimmberechtigte) der 1860 München KGaA erwarb. © M.I.S.
Ismaik ist verheiratet und mehrfacher Vater © M.I.S.
Als gläubiger Muslim trinkt Ismaik natürlich keinen Alkohol ... © M.I.S.
... deshalb gab's bei seinem ersten Wiesn-Besuch 2011 nur alkoholfreies Bier. © Sampics
Bayerische Tracht steht dem Jordanier aber ganz gut. © Sampics
Prosten mit dem damaligen Trainer Reiner Maurer. © Sampics
Ismaik behauptet, mit 70 Prozent aller arabischen Machthaber befreundet zu sein. © M.I.S.
"Ich bin ein absoluter Familienmensch. Die Familie ist das wichtigste in meinem Leben. Ich bin direkt und sehr seriös, halte immer mein Wort und habe viele Abenteuer erlebt. Und ich schreibe alles jeden Tag in mein Tagebuch – am liebsten im Flugzeug", so Ismaik. © M.I.S.
Laut eigenen Angaben sitzt Ismaik pro Monat rund 110 Stunden im Flieger, um von einem Geschäftstermin zum nächsten zu fliegen. © Sampics
Natürlich hat Ismaik seinen eigenen Privatjet, mit dem er unabhängig und spontan seine Reisen organisieren kann. © Sampics
Nur wenn der Fastenmonat Ramadan ansteht, schränkt Ismaik das Reisen ein. "Dann bewege ich mich nur im arabischen Raum", sagt er. © Sampics
Ismaik liebt schnelle und teure Autos. Und da er es sich leisten kann, nennt er unter anderem einen 1,2 Millionen teuren Bugatti sein Eigen. © Sampics
Ex-Löwen-Spieler Collin Benjamin charakterisierte Ismaik so: "Er ist ein Mann von nebenan, ganz locker drauf, einer wie du und ich." © Sampics
Um sich auch zu Hause in Abu Dhabi die Löwen-Spiele in bester Qualität anschauen zu können, hat sich Ismaik eine Großbildleinwand zugelegt. Die passenden Satellitenverbindungen gehören selbstredend dazu. © M.I.S.
Hauptwohnsitz von Ismaik ist Dubai, doch auch in Paris und New York hat der Geschäftsmann Wohnungen. In München soll er bislang noch nicht fündig geworden sein. © Sampics
Ismaiks Credo als Geschäftspartner: "Egal, ob ich ein oder 99 Prozent habe – ich erwarte immer, dass mein Partner alles gibt." © M.I.S.
Zu Beginn seines Engagements bei den Löwen sagte Ismaik: "Ich will eine Freundschaft mit Deutschland aufbauen. Ich liebe Deutschland, die deutsche Mentalität und deutsche Produkte." © Sampics
Wie lange sein Engagement bei den Sechzgern dauern wird? "Unendlich – es sei denn, ich hätte das Gefühl, ich wäre unerwünscht." © Sampics

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