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„Gefährdung meines Investments“: Ismaik wehrt sich gegen Erpressungsvorwürfe

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Von: Marcus Giebel

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TSV 1860 München
Meldet sich erneut zu Wort: Löwen-Investor Hasan Ismaik will sich keine Erpressungsversuche vorwerfen lassen. © Archivfoto: sampics / Stefan Matzke

Bei den Löwen geht es weiter drunter und drüber. Während noch nicht sicher ist, in welcher Spielklasse der Klub nächste Saison antritt, kritisiert Investor Hasan Ismaik einmal mehr den e.V..

München - Hasan Ismaik schlägt zurück! Nachdem die Süddeutsche Zeitung anhand eines Artikels über vereinsinterne Korrespondenzen einen mutmaßliche Bestechungsversuch des Löwen-Investors gegenüber den Klub-Bossen aufgedeckt hatte, meldet sich der Jordanier nun mit einer Klarstellung zu Wort. Mit dem Schreiben, das Ismaiks Unternehmen „HAM International Limited“ an unsere Redaktion sendete und das später auch über die Löwen-Pressestelle verschickt wurde, will der Milliardär „volle Transparenz in dieser Angelegenheit geben, die eigentlich doch vertraulich zwischen den Gesellschaftern hätte bleiben sollen“.

Dabei bestätigt Ismaik, „dass wesentliche Änderungen der Strukturen verlangt wurden“. Demnach seien die „Diskussionen mit den maßgeblichen Entscheidungsträgern des e.V.“ der Presse am 14. Mai 2017 zugänglich gemacht worden. Einen Dissens zwischen beiden Seiten habe es nicht gegeben: „Tatsache ist, dass der e.V. sich mit allen unseren Anforderungen einverstanden erklärt hat, mehr noch, es wurde uns ausdrücklich bestätigt, dass die Umsetzung unserer Wünsche wesentlich für eine erfolgreiche Entwicklung von 1860 ist.“

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„Vorschläge im Einklang mit 50+1-Regel“

In diesem Zusammenhang verbittet sich Ismaik auch, von einem Erpressungsversuch zu sprechen. Zudem hätte die DFL „die meisten unserer Vorschläge für die Änderung der gesellschaftsrechtlichen Struktur genehmigt, da sie im Einklang mit der 50+1-Regel stehen“. Ziel der geforderten Maßnahmen sei es gewesen, „dass wir einen Interessenkonflikt für den Geschäftsführer verhindern wollen, falls der e.V. sein Weisungsrecht nutzt, um den Geschäftsführer anzuweisen, dass er Verträge zwischen e.V. und KGA abschließt“.

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Der Verein habe „leider in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen in diesem Zusammenhang machen müssen“ und nach der Verpflichtung von Ian Ayre als Geschäftsführer für Klarheit sorgen wollen. Auch die DFL hätte „die Problematik einer Interessenkollision erkannt und Vorschläge zur Lösung gemacht“. Also habe Ismaik lediglich um „eine ordnungsgemäße Struktur gebeten, die bereits bei den meisten professionellen Fußballvereinen in Deutschland üblich ist“.

„Führung des e.V. hat keine Ergebnisse geliefert“

Auf die entsprechenden Änderungen habe er seit Monaten gedrängt: „Leider hat die Führung des e.V. es bisher nicht geschafft, hier in angemessener Weise zu reagieren oder Ergebnisse zu liefern. Dies bedeutet nicht nur eine Gefährdung der KGaA und damit meines Investments, sondern auch für den e.V. selbst.“ In diesem Zusammenhang noch nicht thematisiert worden sei „die Verpflichtung des e.V., endlich ihre steuerlichen Probleme im Hinblick auf den schon lange angedrohten Entzug des Gemeinnützigkeit-Status zu lösen“. Die Führung des e.V. habe keinen Vorschlag für das Problem unterbreitet, der die Finanzbehörden zufriedengestellt hätte.

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Ismaik könne nicht verstehen, „warum diese Probleme nicht vom e.V. angegangen werden“. Zum Abschluss stellt er erneut eine Forderung für weitere Finanzspritzen seinerseits: „Ich kann nur wiederholen, dass ich bereit bin, meinen Teil beizutragen, um 1860 in dieser schwierigen Situation zu helfen - aber der e.V. muss zuerst seine Hausaufgaben erledigen.“

Die SZ hatte in dem von Ismaik angesprochenen Artikel berichtet, dass der Investor nicht mit den DFL-Regeln vereinbare Änderungen im Verein eingefordert habe. Daran soll der 39-Jährige seine weitere finanzielle Unterstützung - etwa für die für die Lizenzvergabe zur 3. Liga notwendigen Gelder - geknüpft haben.

Mittlerweile schon wieder Löwen-Geschichte: Ian Ayre war nur zwei Monate lang Geschäftsführer.
Mittlerweile schon wieder Löwen-Geschichte: Ian Ayre war nur zwei Monate lang Geschäftsführer. © dpa

Stellungnahme von Hasan Ismaik im Wortlaut

„Gestern veröffentlichte süddeutsche.de Zitate aus durchgesickerten, internen Dokumenten, mit der falschen Behauptung, ich würde 1860 erpressen, wobei nur sehr ausgewählte Zitate verwendet wurden. Da die Süddeutsche Zeitung mir nicht die Möglichkeit gegeben hat, hierzu vorab Stellung zu nehmen möchte ich an dieser Stelle die Tatsachen, die die Süddeutsche Zeitung leider nicht zitiert hat, veröffentlichen, um den Fans von 1860 volle Transparenz in dieser Angelegenheit zu geben, die eigentlich doch vertraulich zwischen den Gesellschaftern hätte bleiben sollen.

Es ist zutreffend, dass wesentliche Änderungen der Strukturen verlangt wurden. Das ist an sich keine Neuigkeit und längst auch kein Geheimnis mehr. Der Inhalt meiner entsprechenden, vertraulichen Diskussionen mit den maßgeblichen Entscheidungsträgern des e.V. im Februar 2017 wurde der Presse bereits am 14. Mai 2017 durchgestochen. Tatsache ist, dass der e.V. sich mit allen unseren Anforderungen einverstanden erklärt hat, mehr noch, es wurde uns ausdrücklich bestätigt, dass die Umsetzung unserer Wünsche wesentlich für eine erfolgreiche Entwicklung von 1860 ist. Es gibt keinerlei Kontroverse über unsere Wünsche, geschweige denn einen Erpressungsversuch. Auch die DFL hat mittlerweile die meisten unserer Vorschläge für die Änderung der gesellschaftsrechtlichen Struktur genehmigt, da sie im Einklang mit der 50 + 1 Regel stehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir hinsichtlich der verbleibenden gesellschaftsrechtlichen Fragen schnell eine Einigung mit dem e.V. erzielen werden. Im Prinzip geht es uns darum, dass wir einen Interessenkonflikt für den Geschäftsführer verhindern wollen, falls der e.V. sein Weisungsrecht nutzt, um den Geschäftsführer anzuweisen, dass er Verträge zwischen e.V. und KGA abschließt. Verträge wohlgemerkt, die nicht notwendigerweise im besten Interesse der KGA sind. Wir haben leider in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen in diesem Zusammenhang machen müssen und im Rahmen der Verpflichtung von Ian Ayre wurde es deutlich, dass hier eine Klarstellung notwendig ist. Auch die Die DFL hat die Problematik einer Interessenkollision erkannt und Vorschläge zur Lösung gemacht. Wie Sie sehen können, haben wir lediglich um eine ordnungsgemäße Struktur gebeten, die bereits bei den meisten professionellen Fußballvereinen in Deutschland üblich ist.

Die einzige Kontroverse zwischen den Parteien ist hinsichtlich des Zeitrahmens. Wir haben seit Monaten auf diese Änderungen gedrängt. Leider hat die Führung des e.V. es bisher nicht geschafft, hier in angemessener Weise zu reagieren oder Ergebnisse zu liefern. Dies bedeutet nicht nur eine Gefährdung der KGaA und damit meines Investments, sondern auch für den e.V. selbst. Was nämlich im Artikel der Süddeutschen Zeitung unterschlagen wird, ist ein ganz wesentliches Element meiner Forderungen, nämlich die Verpflichtung des e.V., endlich ihre steuerlichen Probleme im Hinblick auf den schon lange angedrohten Entzug des Gemeinnützigkeit-Status zu lösen. Bisher war die Führung des e.V. nicht in der Lage mit einem Vorschlag für dieses Problem zu kommen, der von den Finanzbehörden verbindlich abgesegnet werden kann Auch hier hat der e.V. anerkannt, dass dieses Problem ausschließlich sein Fehler ist und dass er es allein lösen muss. 

Zusammenfassend glaube ich nicht, dass meine Forderungen in irgendeiner Weise anrüchig sind. Was ich nicht verstehen kann ist, warum diese Probleme nicht vom e.V. angegangen werden. 1860 hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es in der Lage zu einem Comeback ist und ich kann nur wiederholen, dass ich bereit bin, meinen Teil beizutragen, um 1860 in dieser schwierigen Situation zu helfen – aber der e.V. muss zuerst seine Hausaufgaben erledigen.“

mg

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