Ex-Löwe Hofmann: „Torlinientechnik entlastet Schiedsrichter“

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Michael Hofmann hat beim TSV 1860 eine umstrittene Entscheidung auf dem Platz erlebt.

München - Michael Hofmann (42) ist ehemaliger Torwart des TSV 1860 München. Er absolvierte 314 Spiele unter anderem in der Bundesliga, der Zweiten Liga, der Dritten Liga (75) und in der Regionalliga Süd.

Der Familienvater (verheiratet, zwei Töchter) trainiert seit Saisonbeginn den Südost- Landesligisten Kirchheimer SC.

Herr Hofmann, ist die Entscheidung für die Torlinien- Technologie richtig?

Ich denke, dass der Profifußball auf dem heutigen Niveau und unter diesen finanziellen Aspekten gar nicht anders kann. Und Fehlentscheidungen gibt’s eben doch zu häufig – wie im Pokalfinale Bayern gegen Dortmund oder bei Leverkusen gegen Hoffenheim. Wenn es die Technik schon gibt, sollte man sie auch einsetzen, um den Schiedsrichter zu entlasten.

Hätten Sie sich die Torlinien- Technologie in Ihrer aktiven Karriere auch schon einmal gewünscht beziehungsweise hätten Sie sie brauchen können?

Ja, ich erinnere mich noch genau an ein 1:1 im Zweitliga- Spiel mit dem TSV 1860 gegen den 1. FC Kaiserslautern im April 2009. Fünf Minuten vor Schluss habe ich noch einen Handelfmeter von Anel Dzaka gehalten. Und kurz vor dem Abpfiff springt der Ball nach einem 30-Meter- Schuss von meinem Mitspieler Fabian Johnson von der Unterkante der Latte dann knapp hinter die Torlinie – Schiedsrichter Manuel Gräfe gibt kein Tor. Wir waren damals noch nicht ganz gesichert, das war also kein Spaß. Man kann auch nicht sagen, so etwas gleicht sich über die Saison hinweg gesehen aus.

Wird sich der Sport selbst dadurch verändern?

Nein, das glaube ich nicht. Es handelt sich hier um eine Grundsatzentscheidung in der höchsten Profiliga, da geht’s ums Geschäft, um richtig viel Geld. Bald schon spricht da keiner mehr drüber, das war auch bei einigen neuen Fifa-Entscheidungen nicht anders – zum Beispiel bei der Rückpassregel.

Welche Technologien werden denn noch zum Einsatz kommen? Oder war’s das jetzt?

Da passiert bestimmt noch was, gerade beim Videobeweis. In der Kreisliga oder auch bei uns in der Landesliga kriegt der Schiedsrichter weiter einen auf den Deckel. Im letzten Heimspiel gegen Hebertsfelden war auch nicht gleich erkennbar, ob der Ball beim 1:1 komplett die Linie überschritten hatte, da hat sich der Schiri mit dem Assistenten besprechen müssen.

Und umgekehrt? Ist der Schiedsrichter im Profifußball nicht doch irgendwann nur noch Erfüllungsgehilfe, wie Kritiker es befürchten?

Zum Glück hab‘ ich zu einer Zeit Fußball gespielt, als das noch nicht einmal ansatzweise so war. Aber schauen Sie sich doch nur die Entwicklung im Eishockey oder im Tennis an – das war zu Boris Beckers Zeiten auch anders.  

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