Ex-Löwe startet richtig durch

HSV will Wood - würde 1860 am Weiterverkauf mitverdienen?

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Der nächste Ex-Löwe auf dem Sprung in die Bundesliga: Bobby Wood, mit 14 Treffern für Union Berlin einer der erfolgreichsten Stürmer der aktuellen Zweitligasaison.

München – Bobby Wood wurde bei 1860 von den Trainern verkannt, von Ex-Geschäftsführer Gerhard Poschner vergrault. Jetzt steht der US-Nationalstürmer auf der Einkaufsliste des HSV.

Ein Gute-Laune-Foto mit Frau und Tochter, aufgenommen irgendwo in Spanien – sehr viel mehr von Gerhard Poschner ist nicht an die Öffentlichkeit gedrungen, seit der frühere Spielervermittler im Sommer 2015 seinen Job als Löwen-Manager aufgegeben hat – nicht ganz freiwillig, wie man weiß.

Poschner ist längst zurück in seinem alten Leben. In Spanien. Weit weg vom aktuellen Fußballgeschehen. Bei den Löwen dagegen, seinem Ex-Klub, wirkt das Gastspiel des Wahl-Andalusiers nach. Denn: Immer wieder sickern Details durch, die Poschners Wirken im Rückblick noch rätselhafter erscheinen lassen. Der tz verriet Präsident Peter Cassalette eine Anekdote, die tief blicken lässt. Investor Hasan Ismaik habe ihm „bei einem unserer ersten Treffen erzählt, dass vor zwei Jahren jemand vom TSV 1860 zu ihm gekommen ist und 1,5 Millionen Euro wollte, um drei Spanier aus Barcelona zu verpflichten. Ein Jahr später kam der gleiche Mann und sagte zu Ismaik, dass er jetzt 500 000 Euro brauche, um die Spanier wieder loszuwerden ...“ Unschwer zu erraten, dass es um die Flops Ilie Sanchez (ausgeliehen an den FC Elche), Rodri (ausgeliehen an Real Valladolid) und Edu Bedia gegangen ist.

Wood ein Beispiel für den Poschner-Schaden bei 1860

Sinnlose Poschner-Einkäufe sind aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen auch Verkäufe und Spielerabschiede, die im Rückblick ebenso fragwürdig erscheinen. Etwa das Ausmustern von Gabor Kiraly. Das Vergraulen von Sturm-Ikone Benny Lauth. Oder die Sache mit Bobby Wood.

Als Wood in der Winterpause 2014/15 unbedingt wegwollte, weil er sich mit Trainer Markus von Ahlen überworfen hatte, sagte Poschner einen Satz, der belegt, wie er den amerikanischen Nationalstürmer sportlich eingeschätzt hatte. Aue, das mit den Löwen um den Klassenerhalt rangelte, wollte Wood. Wood wollte nach Aue. Und Poschner sagte: „Wenn wir die Befürchtung hätten, einen Konkurrenten zu stärken, dann würden wir ihn nicht ausleihen.“

Wood startete gut in Aue, verletzte sich dann. Aue stieg unglücklich ab. Der Stürmer kam noch mal kurz zurück zu seinem Ausbildungsverein, aber nur um mit aufreizender Lustlosigkeit zu demonstrieren, dass er mit dem Kapitel 1860 endgültig abgeschlossen hatte. Für zirka 800.000 Euro wurde er an Union Berlin verkauft, schießt dort Tore am Fließband. Stolze 14 Treffer nach 25 Spielen stehen für ihn zu Buche, einer davon glückte beim 3:0 gegen 1860. Und jetzt? Ist er bereits zu groß für die Köpenicker geworden. Wood steht vor einem Wechsel in die Bundesliga. Der HSV will ihn haben. Es habe bereits ein „Geheimtreffen“ von Wood und HSV-Sportchef Peter Knäbel gegeben, schreibt die Mopo.

Auch Jürgen Klinsmann, Coach des US-Nationalteams, ist voll des Lobes über den 23 Jahre alten Hawaiianer. „Die erste Liga muss sein Ziel sein. Er ist nicht umsonst Nationalspieler. Bobby ist jung und will hoch hinaus“, sagte der frühere deutsche Bundestrainer. „Der Durchbruch ist ihm zuzutrauen. Wir würden das sehr unterstützen. Bobby ist charakterlich top, zielstrebig und kommt immer mehr aus sich raus. Seine Entwicklung ist super.“

Bei Weigl-Verkauf verdient 1860 mit - und bei Wood?

Eine Klausel in Woods bis 2018 datiertem Vertrag macht es möglich, dass der begehrte Stürmer im Sommer für eine Summe X weiterziehen darf. Üblich ist, dass auch der alte Verein in so einem Fall die Hand aufhalten darf – aber nur, wenn ein entsprechender Vertragspassus ausgehandelt wurde. „Ich hoffe, dass sie bei uns schlau genug waren ...“, sagt Präsident Cassalette.

Sportchef Oliver Kreuzer, Poschners Nachfolger, teilt mit, dass ihm diesbezüglich nichts bekannt sei. Cassalette, damals noch nicht im Amt, hält die Sache für so interessant, dass er Nachforschungen anstellen möchte, sobald er seinen Kitzbühel-Urlaub beendet hat. „Ich weiß nur: Wood wollte unbedingt weg, weil er sich mit irgendwelchen Fröhlings oder von Ahlens überworfen hatte – oder sie sich mit ihm. Vielleicht hat man damals auch gedacht: Hauptsache, wir haben ihn weiter – für ein bisschen Geld. Die Vertragsdetails kenne ich nicht.“ Bei Julian Weigl zum Beispiel sei mit Borussia Dortmund eine entsprechende Weiterverkaufs-Klausel vereinbart worden.

Immerhin: Cassalette ist ehrlich genug zuzugeben, dass auch er nicht an den ganz großen Durchbruch von Wood geglaubt hätte. „Ich hätte nicht erwartet, dass er jetzt so viele Tore schießt. Bei uns kann ich mich nur an ein gutes Spiel von ihm erinnern. Damals in Kaiserslautern.“ Beim 2:3 zum Saisonauftakt 2014. Cassalette: „Da hat er als Linksaußen ordentlich Wirbel gemacht, aber auch nur in der ersten Halbzeit. Danach habe ich nie gesagt: Hey, Wahnsinn, man muss alles tun, um ihn zu halten.“

Poschner versuchte es dann noch, kurz bevor er selber ging. Typisch für den Schlingerkurs bei einem Verein ohne Konstanten. Auch die Episode Wood erklärt indirekt, warum die Löwen heute stehen, wo sie stehen.

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