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Insolvenz? Ismaik im Gespräch mit „zwei Familien aus München“

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Von: Uli Kellner

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Hasan Ismaik
Will Mehrheitseigner bleiben: (Ex-)Investor Hasan Ismaik. © dpa

Am Freitag entscheidet sich mal wieder das Schicksal der Löwen. Schafft es der Doppelabsteiger, die fehlenden 5,4 Millionen Euro aufzutreiben? Oder geht es in die Insolvenz? Angeblich stehen neue Geldgeber parat.

München - Seit Donnerstag ist das Saisonauftakt-Spiel des TSV 1860 restlos ausverkauft. Die Regionalliga Bayern wurde Zeuge eines wohl einmaligen Runs auf 5000 Tickets. In Memmingen standen die Fans in langen Reihen, um sich das rare Gut zu sichern. Bei den Löwen kam es erst gar nicht dazu. Das Gros der 1100 Karten wurde für die Treuesten der Treuen auf die Seite gelegt: Fanclubs, Allesfahrer, Ultras. Um 10 Uhr sollte noch mal ein Online-Verkauf für Mitglieder starten, 400 Karten waren schließlich noch übrig. „Aber nach fünf Minuten war schon alles weg“, teilte ein Angestellter mit. Die Liga freut sich offenbar auf die Löwen – und beim ehemaligen Zweitligisten scheint man zumindest neugierig zu sein auf das neue sportliche Umfeld.

Doch auf wie stabilen Füßen steht der Neuanfang im Amateurlager? Bekanntlich fehlt den Löwen ja eine stattliche Millionensumme, damit Sanierungs-Geschäftsführer Markus Fauser eine positive Fortführungsprognose für die nächsten zwei Geschäftsjahre der KGaA stellen kann. 5,4 Millionen beträgt die Summe laut Investor Hasan Ismaik, doch der macht weiterhin keine Anstalten, das fehlende Geld zuzuschießen.

Insolvenz für beide Seiten schlecht

Der Verein muss sich also selber helfen – und schien Stand Donnerstag auf einem guten Weg in Richtung Rettung zu sein. Fauser soll es in vielen Gesprächen geschafft haben, die Etatlücke um 60 Prozent zu reduzieren. Allerdings: Auch der siebenstellige Restbetrag muss erst mal aufgetrieben werden. Interne Quellen berichten, dass ein Sponsor aus dem Partnerpool des Klubs bereit sei, ein Darlehen in entsprechender Höhe zu gewähren. Andernfalls droht der Gang zum Amtsgericht – mit weitreichenden Folgen. Der Stichtag 30. Juni ist ja deswegen so brisant, weil eine Insolvenzanmeldung nach dem 1. Juli – wenn formal die neue Saison beginnt – einen Abzug von 9 Punkten nach sich zöge, wie der Bayerische Fußball-Verband (BFV) unserer Zeitung bestätigte.

Eine Insolvenz der KGaA wäre für keinen der beiden Gesellschafter erstrebenswert: Ismaik liefe Gefahr, sein gesamtes Investment zu pulverisieren. Rund 70 Millionen Euro will er in den sechs Jahren seit seinem Einstieg in das Fass ohne Boden namens 1860 gesteckt haben. Und auch der Verein (e.V.) trüge kaum einen Nutzen davon. Zwar würde sich durch diesen Schritt die Chance eröffnen, den missliebigen Investor loszuwerden, aber die Folgen für den ganzen Verein wären „unabsehbar“, heißt es intern. Könnten die Löwen ihr Trainingsgelände und die Geschäftsstelle halten? Ihr Markenlogo? Ihr Nachwuchsleistungszentrum? Eine sichere Folge wäre weitere Unruhe, weitere Ungewissheit. Erneut wäre eine Saison massiv belastet, noch ehe der Ball erstmals gerollt ist.

Ismaik spricht von Kapitalerhöhung

Denn auch Daniel Bierofka würde zu den Leidtragenden gehören. Schon jetzt tritt die Hälfte seines 26-Mann-Kaders mit Altverträgen und Sondergenehmigungen an. Eine Insolvenz würde zweierlei bedeuten. Erstens: Die ausgehandelten Verträge mit Timo Gebhart und anderen Hoffnungsträgern könnten weiterhin nicht unterzeichnet werden. Zweitens: Es wäre auch kaum möglich, dem Trainer seine eh schon bescheidenen Wünsche zu erfüllen. Einen erfahrenen Torjäger hätte Bierofka gerne, einen dritten Torhüter, einen Scout, der ihm zumindest die Kaderplanung erleichtert. All das könnte sich Bierofka abschminken und müsste wohl mit einer marginal verstärkten U 19 in die neue Saison gehen. Wenn nicht auch der Loyalste aller Löwen irgendwann die Lust verliert.

Ob sich Ismaik über all das im Klaren ist? Seine Äußerungen in der SZ legen den Schluss nahe, dass er gedanklich schon wieder den zweiten Schritt vor dem ersten macht – ein beliebter Fehler des jordanischen Geschäftsmannes. Die Rettung seiner Löwen (und somit auch seines Investments) war am Mittwoch nicht ansatzweise in trockenen Tüchern, da träumte Ismaik von zusätzlichen Investoren, die zweistellige Millionensummen in den Klub schießen. Er sei aktuell in Gesprächen mit „zwei Familien aus München und einer Firma aus Bayern“, sagte er. Eine Kapitalerhöhung von „40 bis 60 Millionen Euro“ schwebt Ismaik vor – und trotzdem will er kein bisschen Macht abgeben. „Ich will Mehrheitseigner bleiben“, sagte er. Mit diesem Wunsch steht er derzeit alleine da.

Der TSV 1860 bezieht vom 26. Juni bis 1. Juli sein Trainingslager in Obertraun (Österreich). Wir halten Sie hier im News-Ticker über alle Geschehnisse rund um die Löwen auf dem Laufenden.

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