Investor gelöst bei 1860

So hat man Ismaik noch nie erlebt

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Glückliche Löwen: Investor Hasan Ismaik (r.) und der neue 1860-Präsident Peter Cassalette.

München - Der TSV hat bietet gegen St. Pauli seine beste Saisonleistung gezeigt und auch seinen Investor Ismaik erfreut.

So hat man Hasan Ismaik noch nie erlebt in München. Der Jordanier, der in den zurückliegenden vier Jahren überwiegend einen missvergnügten Eindruck machte, schien wie verwandelt. Der Investor reckte auf der Tribüne den Daumen, schüttelte die Fäuste, jubelte. Kurz nach dem 2:0-Sieg über den FC St. Pauli verbreitete die Presseabteilung des TSV 1860 folgende Ismaik-Sätze: „Wir haben heute gekämpft wie Löwen. Das Auftreten der Mannschaft hat mir gut gefallen. So muss das immer sein. Ich freue mich sehr über den zweiten Saisonsieg.“

Ganz neue, unerhörte Töne seitens des Investors waren das. Und sie kamen zum richtigen Zeitpunkt. Denn am Wochenende war bekannt geworden, dass Hauptsponsor VW als Folge des Abgasskandals sein Engagement (jährlich 1,6 Millionen Euro, Laufzeit: bis 30. Juni 2016) bei den Sechzigern voraussichtlich beenden wird. Da fügt es sich natürlich bestens, dass Ismaik bei einem seiner seltenen Stadionbesuche bei bester Laune gehalten wurde. Und das mit der bislang besten Zweitliga-Leistung in diesem Spieljahr.

Die Partie vor 30 100 Zuschauern (Saisonrekord) barg in der Tat einigen Unterhaltungswert und gab auch zur Hoffnung Anlass, dass sich die Sechziger künftig besser schlagen werden, als sie es bisher getan haben. „Wir können uns heute freuen“, sagte 1860-Trainer Benno Möhlmann, bekanntlich kein Mann großer, lobender Worte. Der neue Sportdirektor Oliver Kreuzer sprach von einem „Brustlöser“.

Immerhin waren die Hamburger als Tabellenzweiter angereist, das Münchner Erfolgserlebnis war keine Selbstverständlichkeit. Und anfangs hatte es auch nicht unbedingt danach ausgesehen. Waldemar Sobotas Schuss (8.) wurde von 1860-Keeper Vitus Eicher an den Pfosten gelenkt, Lennart Thys Kopfball (17.) verfehlte aus kurzer Distanz das Tor nur knapp. „Uns hat anfangs das absolute Selbstvertrauen gefehlt, da spielten wir mit angezogener Handbremse“, monierte Kreuzer.

Die Löwen bekämpften die technisch versierten Gäste jedoch zusehends mit giftiger, engmaschiger Defensivarbeit, die Handbremse lockerte sich. Und als dann Michael Liendl seine enorme Schusskraft erstmals praktizierte und sein 30-m-Schuss (53.) unhaltbar ins Netz flog, kippte das Spiel mit einem Schlag zugunsten der Löwen. Zumal Rubin Okotie nach Zuspiel von Marius Wolf nur drei Minuten fast ebenso spektakulär auf 2:0 erhöhte. „Dieses Glück brauchst du eben im Abstiegskampf“, sagte Kreuzer. Beflügelt von diesem gewaltigen Doppelschlag entfalteten die Löwen dann ein überaus ansehnliches Offensivspiel, das nur ein Manko hatte: drei, vier Großchancen wurden nicht verwertet.

St.-Pauli-Coach Ewald Lienen, einst in Diensten der Löwen, fühlte sich in seiner grundsätzlichen Einschätzung bestätigt: „Sechzig ist auf dem aufsteigenden Ast.“ Was auch Möhlmann trotz der Startschwierigkeiten so sah: „Ich bin froh, dass wir überhaupt schon in der Lage sind, so Fußball zu spielen.“

Auf den drittletzten Rang sind die Sechziger mit Hilfe ihres zweiten Saisonsiegs nun vorgerückt, und bei aller guten Stimmung, die im Stadion herrschte, versuchte Sportchef Kreuzer bewusst zu machen, dass 1860 immer noch mitten im Abstiegskampf steckt: „Für Euphorie gibt es keinen Grund“, sagte er, „Das war heute nur ein Schritt auf einem langen Weg.“

Armin Gibis

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