Löwen-Investor äußert sich

Ismaik: „Werde mich nicht wegekeln lassen“

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Investor Hasan Ismaik auf dem Gelände des TSV 1860 München. 

Der Investor der Löwen, Hasan Ismaik, hat sich erneut in einem Interview über die aktuelle Lage beim TSV 1860 München geäußert. Ein Ausstieg kommt derzeit nicht infrage. 

München - Der 30. Mai 2017 wird vielen Menschen in München für lange Zeit im Gedächtnis bleiben, war es doch jener Tag, an dem sich der TSV 1860 München aus dem Profifußball verabschiedete. Für zahlreiche Anhänger der Löwen war der Verantwortliche schnell gefunden: Investor Hasan Ismaik. Der Jordanier konnte oder wollte nach dem Abstieg in die Dritte Liga die für eine Lizenz erforderlichen 11 Millionen Euro nicht an den Verein überweisen.

Vorwürfe wurden laut, Ismaik habe, da der Verein ihm nicht mehr Rechte zugestehen wollte (und konnte), den TSV 1860 München absichtlich in die Niederungen des Fußballs absinken lassen. Der Jordanier wies jetzt in einem Interview mit der Abendzeitung aber jegliche Schuld von sich: „Was ich entschieden von mir weise, ist, dass ich den Zwangsabstieg geplant hätte. Glauben Sie wirklich, dass ich absichtlich mein Investment kaputt mache?“ Sein Plan sei immer die Bundesliga und nicht die Viertklassigkeit gewesen.

Gescheitert sei die Finanzspritze daran, dass sich die Vereinsseite nicht kooperativ gezeigt habe. Wären gewisse Dinge in die richtige Richtung gelenkt worden, „hätte ich sofort das Geld überwiesen“, so der Jordanier. Damit sind wohl die sechs Forderungen gemeint, die Ismaik dem Verein zur Erfüllung vorlegte. Einige davon waren schon wegen der DFL-Richtlinien nicht einzulösen. 

„Ayre wäre einmalige Chance gewesen“

Dass Ian Ayre, Geschäftsführer beim TSV 1860 bis zu eben jenem 30. Mai, hinschmiss, kann Ismaik verstehen. Aber: „Ayre wäre eine einmalige Chance für 1860 gewesen.“ Der gebürtige Liverpooler habe sich seinen Namen aber nicht kaputt machen wollen. Mit den neuen (und teilweise auch alten) Machtinhabern bei den Löwen kommt der Jordanier aber bekanntlicherweise nicht so gut aus, gegenüber der AZ beschuldigte er die Vize-Präsidenten Hans Sitzberger und Heinz Schmidt sogar der Lüge. Und bemängelte: „Ein kritisches Wort gegen sich selbst habe ich noch nie aus dem Verein gehört.“ Und auch über den neuen Geschäftsführer, Markus Fauser, ließ sich der Investor der Löwen aus: „Ich habe meine Zweifel, ob der TSV 1860 mit einem Insolvenzverwalter den richtigen Weg einschlägt“, so Ismaik. 

Und wieder einmal äußerte sich der Jordanier kritisch gegenüber der 50+1-Regel, gegen die der er aktuell eine Klage vorbereitet: „Gilt die 50+1-Regel in Deutschland wirklich noch? Mit Mannschaften wie Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, Leipzig und in der nächsten Saison Hannover behaupte ich, dass diese Regel im deutschen Fußball längst keine Anwendung mehr findet.“ Bei den genannten Vereinen halten Firmen oder Investoren weit mehr als 50 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Dies ist für Einzelpersonen (Dietmar Hopp in Hoffenheim, Martin Kind in Hannover) erlaubt, sollten sie einen Verein für mindestens 20 Jahre unterstützen. Wolfsburg und Leverkusen sind die jeweiligen Werksklubs der Bayer AG und von Volkswagen. 

Ismaik: Verkauf der Stadionanteile ein Fehler

Ismaik erinnerte auch daran, dass er erst seit 2011 bei den Löwen involviert ist. „Vorher war 1860 finanziell tot. Nicht wegen Hasan Ismaik, sondern wegen zahlreichen Fehlentscheidungen unter anderem beim Verkauf der Stadionanteile.“

Eine der wenigen Entscheidungen der vergangenen Tage, die Ismaik befürwortete, war die Ernennung Daniel Bierofkas zum Trainer der ersten Mannschaft. „Ich habe großes Vertrauen in Daniel Bierofka. Ich hätte im Winter nie einen anderen Trainer geholt, hätte er schon seinen Fußballlehrer-Schein gehabt.“ Bierofka stehe für 1860, so der Jordanier. 

„Werde mich nicht wegekeln lassen“

Dass sich die Anhänger nun vermehrt gegen ihn stellen würden, bekommt Ismaik mit. „Natürlich tut das weh“, sagte der Investor, aber: „Ich werde mich nicht wegekeln lassen.“ Er könne die Fans aber verstehen, dass sie sich nach einem doppelten Abstieg einen Buhmann suchen würden. Für die Zukunft will der Jordanier „1860 wieder als regionale Marke etablieren.“ Der Weg mit ausländischen Spielern aus allen Ländern habe nicht funktioniert, resümierte er. 

Und dann schickte Hasan Ismaik noch für die einen eine frohe Botschaft, für die anderen eine Warnung an die Anhänger der Löwen. Ob er einen Ausstieg in Betracht zöge? „Niemals! Nicht für zwei Milliarden Euro.“

Die aktuelle Entwicklung rund um den TSV 1860 München finden Sie gebündelt in unserem News-Ticker

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