„Geführt wie eine Würstchenbude“

Ismaik klagt gegen 50+1-Regel!

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Hasan Ismaik greift nun zu Rechtsmitteln gegen die DFL

Hasan Ismaik will nun tatsächlich die „50+1-Regel“ kippen. Er schaltet das Kartellamt ein - und findet härteste Worte für die Vereinsführung der Löwen.

München - 1860-Investor Hasan Ismaik hat beim Bundeskartellamt in Bonn Beschwerde gegen die 50+1-Regel im deutschen Fußball eingelegt. Das hat Ismaik in einem Facebook-Post bestätigt. Zugleich erhob er scharfe Vorwürfe gegen die Funktionäre des Vereins: „Beim TSV 1860 verstecken sich ehrenamtliche Funktionäre hinter 50+1. Sie verwalten meine Millionen und lachen mich aus“, schrieb er. Der Verein werde „wie eine Würstchenbude“ geführt.

Der Jordanier hatte zuletzt mit der Regel gehadert, die eine Machtübernahme eines Geldgebers in einem Klub verhindern soll. Eine Ausnahme bilden Vereine, bei denen sich ein Investor bereits mehr als 20 Jahre engagiert hat. Das ist in München nicht der Fall. Der Investor klagte, die Regelung schade dem deutschen Fußball „extrem“.

Ismaik stand zuletzt in den Schlagzeilen, als der Traditionsverein 1860 nach dem sportlichen Abstieg aus der 2. Bundesliga direkt in die Regionalliga durchgereicht wurde. Ismaik hatte eine neuerliche Geldspritze für die Löwen verweigert. 1860 erhielt daraufhin keine Lizenz für die 3. Liga und muss künftig in der Regionalliga antreten. Am Freitag hatte der Verein immerhin ein sportliches Chaos verhindern und sieben seiner Spieler Verträge anbieten können.

Ismaik hat bisher nicht die Mehrheit der Stimmenanteile

Ismaik (40) schloss dennoch aus, seine Anteile zu verkaufen. Er verfügt über die Mehrheit der Anteile an der KGaA, aber nicht die Mehrheit der Stimmenanteile im eingetragenen Verein.

Die 50+1-Regel soll verhindern, dass Investoren die Macht in einem Verein übernehmen. Ausnahmen gibt es, etwa Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg. Diese Sonderfälle sind möglich, wenn jemand „seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Vereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat“. So steht es in der Satzung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Weitere Details sind in so genannten „Leitplanken“ festgehalten, die nicht öffentlich sind. Über die Bewilligung von Ausnahmen entscheidet das Präsidium des DFL.

Hasan Ismaiks Mitteilung im Wortlaut:

Liebe Löwen,

ich habe mich aus bekannten Gründen zuletzt zurückgehalten. Dass Funktionäre des TSV 1860 mir vorgeworfen haben, dass ich vorsätzlich unseren Verein in die Regionalliga abstürzen hätte lassen, hat mich sehr getroffen. Diese Unterstellung weise ich mit aller Deutlichkeit von mir. Würde ich so ticken, hätte ich heute die Fälligkeit meiner Darlehen nicht zurückgestellt. Die Konsequenz wäre für den TSV 1860 die Insolvenz gewesen.

Heute habe ich mich entschlossen, die Klage gegen diese aberwitzige 50+1-Regel einzureichen. Ich wollte dies eigentlich nie tun, weil ich die Gesetze in Deutschland immer respektiert habe. Doch durch die traurigen Ereignisse der letzten Wochen sehe ich mich leider gezwungen, diesen Weg zu beschreiten. Diese Regel ist eine Scheinregel, die den deutschen Fußball nicht schützt, sondern extrem schadet.

Leider bin ich 2011 in diese Falle getappt. Ich hatte gute Absichten, dem TSV 1860 zu helfen. Warum lässt der DFB zu, dass diese Regel nicht bei allen Vereinen gleich angewandt wird? Warum gilt nicht gleiches Recht für alle? 50+1 ist ein Farce. Ich werde all meine Kräfte einsetzen, damit 50+1 fällt.

Beim TSV 1860 verstecken sich ehrenamtliche Funktionäre hinter 50+1. Sie verwalten meine Millionen und lachen mich aus. Eigentlich sollten Fußballvereine wie Wirtschaftsunternehmen geleitet werden, von Profis. Bei 1860 dagegen wird der Verein wie eine Würstchenbude geführt. Dieses Problem zieht sich seit Jahrzehnten durch diesen wunderbaren Verein. 2011 war der Klub pleite. Was hat 1860 daraus gelernt? Nichts! Kein anderer Investor auf dieser Welt, würde diese Spielchen tolerieren...

Besonders enttäuscht mich auch die Haltung von Dr. Rainer Koch. Einerseits versucht der DFB mit 50+1 den Kommerz zu unterbinden, andererseits organisiert der Verband für Chinas U20-Nationalmannschaft einen Startplatz in der Regionalliga. Mehrere Verein in Deutschland kritisieren das Verhalten des DFB völlig zurecht.

Mir liegt 1860 sehr am Herzen, allerdings braucht es dazu endlich ein Umdenken in der Führungsetage und bei den Mitgliedern.

Hasan Ismaik

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SID/dpa/fn

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