Investor kommt

Hasan Ismaik lässt sich mal wieder beim TSV 1860 blicken

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Löwen-Investor Hasan Isamaik.

München - Gipfeltreffen beim TSV 1860 München: Übergangspräsident Siegfried Schneider bereitet sich auf ein Treffen mit dem jordanischen Löwen-Investor Hasan Ismaik vor.

Entspannt wirkte er. Und auch die Mittagshitze schien ihn in keinster Weise zu stören, als er zusammen mit TV-Moderator Jörg van Hooven (münchen.tv.) übers Löwen-Gelände schlenderte. Siegfried Schneider, Protagonist der gestern ausgestrahlten Folge von „Menschen in München“, war beim Dreh der Sendung die Ruhe selbst, der souverän parlierende Politiker, den die Öffentlichkeit kennt. Und vermutlich hätte es nur ein Ereignis geben können, das ihn in seiner Konzentration gestört hätte – ein Vibrationsalarm auf seinem Handy. Ein Anruf aus dem arabischen Sprachraum, mit dem Schneider in jeder Minute rechnen musste.

Der TSV 1860 war in Erwartung eines seltenen Ereignisses: Hasan Ismaik hatte seinen Besuch angekündigt, und der Übergangspräsident befand sich offensichtlich in Habachtstellung. „Wenn es so ist, dann läutet bestimmt mein Telefon“, sagte er.

Ismaik: Neuer Plan für ganzen TSV 1860 München

Im Laufe des Nachmittags muss es dann soweit gewesen sein. Ismaik landete – und Schneiders Handy dürfte geläutet haben. Der „SZ“ gelang es sogar, dem schwer greifbaren Investor ein paar erste dürre Sätze zu entlocken. „Ich bin für ein Treffen am Donnerstagnachmittag hier“, sagte Ismaik: „Es geht um einen neuen Plan für den ganzen Klub. Das Management braucht Unterstützung.“ So sieht er das also, der Multimillionär aus Abu Dhabi.

Dabei war das Treffen mit der Vereinsführung als geheime Kommandosache geplant. Doch seit dem frühen Mittwochmorgen hatte das Gerücht die Runde gemacht, dass Ismaik seit langer Zeit mal wieder in jener Stadt einfliegen würde, in der er sich vor vier Jahren einen halben Fußballverein gekauft hat. Den TSV 1860, den der Investor aus Abu Dhabi seit einiger Zeit eher stiefmütterlich behandelt. Öffentliche Statements von ihm, spektakuläre Auftritte, finanzielle Zuwendungen – was anfangs zumindest partiell vorkam, war zuletzt eher die Ausnahme.

Ismaik war zuletzt im Dezember beim TSV 1860 München

Im Dezember war Ismaik letztmals in München (bei der 2:3-Heimpleite gegen den KSC) – und auch damals verließ er die Stadt wieder, ohne irgendetwas hinterlassen zu haben. Außer natürlich: Fragezeichen. Was will er? Was plant er mit den Löwen? Hat er überhaupt noch Interesse an seinem Investment? Über all das wird fleißig spekuliert – doch Antworten kennt keiner. Selbst die, die zuletzt in der Verantwortung standen (und zermürbt ausschieden), hatten sich am Mysterium Ismaik vergeblich abgearbeitet.

Und jetzt? Was meint Ismaik mit dem „neuen Plan“, den es zu erarbeitet gilt? Konkret könnte es heute um zwei Themen gehen. Erstens: die Besetzung des Sportdirektor-Postens, der seit dem Ausscheiden von Gerhard Poschner für hitzige Debatten in den Fanforen sorgt: Kommt einer der gehandelten Kandidaten, von Felix Magath über Oliver Kreuzer bis Benno Möhlmann? Bleibt gar Necat Aygün, der seine „Bis-auf-Weiteres“-Funktion als große Karrierechance begreift? Und zweitens, auch das ein naheliegendes Thema: Es könnte erneut die Möglichkeit erörtert werden, dass Ismaik seine Anteile (60 Prozent, davon elf Prozent stimmlose) an der Verlustmaschine TSV 1860 KGaA abgibt. Am 12. Juli, auf der Mitgliederversammlung, hatte Kurzzeit-Vize Karl-Christian Bay bestätigt, dass das damals vorliegende Angebot einer Münchner Investorengruppe „in der Größenordnung nicht attraktiv“ genug für Ismaik gewesen sei. 15 Millionen Euro waren damals im Raum gestanden.

Bay, der jetzt dem Verwaltungsrat vorsteht, ist derzeit krank. Schneider muss Ismaik ohne seinen engsten Vertrauten treffen. Was er bei münchen.tv über das Verhältnis zum Investor sagte, klang hoffnungsfroh. „Ich habe ihn ein paar Mal getroffen“, so der Interims-Chef: „Wir telefonieren regelmäßig. Wir versuchen beide, die Themen professionell zu bearbeiten.“

Von Uli Kellner

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