Schicksalsspiel gegen Nürnberg

Jetzt geht es um alles für 1860

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Findet er einen Ausweg aus der Krise? Trainer Torsten Fröhling gibt die Richtung an.

München - Die wichtige Partie gegen Nürnberg mobilisiert auch generationsübergreifend den 1860-Teamgeist. Es steht also viel, wenn nicht gar alles auf dem Spiel für den Zweitliga-Vorletzten.

Es ist lange her, dass Peter Grosser, 76, beim TSV 1860 groß das Wort erhob. 1966 war er streitbarer Kapitän der Meistermannschaft; als lebende Vereinslegende hat sich der Münchner aber stets zurückgehalten. Doch nun sah er sich zu einem flammenden Aufruf veranlasst: „Ich richte einen Appell an die 1860-Fans, das Stadion total voll zu machen und wie ein Mann hinter unserer Mannschaft zu stehen, damit sie den Club besiegt“, erklärte Grosser in fast schon beschwörendem Ton vor dem Heimspiel am Sonntag gegen 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr). Den Ernst der Lage beschrieb Fredi Heiß, ein weiterer besorgter Meisterlöwe, so: „Man muss den Spielern klar machen, dass hier einige Lichter ausgehen, wenn sie absteigen.“ Petar Radenkovic (80), der Kult-Torhüter der 60-er Jahre, meinte gar: „Es wäre ein kleines Wunder, wenn sich Sechzig rettet.“ Im Vorwort des „Löwenmagazins“ schrieb Markus Rejek, der 1860-Geschäftsführer, „von einem der wichtigsten Heimspiele der Vereinsgeschichte“.

Es steht also viel, wenn nicht gar alles auf dem Spiel für den Zweitliga-Vorletzten TSV 1860. Und der Abstiegskampf scheint derzeit so ziemlich jeden zu mobilisieren, der sich den Blauen verbunden fühlt. Am skeptischsten äußerte sich dabei – nicht ganz unerwartet – Ex-Trainer Werner Lorant: „Ich befürchte, dass sie diesmal runtergehen.“ Karsten Wettberg, einst Lorants Vorgänger als Kult-Coach, hielt dem entgegen: „Mein Optimismus ist nach wie vor intakt, die Spieler haben trotz aller Niederlagen in dieser Saison schon gezeigt, dass sie mit Drucksituationen umgehen können.“

Druck bedeutet in diesem Fall: unbedingt gewinnen zu müssen. Und das vor einer beeindruckenden Kulisse. Bis Freitagnachmittag wurden bereits 58 500 Karten verkauft. Als gesichert gilt, dass das von der 1860-Geschäftsführung propagierte Motto aufgeht: „Sechzigtausend für Sechzig.“ Denkbar ist, dass es sogar an die 70 000 werden könnten. Rejek meinte: „Ich bin sicher, dass die Energie auf unsere Jungs übergreifen wird.“ 1860-Trainer Torsten Fröhling sieht es genauso: „Wir wollen, dass der Funke überspringt. Jeder träumt doch davon, vor einer so großen Kulisse zu spielen.“ Wobei er es nicht versäumte, die Seinen energisch in die Pflicht zu nehmen: „Das muss für jeden eine Ehre sein.“ Und Ansporn für maximale Einsatzfreude: „Meine Spieler müssen alles geben und über das Limit gehen.“

Fröhling übte sich am Freitag aber auch in Lockerheit. Auf die Frage, ob er am Tag vor dem Schicksalspiel noch besondere Maßnahmen ergreife, meinte der Trainer: „Man darf nicht so viel verändern. Wenn ich jetzt für Samstag eine Bauchtänzerin holen würde, wäre das nichts. Wir werden den Samstag so einfach wie möglich halten.“

Fredi Heiß, 74, sieht der Partie unterdessen mit bangem Löwen-Herzen entgegen: „Ich bin seit genau 60 Jahren in diesem Verein. Mir München ohne Sechzig vorzustellen, mag ich nicht. Wenn das total runtergehen sollte – das ist eine schlimme Vorstellung für die ganze Meistermannschaft.“ Seine Hoffnung: „Jetzt braucht man richtige Kerle, die Verantwortung übernehmen und sich nicht vor Angst in die Hose machen. Wenn man alles gibt, ist immer alles möglich.“ Peter Grosser versprach generationsübergreifenden Teamgeist: „Die Meistermannschaft hat sich besprochen: Wir werden wie eine 1 hinter den Löwen stehen – spielen müssen sie aber selber.“

VOM ARMIN GIBIS

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