Kreuzer traut Youngster die Startelf zu

Karger: "Wenn man auf dem Platz steht, hasst man die Bayern"

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Lässt Tore für sich sprechen: Der aufstrebende Karger.

TSV 1860 München II - Das Derby-Tor gegen die kleinen Bayern war der Startschuss. Dann ging alles ganz schnell: Sportchef Kreuzer traut Nico Karger einiges zu.

Es hat sich so eingebürgert, dass am Ende eines Trainingslagers sogenannte Gewinner und Verlierer gekürt werden. Viel Lob heimsten nach den acht Tagen von Estepona die Neulöwen ein, allen voran Jan Mauersberger und Levent Aycicek. Auch ein paar Außenseiter konnten punkten. Der lange kaum beachtete Romuald Lacazette zum Beispiel. „Der hat sich gut gemacht“, lobte Sportchef Oliver Kreuzer den Schützen des 1:1 gegen Kiew. Es gibt aber auch einen Junglöwen, der sich in den Blickpunkt gespielt hat: Nico Karger, der stille Torjäger aus der U 21. „Der hat mal einen schönen großen Artikel verdient“, empfahl Kreuzer, als er die Journalisten bei dem jungen Oberfranken sitzen sah.

Karger, 22, kommt anfangs schüchtern rüber, fast ein wenig nervös. „Ich schwitze jetzt schon“, ächzt er, als sich die Reporter seinem Tisch in der Hotellobby nähern, und irgendwie scheint diese leichte Grundaufgeregtheit in der Familie zu liegen. Wann immer der Angreifer bei den Profis zum Einsatz kam, erstmals beim 0:1 gegen Frankfurt (ab der 63.), zuletzt auch beim Hallenturnier in Gummersbach, da hielten es seine Lieben auf der Tribüne und daheim kaum aus vor Anspannung: „20 Schachteln Zigaretten“, hätten sie geraucht, erzählt Karger grinsend. Hat ja auch keiner ahnen können, dass das so schnell gehen würde mit der Beförderung des versierten Angreifers.

Karger ist ein Löwe, seit er mit 16 das Elternhaus in Kronach verließ. Als Hochbegabter zwar, entdeckt von Ex-Trainer Alex Schmidt und Ex-Juniorenleiter Ernst Tanner. Aber nicht mit jenem unerschütterlichen Selbstvertrauen ausgestattet, das eine Blitzkarriere ermöglicht, wie sie Volland, Weigl oder Wolf zuletzt hinlegten. „Ich bin ein ruhiger Typ“, sagt Karger. „Keiner, der gerne viel redet.“

Das übernehmen jetzt andere für ihn. „Er hat einen richtigen Schub gemacht“, schwärmt Kreuzer, dem die Extraqualitäten des Außenstürmers nicht lange verborgen blieben: Enge Ballführung, Dynamik, guter Schuss – hart mit links, präzise mit rechts. Sieben Mal traf Karger für die U 21, ehe er erstmals bei den Profis reinschnuppern durfte. Zunächst, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen: „Ich musste wieder runter, um noch mal drei Tore zu schießen.“ Bis er dauerhaft in den Zweitligakader aufgenommen wurde.

Regionale Berühmtheit hatte er da bereits erlangt, das bleibt nicht aus, wenn man im Derby gegen die Bayern das goldene Tor schießt. „Glücksgefühle pur“, beschreibt er seinen emotionalen Ausnahmezustand Ende November: „Wenn man auf dem Platz steht, hasst man die Bayern.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Wir hatten einen sehr langen Mannschaftsabend danach – mit vielen Apfelschorlen.“

Seit diesem beflügelnden Erlebnis ging alles wie im Zeitraffer: Er ist jetzt fest bei den Profis, die U 21 hat er hinter sich gelassen. Und inzwischen, nachdem er in ungewohntem Umfeld Sicherheit gewonnen hat, traut er sich sogar eine kleine Kampfansage zu. Tückische Reporterfrage, als Karger auf seine Stärke bei Standards hinweist: Schießt er bessere Freistöße als Platzhirsch Michael Liendl? Karger grinst. „Möglich“, sagt er. Dieselbe Antwort kommt später noch mal – bei der Frage, ob er sich einen Stammplatz zutraut.

Kreuzer jedenfalls traut Karger einiges zu. Im Gegensatz zu einigen Junglöwen, die den Verein jetzt verlassen haben, zählt er den bald 23-Jährigen zu den wirklichen „Toptalenten“. Sollte Rubin Okotie mal wieder ausfallen, wäre das für Kreuzer kein Problem: „Dann spielen eben Mölders und Mugosa. Oder Mölders und Karger – ich sehe da keinen Qualitätsverlust.“ Ein verbaler Ritterschlag, der Kargers Selbstvertrauen einen weiteren Schub geben könnte. 

Möhlmann verteilt Sonderlob für Nico Karger

Quelle: fussball-vorort.de

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