Wettberg über die 1860-Krise

"Das Team hat leider noch der unselige Poschner zusammengestellt"

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Löwen-Fan und Kultfigur: Karsten Wettberg (l.) mit seinem Wunschtrainer Benno Möhlmann.

München – Der frühere Löwen-Trainer Karsten Wettberg bangt mit den abstiegsbedrohten Sechzigern. "Die Gefahr ist groß“, sagt Wettberg, „da brauchen wir gar nicht zu diskutieren."

Karsten Wettberg macht kein Geheimnis daraus, dass er – oder besser gesagt: sein Löwenherz – derzeit leidet. Wie es ihm gehe? Der 74-Jährige entgegnet prompt: „Seit Sonntag noch schlechter.“ Am Sonntag gewann der Zweitliga-Letzte MSV Duisburg mit 2:1 beim Aufstiegsaspiranten 1. FC Nürnberg. Somit beträgt der Abstand zum TSV 1860 nur noch drei Punkte. Und am Freitag müssen die Löwen nach Duisburg. Ein Kellerderby, das finstere Perspektiven birgt. „Die Gefahr ist groß“, sagt Wettberg, „da brauchen wir gar nicht zu diskutieren.“

Wettberg hat als Trainer die Sechziger anno 1991 zurück in die 2. Liga geführt und sich damit Kultstatus erworben. Er gilt als Blauer durch und durch. Seinen letzten spektakulären Auftritt hatte der frühere Postoberamtsrat, als er im vergangenen Sommer bei der Demonstration gegen den damaligen Sportchef Gerhard Poschner als zorniger Kritiker auftrat und im Stile eines Volkstribunen personelle Konsequenzen forderte: „Von Noor Basha bis Gerhard Poschner – die müssen alle weg, die sind nicht Sechzig!“, rief er damals den rund 500 Fans auf dem Trainingsgelände zu.

Möhlmann und Kreuzer müssen Poschner-Erbe verwalten

Inzwischen entspricht die Zusammensetzung der sportlichen Führung mit Trainer Benno Möhlmann und Sportchef Oliver Kreuzer ganz Wettbergs Vorstellungen. Dass die Löwen dennoch in höchste Abstiegsgefahr geraten sind, erklärt er sich so: „Ich hab’s befürchtet, dass es so kommt. Die Mannschaft hat ja leider Gottes noch der unselige Poschner zusammengestellt.“ Möhlmann und Kreuzer hätten „das erben müssen, was der Poschner hinterlassen hat“. Wobei Wettberg betont, dass Kreuzer im Winter „mit wenig Geld gute Leute geholt hat“. Das „große Pech“ sei jedoch gewesen, „dass sich Goran Sukalo gleich verletzt hat. Der wäre eine große Hilfe.“

Was Wettberg besonders beunruhigt: „Sechzig hat zuletzt immer wieder anfängerhafte Fehler gemacht. Wir haben Tore bekommen, die du einfach nicht kriegen darfst.“ Schon vor den jüngsten Rückschlägen (drei Niederlagen, ein Remis) vermisste Wettberg stabile Leistungskraft: „Wir waren fast nur auf Standards und das Glück angewiesen.“

Ziemlich vernichtend fällt sein Urteil über Angreifer Rubin Okotie aus: „Der ist seit Wochen völlig außer Form. Oder – und jetzt sag ich mal ein böses Wort – er zeigt nicht den Einsatz, den man als Fußballspieler immer bringen muss. Man hat den Eindruck, dass er sich irgendwie schont. Das ist doch schlimm, wenn ein Spieler sein Potenzial nicht ausschöpft.“ Okotie, so der frühere Coach weiter, erinnere ihn „an einen Basketballspieler, der Angst hat, ein fünftes Foul zu machen“.

Wettberg: "Wir retten uns in der Relegation"

Gegen Duisburg, da ist sich Wettberg sicher, ist hundertprozentige Kampfkraft erforderlich: „Man muss sich im Klaren sein, dass das ganz heiß wird. Für den MSV ist es die allerletzte Chance, noch da unten rauszukommen und Sechzig runterzuziehen. Und für uns ist es fast ein Muss, nicht zu verlieren. Ansonsten ist sogar die Relegation gefährdet.“

Die Partie wird sich Wettberg am Freitag live im Fernsehen anschauen, zusammen mit Freunden: „Alles Löwen.“ Die Hoffnung jedenfalls hat er noch nicht aufgegeben: „Ich bleibe Optimist – trotzdem!“ Seine Prognose für den Abstiegskampf: „Wir retten uns in der Relegation.“

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