Stellt der Traditionsverein den Spielbetrieb ein?

KFC Uerdingen vor Insolvenz - Münchner Drittligisten profitieren

Sollte sich der KFC Uerdingen zurückziehen, käme der TSV 1860 München näher an die direkten Aufstiegsplätze ran.
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Sollte sich der KFC Uerdingen zurückziehen, käme der TSV 1860 München näher an die direkten Aufstiegsplätze ran.

Durch den plötzlichen Rücktritt des Investors und Vereinspräsidenten schwindet die Hoffnung beim Krefelder FC. Bei einer Annullierung der Spiele kämen die Münchner Vereine gut weg.

  • Der KFC Uerdingen steht nach dem Ausscheiden seines russischen Investors vor der Insolvenz.
  • Ein Rückzug aus dem Spielbetrieb wird immer wahrscheinlicher.
  • Sollten die Spiele des KFC annulliert werden, könnten die Münchner Vereine profitieren.

Uerdingen/München - Es ist das Horror-Szenario, dem Türkgücü München und in der Vergangenheit auch der TSV 1860 München nur knapp entkommen sind. Der Investor zieht sich zurück, die Insolvenz droht - und damit auch der Abstieg. Diese Erfahrung macht gerade der KFC Uerdingen. Die sportliche Zukunft des Krefelder Traditionsverein ist völlig ungewiss. Nur eines ist sicher: Es wird chaotisch werden.

Nachdem der scheidende Präsident und Geldgeber Mikhail Ponomarev schon Anfang September seinen Rückzug zum Ende der aktuellen Spielzeit bekannt gegeben hatte, schienen bereits neue Investoren in Sicht zu sein. Doch jetzt zeichnet sich ein gegenteiliges Bild ab. Der Präsident gab am Dienstag seinen Rücktritt zum 20. Januar bekannt, die meisten Nachfolger-Kandidaten seien ausgestiegen, die Hoffnung, dass der Verein noch gerettet werden kann, schwindet. 

KFC Uerdingen: Spielbetrieb bald eingestellt?

Wie es mit dem ehemaligen Bundesligisten in den nächsten Monaten weitergeht, ist derzeit völlig unklar. Dass der Verein die Lizenz für die 3.Liga beantragen wird, ist zwar unwahrscheinlich, dass man den Spielbetrieb aber trotzdem bis Ende der Saison - womöglich mit Hilfe einer weiteren Finanzspritze - aufrechterhalten wird, ist trotzdem denkbar. Selbst bei einer Insolvenz würden zunächst nur drei Punkte abgezogen werden. Doch das Szenario, dass immer wahrscheinlicher wird, ist offensichtlich: Der sofortige Rückzug und die Einstellung des Spielbetriebs.

Wie die Liga mit einem solchen Fall umgehen würde, ist klar geregelt. Der KFC Uerdingen würde an das Ende der Tabelle gesetzt werden und als erster Absteiger feststehen. Zudem würden alle Spiele mit KFC-Beteiligung annulliert werden. Anders wäre es bei einem Rückzug kurz vor Ende der Saison, was in der aktuellen Lage aber auszuschließen ist. 

Münchner Drittligisten profitieren

Das heißt es im Klartext: An keiner Mannschaft würde der Rückzug spurlos vorbeigehen, es würde Gewinner und Verlierer geben. Wie sähe also eine Tabelle ohne den KFC Uerdingen aus?

Wirft man einen Blick auf Uerdingens Spielplan, wird schnell klar. Die vier Münchner Drittligisten würden allesamt profitieren. Der Grund: Alle ließen gegen den krisengebeutelten Klub Punkte liegen.

Nach einem potenziellen Rückzug würde die Spitzengruppe wieder deutlich enger zusammenrücken. Die Löwen müssten nur einen Punkt abgeben kämen bis auf zwei Zähler an die zweitplatzierten Schanzer heran - zugleich zöge aber auch Saarbrücken mit dem TSV gleich. Türkgücü München würde ebenso zu den Profiteuren gehören. In der aktuellen Gemengelage würde der Aufsteiger zwei Plätze gutmachen und bis auf zwei Punkte an die Löwen heranrücken

SpVgg Unterhaching und FC Bayern II: Abhilfe im Abstiegskampf?

Noch interessanter wäre die Krefelder Insolvenz jedoch für die SpVgg Unterhaching und die kleinen Bayern. Auch sie konnten gegen den KFC nicht gewinnen - Unterhaching verlor, Bayern holte einen Punkt. Doch viel durchschlagender dürfte die Aussicht sein, dass so bereits ein Absteiger feststünde. Eine Mannschaft, die eigentlich im gesicherten Mittelfeld, unter normalen Umständen wenig mit dem Abstieg zu tun hätte. Die Folge: Anstatt vier gäbe es in dieser Saison de facto nur drei Abstiegsplätze. Für gefährdete Teams, wie es die SpVgg und die Bayern Amateure sind, eine echte Erleichterung.

Wenngleich die Münchner Klubs rein sportlich gesehen sicher nicht unglücklich über das Ausscheiden des KFC Uerdingen wären, ist Schadenfreude auf jeden Fall nicht angebracht. Allen voran für Türkgücü München dürfte es eine erneute Warnung sein. Die Abhängigkeit von einem einzigen Mann kann schnell nach hinten losgehen. 

(Pascal Edenhart)

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