"Vorsätzlich das Recht gebrochen!"

Kirmaier-Anwalt ätzt gegen die Löwen

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Helmut Kirmaier (l.) mit seinem Anwalt Heinz Veauthier.

München - Die Löwen haben angekündigt, im Fall Kirmaier in die Berufung zu gehen. Der Anwalt des 1860-Mitglieds ätzt gegen den Verein.

Eine Woche dauerte es bis zur Urteilsbegründung im Fall Kirmaier – und nachdem das Schriftstück vom Landgericht München I am Freitag zugestellt war, entschieden sich die Verantwortlichen des TSV 1860 umgehend, vors Oberlandesgericht zu ziehen.

„Wir werden dieses Urteil nicht akzeptieren und gehen in Berufung“, erklärte Verwaltungsratschef Siegfried Schneider. Die Ansicht von Richterin Christina Weitnauer widerspreche nicht nur der Rechtsauffassung der Löwen, sondern auch der Handhabe der für den Verein zuständigen Gerichte in den letzten 20 Jahren. „Für uns ändert dieser Richterspruch also nichts“, meinte Schneider. „Gerhard Mayrhofer und sein Team wurden bei der Mitgliederversammlung von einer überwältigenden Mehrheit demokratisch gewählt. Damit ist nur dieses Präsidium faktisch im Amt und dazu berechtigt, die Amtsgeschäfte zu führen.“

Weitnauer hatte am vergangenen Freitag geurteilt, dass alle Beschlüsse der Mitgliederversammlung vom 14. Juli 2013 „ungültig und nichtig“ seien. Mayrhofer wäre demnach als Präsident nicht legitimiert. Hintergrund des Urteils waren vier Klagen des 1860-Mitglieds Helmut Kirmaier, der die Wahl als nicht satzungskonform ansieht. Drei der Klagen hatte die Richterin zurückgewiesen – mit oben genannter Einschränkung bezüglich der Mitgliederversammlung.

Kirmaiers Anwalt Heinz Veauthier reagierte empört auf die Äußerungen der Löwen. Gegenüber dem Münchner Merkur sagte der 70-Jährige: „Wenn ein Verein eine Satzung hat, in der detailliert geregelt ist, wie der gesetzliche Vertreter eines Vereins bestimmt wird, dann kann man diese Gesetze nicht einseitig aufheben.“ Für die Aussage, Mayrhofer sei faktischer Präsident, sei Siegfried Schneider „weder berufen noch befähigt. Er ist zwar kein Jurist, er müsste es aber richtig beurteilen können, wenn er so tief in der Politik dringestanden ist.“

Konkret macht Veauthier Schneider den Vorwurf, dass er in der Aufsichtsratssitzung vom 29. April 2013 mitbeschlossen habe, nach der neuen Satzung vorzugehen, auch wenn damals noch die alte gültig war. Damit habe er „vorsätzlich geltendes Recht gebrochen“. Veauthiers persönliche Attacke gegen den Ex-Staatskanzleichef: „Ich frage mich, ob man dieses rechtswidriges Vorgehen in der Staatskanzlei lernt oder schon mitbringt. Dieser Mann ist ebenso untragbar wie Frau Haderthauer. Sie kommt vom gleichen Amtssessel.“

Von einer Berufung ist auch bei Veauthiers Mandanten Kirmaier auszugehen. „Seine Klagen waren gerechtfertigt“, sagte Veauthier. Mayrhofer betonte gegenüber der tz: „Es gibt offensichtlich Menschen, die eine alte Ordnung bei 1860 wiederherstellen wollen. Dafür stehen wir nicht. Wir stehen für die Zukunft. Wir werden uns vom Weg des Miteinanders nicht abbringen lassen.“

lk

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