Ex-Trainer im Interview

Fröhling: 1860 hat sich selbst geschadet - bleibt aber drin

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„1860 hat im vergangenen Sommer insgesamt Schaden genommen“: Torsten Fröhling.

München - Ex-Löwentrainer Torsten Fröhling spricht im Interview darüber, warum er zum abstiegsbedrohten Drittligisten Wehen-Wiesbaden gewechselt hat und wie er die Chancen der Löwen im Abstiegskampf einschätzt.

Der Retter ist zurück auf der Bühne – und wieder sind seine Retterqualitäten gefragt. Torsten Fröhling hat am Montag beim abstiegsbedrohten Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden unterschrieben. Gegen Energie Cottbus steigt am Samstag um 14 Uhr das erste von acht Endspielen für den ehemaligen 1860-Trainer. Warum es Fröhling nach Wiesbaden zog und wie er die Chancen der Löwen im Abstiegskampf einschätzt, verriet der 49-Jährige dem Münchner Merkur.

Herr Fröhling, erstmal Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Warum Wiesbaden und nicht wieder Giesing?

Torsten Fröhling: Vielen Dank! Ja, warum Wehen-Wiesbaden? Ich bin in den letzten Monaten viel rumgekommen, nächste Woche wollte ich eigentlich nach Salzburg. Aber das Angebot des SVW hat mich überzeugt. Das ist ein intakter Verein mit einer super Infrastruktur. Hier lässt sich was bewegen. Aber jetzt gilt es erstmal die Klasse zu sichern. Wir haben noch acht Spiele und aktuell zwei Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Das packen wir jetzt an, der Schalter wird umgelegt – mit aller Kraft und Konzentration.

Hat Sie eine Rückkehr zu 1860 nicht mehr gereizt?

Fröhling: So einfach lässt sich das nicht beantworten. Es muss ja auch ein passender Bereich gefunden werden. Ich wollte jetzt einfach wieder arbeiten, ich bin es nicht gewohnt, so lange keine konkrete Aufgabe zu haben. Die ersten ein, zwei Monate nach der Beurlaubung haben gut getan – da konnte ich runterkommen bei der Familie. Aber in den drei Monaten danach bin ich fast durchgedreht! Mir ist es ganz wichtig zu sagen, dass es keine Entscheidung gegen Sechzig war, sondern eine Entscheidung für eine Aufgabe jetzt und hier. Ich habe einfach Bock, zu arbeiten.

Torsten Fröhling: "Sechzig hat mich geprägt"

Was bleibt von der Zeit in München?

Fröhling: Sechzig hat mich geprägt. Es war eine wunderbare Zeit, vor allem auch im Nachwuchsbereich, wo ich ja lange gearbeitet habe. Ich habe viele liebe Menschen kennengelernt. Die Glückwünsche, die ich jetzt bekommen habe, konnte ich gar nicht zählen. Ich bin stolz darauf, dass ich das alles miterleben durfte bei Sechzig.

Wie groß war Ihre Enttäuschung, als Sie nach dem 1:1 in Bielefeld am zehnten Spieltag beurlaubt wurden?

Fröhling: Natürlich war ich traurig. Bielefeld war unser viertes Unentschieden in Folge, wir hatten zuvor einige Spiele dabei, in denen wir ganz nah am Sieg dran waren, wenn ich an Union Berlin zu Hause denke oder Nürnberg auswärts. Irgendwie hatte ich damals den Eindruck, dass wir unser Glück verbraucht hatten. Aber eigentlich will ich darüber gar nicht mehr groß reden. Es ist alles sauber abgelaufen mit den Verantwortlichen, wir können uns alle noch in die Augen schauen. Wer weiß was in drei, vier Jahren ist?

Wie schätzen Sie die Chancen der Löwen auf den Klassenerhalt ein?

Fröhling: Für mich ist der entscheidende Punkt, dass die Mannschaft im Winter verstärkt wurde. In der Englischen Woche ist nun auch das nötige Glück zurückgekehrt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es mit dem Klassenerhalt klappt – dieses Mal ohne Relegation.

Mit vernünftigen Verstärkungen im Sommer wäre dem Verein sportlich wohl einiges erspart geblieben …

Fröhling: Ja, vielleicht. Wir haben uns im Sommer selbst geschadet. Der Verein hat insgesamt Schaden genommen. Mehr will ich dazu nicht mehr sagen.

Torsten Fröhling: "Beim SV Wehen gibt es weniger Fans und mehr Ruhe"

Inwiefern hat Sie die Zeit als Profitrainer bei 1860 abgehärtet?

Fröhling: Es war auf jeden Fall eine sehr lehrreiche und intensive Zeit. Wie abgehärtet ich bin? Tja, das wird sich in den nächsten Wochen herausstellen (lacht). Hier gibt es zwar weniger Fans und mehr Ruhe, aber der Druck ist deswegen auch nicht kleiner.

Wie sehen Sie die Perspektiven der Löwen im Falle des Klassenerhalts? Lässt sich mit Benno Möhlmann und Oliver Kreuzer in Ruhe etwas aufbauen?

Fröhling: In Ruhe?

Naja, die Ansprüche sind jedenfalls gesunken in den letzten anderthalb Jahren.

Fröhling: Ja, das kann sein. Aber ob das auch so bleibt? Da wäre ich mit Prognosen lieber mal vorsichtig. 

Interview: Ludwig Krammer

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