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Kommentar: 1860 - nur noch führend in Sachen Irrsinn

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Von: Ludwig Krammer

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München - In seinem Kommentar bezieht tz-Sportredkateur Ludwig Krammer Stellung zur erneuten Trainer-Entlassung beim TSV 1860 - und findet klare Worte.

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Schmidt, Funkel, von Ahlen – Moniz, von Ahlen, Fröhling – Fröhling, Möhlmann, Bierofka (Bushuev) – Runjaic, Bierofka, _______

Haben Sie’s erkannt? Ganz genau! Die Löwen haben es mit der Installation von Daniel ­Bierofka als Interimstrainer gestern vorzeitig geschafft, auch in der vierten Saison das Trainer-Triple zu holen. Vielleicht werden es in dieser Saison sogar vier Übungsleiter, wer weiß? Beim Giesinger Zirkusverein muss man bekanntlich mit allem rechnen – und wird doch stets aufs Neue überrascht, speziell seit Zirkusdirektor Hasan Ismaik die Löwen durch die Manege jagt.

Nun also der nächste Meilenstein auf dem Weg nach Nirgendwo: die (nachvollziehbare) Beurlaubung des erfolglosen Trainers Kosta Runjaic, gefolgt von der verbalen Hinrichtung des Managers Thomas Eichin, die einmal mehr zeigt, dass bei Ismaik in Sachen Fußball der Bauch mindestens so wichtig ist wie der Kopf. Genauso wie der Jordanier einst Sportchef Florian Hinterberger öffentlich an die Wand nagelte, sich von dessen Nachfolger Gerhard Poschner hinters Licht führen ließ und Oliver Kreuzer mitten in der Saisonvorbereitung durch Eichin ersetzte, ließ er seine Wut und Enttäuschung über das bislang so schwache sportliche Abschneiden nun an Eichin aus. Wie der ehemalige Bremer derart gestutzt noch sinnvoll an der Grünwalder Straße weiterarbeiten soll, bleibt Ismaiks Geheimnis, ebenso wie die Strategie, mit der er 1860 zu einem der – Zitat – „führenden Klubs Deutschlands“ machen will.

Führend waren die Löwen seit Jahrzehnten lediglich in Sachen Erfolglosigkeit und Skandal­trächtigkeit. Seit Ismaiks Übernahme 2011 haben sich Absurdität und Peinlichkeit zum Markenkern verdichtet. Kein Wunder, dass sich für diesen seltsam riechenden Haufen immer weniger Zuschauer, aber umso mehr zweifelhafte Berateragenturen interessieren. Wo viel Geld und wenig Ahnung zusammenkommen, sind in der Regel die schnellsten Geschäfte zu machen.

Wer wird neuer Löwen-Trainer? Diese Kandidaten hätten Zeit

Ismaik war und ist als selbsterklärter Superfan naiv genug, dem Reiz wohlklingender Versprechen zu erliegen, um nach rasch folgenden Enttäuschungen wie ein beleidigtes Kind zu reagieren – mit bekannten Konsequenzen. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann die Summe der Abfindungen für Trainer und Sportdirektoren den Wert des Spielerkaders übersteigt. Oder glaubt tatsächlich jemand ernsthaft daran, dass mit Liverpool-Manager Ian Ayre, sofern dieser denn kommt, alles bald besser wird?

Nein, diesem Klub hilft nur ein Wunder. Oder besser gleich vier Milliarden davon.

Ludwig Krammer

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