Kommentar zum Löwen-Jahr 2014

1860: Vollgas auf dem Highway to hell

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Die Löwen-Verantworlichen Mayrhofer, Poschner, Rejek und Basha (v.l.).

München - tz-Redakteur und Löwen-Experte Ludwig Krammer bilanziert das Löwen-Jahr 2014. Sein Fazit fällt nicht besonders erfreulich aus - wen wundert's.

Drei Punkte hinter dem Aufstiegs-Relegationsplatz, ein alter Trainerhase auf dem Kommandostand, drei neue Spieler im Kader – so starteten sie beim TSV 1860 ins Jahr 2014. Es kommt einem vor wie eine Erinnerung aus fernen, federleichten Zeiten. Von den neuen Spielern ist nur noch Markus Steinhöfer übrig (als Stammkraft im Regionalliga-Team), der alte Trainerhase hat längst das Weite gesucht. „Für kein Geld der Welt“ hätte er seinen Vertrag bei 1860 verlängert, hinterließ Friedhelm Funkel im April eine Botschaft, die den Verkündern des Auf- und Umbruchs an der Grünwalder Straße so gar nicht ins rosarote Konzept passte.

Acht Monate später darf sich Funkel unterm Christbaum in Krefeld selbst gratulieren. Die Vision vom mitreißenden Offensivfußball, der zu vollen Rängen und einem begeisterten Investor führen sollte, gilt unter führenden Witzeforschern als aussichtsreicher Kandidat für den BLAU, den (unter Ausschluss der Öffentlichkeit verliehenen) Preis für den bodenlos lächerlichsten Ankündigungs-Unfug im deutschen Profifußball.

Seit Winnie Schäfers Traum vom „KSC 2000“, der in eben jedem Jahr in der Drittklassigkeit endete, ist kein Vorhaben mehr so krachend gescheitert wie das der Löwen, im Unterhaus als Mischung aus Real Madrid und Barcelona aufzugeigen. Die Hinrunde war rock‘n‘rollerisch gesprochen eine Vollgasfahrt auf dem Highway to Hell – nur ohne Musik. Ansatzweise Unterhaltungswert besaßen neben dem kuriosen Trainer Ricardo Moniz vor allem die juristischen Kämpfe des Präsidiums. Helmut Kirmaier, Heinz Veauthier, der Facebook-Fan Constantin A., dazu Erich Meidert und zuletzt Svend Friderici dürfen sich allesamt als Märtyrer fühlen.

Ein konsequent gelebtes Freund-Feind-Schema macht’s möglich. Und jetzt? Nach neuen Visionen wird bei Sechzig im Jahr 2015 so schnell niemand schreien. Dank der katastrophalen sportlichen Entwicklung, die im 1:1 bei RB Leipzig gestern einen halbwegs versöhnlichen Schlussakkord fand, gibt es seit Jahren wieder ein realistisches Saisonziel: den Klassenerhalt in Liga zwei.

Wer attraktiven, offensiven Zweitligafußball sehen will, muss nach Ingolstadt fahren. 1860 kann beim Publikum immerhin auf den Mitleids-Effekt hoffen.

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