TSV 1860

Kommentar: Die Stadion-Frage ist nicht gelöst

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Die Allianz Arena beim Spiel gegen Nürnberg.

München - Die Spiele gegen Nürnberg und Kiel haben das Bewusstsein dafür verwässert, dass die Allianz Arena ein Riesen-Problem für den TSV 1860 ist. Die Löwen-Führung muss jetzt dringend weiter an einer Alternative arbeiten, kommentiert Merkur-Redakteur Felix Müller.

Fußball-Vereine haben eine eigene Kultur. Besonders gilt das für so traditionsreiche Clubs wie den TSV 1860. Im Fall der München Löwen gehört eine große Leidensfähigkeit zu den besonderen Eigenschaften der Fans. Eine schnell entfachbare Begeisterung. Und, auch das: Größenwahn.

 Lange, lange hatten die Löwen-Fans auf große, gemeinsame Momente gehofft. Auf Spiele, von denen man den Enkeln erzählen kann – wie viele Opas den heutigen Fans etwa aus den 60er-Jahren erzählen können. Am Dienstagabend war so ein besonderer Moment. Und viele Zehntausend kamen in die Arena, um eine dramatische Rettung mitzuerleben. Jetzt ist viel von „Gänsehaut“ die Rede. Und doch ist es wichtig, nun kühlen Kopf bewahren. Das gilt auch und gerade für die Stadion-Debatte.

Es stimmt: Sechzig-Fans können die Arena in ein Tollhaus verwandeln. Das Grünwalder Stadion ist viel zu klein für das immer noch vorhandene Fan-Potenzial. Das Olympiastadion eigentlich zu alt. Und ein Neubau: Wer sollte den finanzieren? Trotzdem: Die Arena ist im Zweitliga-Alltag viel zu steril und viel zu groß. Sie ist das Stadion des Weltclubs FC Bayern – und, vor allem auch: viel zu teuer. Die Rahmenbedingungen sind dermaßen verheerend, dass unbedingt Alternativen gesucht werden müssen. In den letzten Wochen schien diese Erkenntnis plötzlich, endlich, bei einem Löwen-Präsident und einem Oberbürgermeister angekommen zu sein.

Der Alltag sind nicht 70 000 Zuschauer gegen Nürnberg. Sondern 17 000 gegen Sandhausen. Das Sicherheitsproblem in Giesing war immer aufgebauscht. Vielleicht könnte Sechzig ins Grünwalder zurückkehren und einzelne brisante – oder lukrative – Spiele im Olympiastadion spielen. Und nebenher die große Lösung in einem Neubau vorantreiben. Für solche Überlegungen bräuchte es eine TSV-Führung mit Mut, einem Plan und Fingerspitzengefühl im Umgang mit Stadt, Nachbarn, Polizei. Der OB hat zugesagt, die Sechzger zu unterstützen. Das gab es lange nicht. 1860 hat jetzt eine große Chance. Leider gehört auch das Vergeigen von Chancen zur Kultur des TSV.

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