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Am Ende der Spannung droht die große Leere

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Von: Uli Kellner

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Fußballfans schauen ein WM-Spiel im Biergarten auf Großleinwand.
Gerades Jahr ohne Sommerturnier und Großleinwand - danke, Katar! © Peter Kneffel / dpa

Harte Zeiten für Fußball-Junckies Katar tritt nicht nur Menschenrechte mit Füßen, sondern auch unser Recht auf einen Sommer vor der Großleinwand. Ein Kommentar.

Rettet Felix Magath die Hertha und damit seinen Ruf als Trainer für die besonders schweren Fälle? Wird der HSV zum Zweitliga-Dino, indem er wie üblich auf den letzten Drücker den Aufstieg verspielt? Und die nie langweiligen Löwen aus der 3. Liga: Krallen sie sich den Trostpreis und buchen als Tabellenvierter das nächste Abenteuer im DFB-Pokal? Im Wesentlichen sind das die Fragen, die Fußballfans vor dem Saisonfinale in den höchsten drei Spielklassen bewegen. Die großen Entscheidungen sind gefallen, die kleinen Themen taugen zumindest dazu, ein verregnetes Wochenende zu versüßen. Der wahre Horror jedoch – der droht danach!

Viele werden sie verdrängt haben, die bittere Wahrheit: Wir haben ein gerades Jahr, werden den Juni (und die ersten Juli-Tage) aber nicht wie sonst im Biergarten vor der Großleinwand verbringen. Katar tritt nicht nur Menschenrechte mit Füßen, sondern auch unser Recht auf einen Fußballsommer, der die Zeit zwischen den Liga-Spieljahren verkürzt. Klar, es gibt jetzt noch die Relegationen, ein Pokal-Duell der Gegenentwürfe in Berlin (Freiburger Herz vs. Leipziger Geld), dazu die nächste Frankfurter EURO-Party. Was aber, wenn das Finale der Europa League gespielt ist (18. Mai) und sich auch Klopp (oder Ancelotti) zum König der Königsklasse gekrönt hat (28. Mai)? Die große Leere – sie wird uns früher einholen, als uns Fußball-Allesschauern das bewusst ist.

Passt ja in unsere Zeit, dass nichts mehr so ist, wie es sein soll. Und wie das so ist: Wo es Verlierer gibt (alle WM-Fans), gibt es auch Gewinner. Die Nations League in diesem Sommer dürfte ungeahnten Zuschauerzulauf erfahren, die Quali-Runden zu den Europacups nicht nur Wettfreunde und Berufszocker interessieren. Denkbar ist, dass auch die Proficlubs von mehr Fans als sonst in ihre Sommertrainingslager begleitet werden. Ja, und danach wäre es auch schon bald geschafft.

Das Gute an der Winter-WM: Sämtliche Ligen beginnen früher als üblich, schon ab Mitte Juli geht es in den Unterhäusern weiter. Und was die vielen Traditionsclubs freuen dürfte, die dieses Jahr aufgestiegen sind: Die üblichen Herbstkrisen können heuer abseits des medialen Interesses diskutiert, die ersten Trainer halbwegs geräuschlos gefeuert werden. Im November ist schließlich WM. Eine zweite Sommerpause sozusagen – in einer Zeit, wo es sonst turbulent wird. Verrückte Fußballwelt!

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