Die Löwen in Trümmern

Kommentar zum TSV 1860: Wie eine Apokalypse

Der TSV 1860 liegt nach dem Abstieg in die 3. Liga in Trümmern. Wie es weitergeht, ist völlig unklar - klar ist aber, dass das Investoren-Modell mit Hasan Ismaik gescheitert ist, sagt unser Autor Armin Gibis. Ein Kommentar.

Am Tag danach erweckte der Fußball-Zweitligist TSV 1860 ganz den Eindruck, als sei eine Apokalypse über ihn hereingebrochen. Geschäftsführer weg, Präsident weg, Trainer weg. Wohl auch die Mannschaft weg. Der derzeit führungslose Traditionsverein, der am Dienstag noch 62.300 Zuschauer ins Stadion gelockt hatte, wird von massiven Zerfallserscheinungen heimgesucht. Es ist, als seien nur noch Trümmer von ihm übrig geblieben. Und derzeit lässt sich nur schwer abschätzen, wie es bei den so schwer gebeutelten Löwen weitergeht. Vieles deutet darauf hin, dass ihre nahe Zukunft nicht im Profi-Fußball stattfinden wird.

Damit dürfte auch endgültig feststehen, dass das Investoren-Modell mit Hasan Ismaik ziemlich erbärmlich gescheitert ist. Hier hat vor sechs Jahren zusammengefunden, was einfach nicht zusammenpasst. Diese sogenannte Partnerschaft war meist mehr ein Gegen- als ein Miteinander. Sicher, Ismaik hat mit seinen Millionen den Verein gerettet. Aber mit seinem unbedingten – die DFL-Statuten ignorierenden – Machtanspruch, seiner gleichzeitigen Ahnungslosigkeit in so ziemlich allen Fragen des Profi-Fußballs und seiner gnadenlosen Willkür in Personalfragen trug er wesentlich zur fatalen Entwicklung bei, die nun im besten Fall in die 3. Liga führt. So kann es eben ausgehen, wenn ein Verein sich und auch seine Seele verkauft.

Die Frage stellt sich hierbei, warum die DFL in Sachen Ismaik so lange tatenlos zugeschaut hat? Ihre 50+1-Regel wurde in München – ungeahndet – schon seit längerem malträtiert. Eine Einschätzung, die auch ein früherer, an Ismaik gescheiterter Klubchef einst intern vertreten hat.

Peter Cassalette hatte dagegen bis zuletzt auf den Jordanier gesetzt. Als erstem Vereinschef war es ihm gelungen, den so leicht reizbaren Geschäftsmann gnädig zu stimmen. Eine Strategie, die sich nun bitter rächt. Womit Cassalette, der an diesem unheilvollen Dienstag auch noch Knall auf Fall das sinkende Schiff verließ, zu den ganz großen Verlierern des Absteigers zählt.

Sind die Löwen nun also wirklich am Ende? Die internen Kräfte, die derzeit versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben (solche Leute gibt es tatsächlich noch bei 1860), hoffen nun darauf, dass Ismaik sich ganz zurückzieht. Auch wenn der Preis der Neuanfang in der Regionalliga wäre. Vielleicht schaut man sich dann ein wenig vom Nachbarn SpVgg Unterhaching ab, der aus relativ wenig Geld viel zu machen pflegt. Auch dank seines führungsstarken und kompetenten Präsidenten Manni Schwabl. Ihn könnten die Löwen gut gebrauchen.

Wie es nach dem Abstieg beim TSV 1860 weitergeht, lesen Sie in unserem News-Ticker.

WhatsApp-News zum TSV 1860 gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für Löwen-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Löwen direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

< script type="text/javascript" src="https://www.snacktv.de/snacktag/snacktag.js" charset="iso-8859-1">

Auch interessant

Kommentare