1860 feiert Herbstmeisterschaft

Kommentar zur Löwen-Hinrunde: Der perfekte Neuanfang

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Über den Löwen strahlt wieder die Sonne.

Im Sommer lag der TSV 1860 am Boden, in jeglicher Hinsicht. Ein halbes Jahr später scheint wieder die Sonne an der Grünwalder Straße - keine Selbstverständlichkeit. Ein Kommentar von Merkur-Reporter Armin Gibis.

Die Prognosen waren eindeutig: Die erste Mannschaft des TSV 1860 ging nicht nur als große Attraktion in die Saison der Regionalliga – sondern auch als großer Favorit. Insofern ist es also keine Überraschung, dass die Löwen nun zum Ende der Hinrunde als souveräner Herbstmeister dastehen. Und doch ist es erstaunlich, wie sich die Sechziger in der Viertklassigkeit zurechtgefunden haben. Es drängt sich gar der Eindruck auf, als seien sie in einer neuen heilen Welt gelandet.

Nur zur Erinnerung: Vor einem knappen halben Jahr noch schien der Meister von 1966 so ziemlich am Ende zu sein: Von Insolvenz bedroht, sportlich in die 4. Liga durchgerasselt und immer noch den Launen eines unberechenbaren Investors ausgeliefert. Denkbar ungünstige Voraussetzungen also für einen soliden Neuanfang. Doch eben dieser ist den Blauen perfekt gelungen. Wenn man deren von Dauer-Chaos und Machtkämpfen geprägte Historie bedenkt, ist das tatsächlich ein kleines Wunder.

Dabei ist das derzeit umjubelte Team nicht unbedingt so traumhaft bestückt, wie viele meinen. Schlüsselspieler Gebhart befindet sich seit zwei Monaten im Krankenstand, höherklassig gesammelte Profi-Erfahrung haben nur noch die Oldies Mölders (32) und Mauersberger (32). Das Gros des Teams setzt sich aus jungen, allein in der Viertklassigkeit erprobten Kräften zusammen. Sicher nicht eben einfacher machte es den Löwen, dass sich ihre Gegner stets zu maximaler Kampfkraft motivierten. Für die Klubs aus der Provinz sind die Sechziger eben die Liga-Promis schlechthin. Fast jedes Spiel hatte Pokalspiel-Charakter. Unter diesen Umständen 13 von 18 Partien zu gewinnen, ist gewiss keine Selbstverständlichkeit.

Sie erreichen den Autor Armin Gibis unter Armin.Gibis@merkur.de

Ein Schlüssel für die Trendwende war sicher, dass es die Vereinsoberen – von Präsident Robert Reisinger bis Geschäftsführer Markus Fauser – geschafft haben, für eine im Klub bislang völlig unübliche Ruhe zu sorgen. Und dann ist da natürlich noch Trainer Daniel Bierofka. Er verkörpert idealtypisch nicht nur Bodenständigkeit, Leidenschaft und kämpferische Hingabe – ihm ist es auch gelungen, diese Tugenden seiner Mannschaft einzutrichtern.

Die Löwen scheinen im Jahr 1 nach der Katastrophe entdeckt zu haben, wie man mit bescheidenen Mitteln erfolgreich sein kann. Bleibt nur zu hoffen, dass diese wertvolle Erkenntnis weiter beherzigt wird.

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