"Kontakte zu Aufsichtsrat minimal"

Kommunikation mangelhaft: Schneider packt aus

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Dieter Schneider (2.v.r.) neben den Vizes (Franz Maget (2.v.l.) und Wolfgang Hauner (r.) sowie Aufsichtsratschef Otto Steiner (l.)

München - Noch-Oberlöwe Dieter Schneider hat sich bei München.tv zu den Umständen der Querelen bei 1860 geäußert. Auf einen Frontalangriff verzichtet er, doch seine Worte lassen tief blicken.

Dieter Schneider absolviert eine Art Abschiedstournee. Der Noch-Präsident der Löwen war am Sonntag bei Blickpunkt Sport im Bayerischen Fernsehen zu Gast, am Montag saß er in der Sport Arena bei München.tv.

Auch dort sprach Schneider mit ruhiger Stimme und vermied, ganz Gentleman, einen Frontalangriff. Doch seine Worte konnten den Ärger nicht verbergen, der sich insbesondere gegen den Aufsichtsrat richtet. Er hätte offenbar gerne erneut als Präsident kandidiert, doch ihm fehlte die Unterstützung. Schneider verweist auf die Anstrengungen des Präsidiums, zwei Jahre lang gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und dessen Vorsitzendem Otto Steiner die Dinge zum Positiven zu wenden. "Dann kam zu dem Zeitpunkt, wo formell eine Entscheidung (über die Präsidentenfrage, Anm. d. Red.) gefällt werden muss, ein wochen-, fast monatelange Geeiere. Da muss man realistischerweise sagen: Dann habe ich nicht mehr die Unterstützung, die nötig ist, um gemeinsam die großen Aufgaben, die wir noch haben, zu lösen."

Die Kommunikation ließ offensichtlich sehr zu wünschen übrig - oder war nur rudimentär vorhanden. "Das kann ich nicht beurteilen", sagt er zu den Plänen, dass Hep Monatzeder seine Nachfolge antreten soll. "Ich bin relativ weit vom Schuss, es gibt keine Kommunikationslinie, keine Absprache mit dem Aufsichtsrat."

Schneider geht ins Detail: "Es gab immer wieder den Versuch seitens des Präsidiums, mit dem Aufsichtsrat und dem Vorsitzenden Kontakt aufzunehmen. Es gab minimal Kontakte. Aber seit einiger Zeit ist alles sehr auf ein Minimum reduziert."

Auch rund um Schneiders Rückzugsankündigung gab es Unstimmigkeiten. Am vergangenen Donnerstag trat der 65-Jährige vor die Presse und erklärte, dass er nicht erneut kandidieren werde. Der Aufsichtsrat soll angeblich überrascht gewesen sein. "Ich habe Otto Steiner am Tag, als die Pressekonferenz war, per E-Mail informiert", erklärt Schneider nun. Der Vorsitzende habe aber den restlichen Aufsichtsrat nicht davon in Kenntnis gesetzt.

Schneider geht, Monatzeder wird Nachfolger! Chronologie des 1860-Streits

Dieter Schneider
Nach monatelangem Gezerre ist der Machtkampf beim Fußball-Zweitligisten 1860 München zwischen Investor Hasan Ismaik und Präsident Dieter Schneider beendet. Der 65 Jahre alte Vereinsboss hat sein Ausscheiden angekündigt. Wir dokomentieren einige Schlaglichter des Streits seit Frühjahr 2012. Die Fotos sind Symbolbilder und stammen nicht vom jeweiligen Tag. © sampics
Dieter Schneider
27.03.2012: Das Präsidium demonstriert Einigkeit mit Ismaik, dem nachgesagt wird, Schneider loswerden zu wollen. „Wir haben klar gesagt, dass wir als Team erfolgreich sein wollen. Es wurde weder über Köpfe geredet, noch wurden Köpfe gefordert. Wir fangen jetzt an, den Weg zu leben. Jeder wird alles dafür tun“, betont Geschäftsführer Robert Schäfer. © M.I.S.
Ismaik
06.05.2012: Ismaik legt einen Businessplan vor, mit dem er den Verein bis 2015 in die Bundesliga hieven will. „Mein Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren Erstligist zu sein“, sagt Ismaik. Schneider betont aber, die Finanzen konsolidieren zu wollen. © sampics
17.11.2012: 1860 München trennt sich angesichts ausbleibender Erfolge von Trainer Reiner Maurer. Als Nachfolger wird Regionalliga-Coach Alexander Schmidt befördert - erst einmal bis zur Winterpause. © sampics
24.11.2012: Unter den Augen von Sven-Göran Eriksson, der als Wunschkandidat von Ismaik die Löwen erneut live verfolgt, verpasst Schmidt in seinem ersten Zweitliga-Spiel knapp den Sieg bei Union Berlin. © M.I.S.
26.11.2012: Präsident Schneider wiegelt angesichts des erneuten Auftritts von Eriksson ab: „Das Ganze wird ein bisschen hochgehängt. Der Investor hat sich über Eriksson eine zweite Meinung über die Mannschaft eingeholt.“ © sampics
27.11.2012: Beim 1:0-Heimsieg gegen den SC Paderborn holt Schmidt den ersten Dreier. Eriksson sitzt wieder auf der Tribüne, beteuert aber: „1860 braucht keinen neuen Trainer.“ © dpa
16.12.2012: Schmidt soll Löwen-Coach bis zum Saisonende bleiben, erklärt Schneider. © sampics
17.12.2012: Schmidt registriert selbstbewusst seinen Verbleib bis zum Saisonende. „Ganz ehrlich: Diese Entscheidung hat mich nicht überrascht. Ich bin sehr ehrgeizig und möchte diesen Verein wieder in die Spur bringen.“ © dpa
02.01.2013: Investor Ismaik attackiert Präsident Schneider und die gesamte Vereinsführung. „Warum sollte ein alter Mann wie Schneider am Präsidentenposten festhalten? Die einzige Erklärung ist, dass seine persönlichen Interessen und sein Öffentlichkeitsdrang ihn dort halten.“ © sampics
03.01.2013: „Überrascht und irritiert“ reagieren die Löwen auf den harschen Vorstoß Ismaiks in aller Öffentlichkeit. Persönliche Angriffe seien „kontraproduktiv“, erklären Präsidium und Aufsichtsrat. © sampics
07.01.2013: Ein Treffen zwischen Ismaik und der Vereinsführung endet im Eklat. „Ich kann mit diesen Leuten nicht arbeiten“, klagt der jordanische Investor - und lässt durchblicken, sein Engagement bei 1860 beenden zu wollen. © sampics
09.01.2013: Bei einem Schlichtungstreffen in Abwesenheit Ismaiks wird den Vereinsgremien ein Kompromissvorschlag des Investors unterbreitet. © M.I.S.
10.01.2013: Ismaik schlägt nun auch öffentlich versöhnliche Töne an. „Für mich ist das Projekt noch lange nicht vorbei“, sagt er in einem Interview. „Wir haben ein gemeinsames Ziel und müssen Kompromisse finden.“ © sampics
15.01.2013: Nach einer fast siebenstündigen Sitzung ist tief in der Nacht endlich eine Einigung gefunden. Eriksson soll künftig zusammen mit Schmidt als 1860-Trainer agieren. Ismaik erklärt sich mit dieser Lösung zufrieden. © Getty
18.01.2013: Erneute Wende: Eriksson sagt den Löwen und Ismaik ab. © Getty
20.01.2013: Ismaik erkennt in Schneider den Verantwortlichen für die Eriksson-Absage. „Natürlich mache ich Schneider verantwortlich dafür. Im Club geht es zu sehr um Politik, kaum um den Sport.“ © M.I.S.
Dieter Schneider
07.03.2013: Schneider kündigt an, nicht für eine weitere Amtszeit als fürs Präsidentenamt kandidieren zu wollen. „Das Thema Präsidiumsbesetzung hat inzwischen ein Niveau erreicht, das für das ohnehin angeschlagene Ansehen des Vereins schädlich ist“, sagt er. © sampics
Hep Monatzeder
14.03.2013: Hep Monatzeder (3.v.l.) wird als designierter Nachfolger Schneiders vorgestellt, am 1. April 2013 übernimmt er offiziell © Klapp

Wenige Sätze später lobt Schneider das Verhältnis mit Steiner. "Eigentlich haben wir uns persönlich gar nicht aneinander gerieben", sagt er. Warum es nun doch auseinander geht? Das bleibt das Geheimnis der Protagonisten. Schneider: "Es gab zwischen Otto Steiner und mir wie mit dem ganzen Aufsichtsrat in Sachfragen keine Differenzen. Alles, was wir mit Hasan Ismaik besprochen haben, war immer und zu jedem Zeitpunkt beim Aufsichtsrat besprochen, vom Aufsichtsrat so abgestimmt und so aktiv vertreten. Ich war halt nur derjenige, der das nach außen getragen hat und der vielleicht den Rücken hinhalten muss."

Schneider geht - und zwar als Sündenbock vieler. Gerecht oder nicht? In dem Zusammenhang ist Schneider jedenfalls noch mal wichtig, sein Image als vermeintlicher Blockierer richtig zu stellen. Er sagt über Investor Hasan Ismaik: "Es gab zu keinem Zeitpunkt über die Gelder des Dreijahresplans hinaus kein Angebot, über irgendwelche strategisch offensivere Dinge, die mit mehr Geld verbunden waren."

lin

Vom Maurer-Aus bis zum geplatzten Eriksson-Deal: Eine Chronologie

Nach wochenlangem Gezerre ist der Machtkampf beim Fußball-Zweitligisten 1860 München beendet. Die Vereinsgremien segneten den Vorstoß von Investor Hasan Ismaik ab, den schwedischen Starcoach Sven-Göran Eriksson neben Trainer Alexander Schmidt zu installieren. Doch die Installation des Schweden platzte doch noch. Die Nachrichtenagentur dpa zeichnet den langen Weg nach. © Sampics
17.11.2012: 1860 München trennt sich angesichts ausbleibender Erfolge von Trainer Reiner Maurer. Als Nachfolger wird Regionalliga-Coach Alexander Schmidt befördert - erst einmal bis zur Winterpause. © M.I.S.
24.11.2012: Unter den Augen von Sven-Göran Eriksson, der als Wunschkandidat von Investor Hasan Ismaik die „Löwen“ erneut live verfolgt, verpasst Schmidt in seinem ersten Zweitliga-Spiel knapp den Sieg bei Union Berlin. © M.I.S.
26.11.2012: Präsident Dieter Schneider wiegelt angesichts des erneuten Auftritts von Eriksson ab: „Das Ganze wird ein bisschen hochgehängt. Der Investor hat sich über Eriksson eine zweite Meinung über die Mannschaft eingeholt.“ © M.I.S.
27.11.2012: Beim 1:0-Heimsieg gegen den SC Paderborn holt Schmidt den ersten und bisher einzigen Dreier. Eriksson sitzt wieder auf der Tribüne, beteuert aber: „1860 braucht keinen neuen Trainer.“ © M.I.S.
16.12.2012: Schmidt bleibt „Löwen“-Coach bis zum Saisonende. „Er wird Trainer über die Winterpause hinaus bleiben“, erklärt überraschend Präsident Dieter Schneider vor dem letzten Heimspiel des Jahres. © M.I.S.
17.12.2012: Schmidt registriert selbstbewusst seinen Verbleib bis zum Saisonende. „Ganz ehrlich: Diese Entscheidung hat mich nicht überrascht. Ich bin sehr ehrgeizig und möchte diesen Verein wieder in die Spur bringen.“ © M.I.S.
02.01.2013: Investor Ismaik attackiert Präsident Schneider und die gesamte Vereinsführung. „Die Wahrheit ist, dass sie sich nicht wirklich um den Club kümmern, sondern um ihre Ämter und ihr Ansehen in den Medien.“ © M.I.S.
03.01.2013: „Überrascht und irritiert“ reagieren die „Löwen“ auf den harschen Vorstoß Ismaiks in aller Öffentlichkeit. Persönliche Angriffe seien „kontraproduktiv“, erklären Präsidium und Aufsichtsrat. © M.I.S.
07.01.2013: Ein Treffen zwischen Ismaik und der Vereinsführung endet im Eklat. „Ich kann mit diesen Leuten nicht arbeiten“, klagt der jordanische Investor. © Sampics
09.01.2013: Bei einem Schlichtungstreffen in Abwesenheit Ismaiks wird den Vereinsgremien ein Kompromissvorschlag des Investors unterbreitet. © M.I.S.
10.01.2013: Ismaik schlägt nun auch öffentlich versöhnliche Töne an. „Für mich ist das Projekt noch lange nicht vorbei“, sagt er in einem Interview. „Wir haben ein gemeinsames Ziel und müssen Kompromisse finden.“ © Sampics
15.01.2013: Nach einer fast siebenstündigen Sitzung ist tief in der Nacht endlich die Einigung gefunden: Eriksson sollte künftig zusammen mit Schmidt agieren. © Sampics
18.01.2013: Rolle rückwärts! Sven-Göran Eriksson wird doch nicht Trainer. "Seit dem ersten Kontakt mit dem Verein im November ist einige Zeit vergangen und wir alle wissen, wie schnelllebig das Profi-Fußballgeschäft ist. Deshalb bitte ich alle Beteiligten, meine Entscheidung zu respektieren. Ich wünsche meinem Freund Hasan Ismaik und dem TSV 1860 München viel Erfolg für die Zukunft", so der Schwede © Getty

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