Schleichender Niedergang

Sechzig am Boden: Wenn nur die Hoffnung bleibt

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Bediente Gesichter: trotz einer guten Leistung konnten die Löwenprofis die Niederlage im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg nicht verhindern.

München - Tabellenletzter, 13 Gegentore in nur vier Spielen, jetzt das Aus im finanziell lukrativen Pokalwettbewerb - bei 1860 München geht weiterhin nichts voran. Wie soll der Umschwung gelingen?

Bei den kriselnden Münchner Löwen wurde in der Vergangenheit schon so viel probiert, dass jetzt fast nur noch eines bleibt: Hoffnung. Mit bemerkenswerter Hingabe versuchte Trainer Markus von Ahlen nach einem 2:5 in der zweiten Pokalrunde gegen den SC Freiburg jede winzige positive Randerscheinung in den Fokus zu rücken. "Alle Spieler haben im Grunde genommen eine sehr stabile Leistung gezeigt", sagte er nach dem nächsten Rückschlag des angeschlagenen Tabellenletzten der 2. Fußball-Bundesliga. Das freundlich gemeinte Lob des gegnerischen Coaches nahm von Ahlen dankbar auf: "Wenn Christian Streich sagt, dass wir eine sehr gute Spielanlage hatten, ist dem nichts mehr hinzuzufügen."

Reihenweise Trainerwechsel, eine wilde Transferpolitik, Austausch des Präsidiums und des Sportchefs - schier alles haben die Münchner in den vergangenen Jahren versucht, um voranzukommen. Und müssen jetzt erkennen, so schlecht dazustehen wie fast nie. Gestartet als selbst ernannter Aufstiegskandidat sind die Löwen fußballerisch auf dürftigem Niveau gestrandet, in den jüngsten vier Pflichtspielen kassierten sie allein 13 Gegentore. "Man hat wieder eine Besserung gesehen, aber uns fehlen die Resultate", befand von Ahlen, der zuletzt schon beim 1:2 gegen Braunschweig in der Liga erstaunlich viele positive Dinge in der Öffentlichkeit aufgezählt hatte.

"Die Fans haben die Leistung mit ihrer Unterstützung mit möglich gemacht."

Von Ahlens Prämisse nach der Beförderung vom Co- zum Cheftrainer ist, die große Unruhe im Umfeld irgendwie einzudämmen. Mit bescheidenen neuen Zielen, milden Worten und dem Versuch, ein Zusammenhaltsgefühl zu erschaffen anstatt laut herumzupoltern. Das gelingt teilweise - am Mittwoch wurden die 1860-Profis trotz gleich fünf Gegentoren durch Sebastian Freis (25. Minute), Admir Mehmedi (59./64./89.) und Jonathan Schmid (84.) bei nur zwei eigenen Treffern von Valdet Rama (15.) und Rubin Okotie (69.) mit Applaus von den Anhängern verabschiedet. "Die Fans haben die Leistung mit ihrer Unterstützung mit möglich gemacht", verkündete von Ahlen, "dieses Wechselspiel brauchen wir, um irgendwann auch richtig erfolgreich zu sein."

Dass der Zeitfaktor dabei eine entscheidende Rolle spielt, ist allen klar. Schlimmstenfalls könnte der Abstieg in die 3. Liga für den wirtschaftlich sowieso angeschlagenen Club bald zu einem ernsthaften Horror-Szenario werden. Das schnelle Aus im finanziell lukrativen Pokalwettbewerb schmerzt da doppelt. "Es bringt halt nichts, dass wir uns nach jedem Spiel hinstellen und sagen: Wir haben gut mitgehalten oder sonst was. Wir müssen einfach auch mal einen dreckigen Sieg holen", erkannte Mittelfeldprofi Daniel Adlung. Noor Basha, ein Vertrauter von Investor Hasan Ismaik, glaubt weiter an den Unschwung: "Fakt ist: Wir sind auf Platz 18. Viele schauen aber nur auf das Ergebnis, doch wir haben eine neue Kultur, Professionalität und Stabilität. Deshalb bewahren wir Ruhe", behauptete er im Kicker.

Am Sonntag geht's in der Liga mit der Partie beim VfL Bochum weiter. Um die Abstiegsränge zu verlassen, bräuchten die Sechziger auf jeden Fall den dritten Saisonsieg - und obendrein Schützenhilfe der Konkurrenz. "Was fehlt, sind die Resultate, das Erfolgserlebnis, der Befreiungsschlag. Das kotzt uns alle am meisten an", kommentierte Torwart Stefan Ortega. "Es ist hoffentlich eine Frage der Zeit, bis es endlich klappt und wir wieder drei Punkte holen."

dpa

Bilder & Einzelkritik zum Löwen-Aus: 1x Note 2, 2x Note 5

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