Kauczinski im tz-Interview

KSC-Coach: "So richtig hungrig!"

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KSC-Coach Martin Kauczinski ist seit 2001 im Verein.

München - Sieben Spiele ungeschlagen, Tabellenplatz drei – der Karlsruher SC kommt mit breitestmöglicher Brust in die Arena. Die tz sprach mit Trainer Markus Kauczinski.

Hallo, Herr Kauczinski, alles wieder fit?

Kauczinski: Danke, es geht. Ich hatte eine Mandelentzündung, aber mit Antibiotika hab ich’s wieder im Griff. Ich hab kein Training verpasst.

Wenn man über Sie recherchiert, stößt man praktisch nur auf Lob und Anerkennung: geradliniger Typ, ehrliche Haut, bodenständig, stets positiv. Haben Sie auch schon mal was Negatives über sich lesen müssen?

Kauczinski: Nicht wirklich. Aber damit beschäftige ich mich auch nicht großartig. Ich kann hier beim KSC so sein, wie ich bin, das ist mir wichtig. In der Kabine bin ich sehr emotional und ich habe auch noch andere Facetten. Aber meine schlechten Eigenschaften werde ich Ihnen jetzt nicht verraten…

Sie sind seit 2001 im Verein, haben fünf Präsidenten und acht Trainer beim KSC erlebt. Von wem haben Sie sich am meisten abschauen können?

Kauczinski: Klingt langweilig, aber von allen ein bisschen. Prägend waren sicher die Jahre mit Ede Becker und Rolf Dohmen, da herrschte Kontinuität.

Die gab’s zuvor unter Winnie Schäfer. Eine Leitfigur für Sie?

Kauczinski: Nein, das war eine lange, erfolgreiche Zeit beim KSC, aber da gibt’s keine Parallelen und Berührungspunkte.

Das unter Schäfer ausgerufene Modell „KSC 2000“ endete in eben jenem Jahr in der Drittklassigkeit. Werden die Pläne nach dem Entscheid für den Stadion-Neubau jetzt wieder aus der Schublade geholt?

Kauczinski: Nein, sicher nicht (lacht). Das Stadion soll 2019 fertig sein, da bräuchte ich eine Glaskugel, um sagen zu können, was bis dahin ist. Wir leben von einem Etat im unteren Drittel der Liga und haben das Ziel, nicht jedes Jahr zittern zu müssen. Im letzten Jahr hat das gut geklappt, auch dieses Jahr fahren wir mit dieser Politik der kleinen Schritte gut. Wir haben eine Mannschaft, mit der man sich identifizieren kann, eine gute Mischung aus alt und jung. Finanziell werden keine großen Sprünge drin sein.

Haben das die Fans begriffen, Stichwort Traditionsklub?

Kauczinski: So halb-halb. In den letzten Jahren ist mit dem Ab- und Wiederaufstieg schon ein Stück mehr Realismus reingekommen, aber natürlich träumen die Fans von mehr, wenn du ein paar Mal gewinnst. Das ist ja auch nichts Schlimmes. Tradition heißt für mich, dass statt 4000 Zuschauern 13- bis 18­ 000 kommen, dass die Mannschaft im Idealfall beflügelt wird. Aber man muss sich auch klar darüber sein: Das Geld der Vergangenheit ist weg. Und die Spieler von damals auch.

Womit wir bei 1860 wären. Was kommt Ihnen beim Schlagwort Sechzig in den Sinn?

Kauczinski: Na zuallererst das Lied! (singt lauthals) 57, 58, 59, SECHZIG! Haha! Dazu die starke Jugendarbeit, das tolle Publikum. Und leider auch sehr wechselhafte Leistungen. Die Mannschaft ist gut, aber noch nicht ganz ausgegoren.

Milde formuliert. Den Verantwortlichen bei 1860 gehen langsam die Argumente aus.

Kauczinski: Ich schätze Markus von Ahlen als Fachmann und sympathischen Kollegen. Es ist keine leichte Situation, die Erwartungshaltung wurde hochgeschraubt, jetzt hängst du unten drin und hast wenig Zeit, die Dinge zu ordnen.

Torwart Ortega monierte fehlenden Biss im Abstiegskampf.

Kauczinski: Das ist eher ein Ausdruck der Ratlosigkeit. Ich habe mir die letzten Spiele angeschaut und hatte nicht den Eindruck, dass die Mannschaft zu wenig kämpft. Ich hatte hier beim KSC auch schwierige Situationen. Grundsätzlich ist es so, dass du ein Fundament, eine sichere Defensive brauchst, das ist bei uns immer noch die Basis, damit uns vorne ein Tor reicht.

Wie beim 1:0 gegen Braunschweig. Jetzt geht’s zu 1860, das viermal in Folge zu Hause verloren hat. Nimmt Ihr Team das womöglich zu leicht?

Kauczinski: Überhaupt nicht! Wir sind super gestartet und haben dann dreimal auf die Fresse bekommen, das hat uns die Augen geöffnet. Jetzt sind die Jungs gerade so richtig hungrig.

Das wird die Löwen-Fans nicht gerade ermutigen…

Kauczinski: (lacht) Hör’n Sie auf. Ich rechne damit, dass 1860 dagegenhalten wird, dass wir richtig was zu tun bekommen.

Können Sie sich vorstellen, dass es für 60 mit dieser Mannschaft am Ende nicht reichen wird, die Klasse zu halten?

Kauczinski: Grundsätzlich ist in dieser engen Liga niemand davor gefeit, abzusteigen. Wenn kein Stamm da ist, wenn sich die Spieler nicht identifizieren mit dem Verein, dann kannst du auch mit guter Qualität durchfallen. Ich habe das Ruder hier 2012 auch nicht mehr herumreißen können, und wenn Sie mich nach einem Patentrezept fragen: Es gibt keins. 60 wünsche ich nach dem Spiel alles Gute, ich hoffe, dass sie schnell da unten rauskommen, weil ich den Verein wirklich mag.

Interview: tz

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