Mit kühlem Kopf, aber ohne Stahl

Möhlmann: Darum reisen die Löwen knapper beim FCK an

München – 1860-Trainer Benno Möhlmann will jetzt auch auswärts endlich was reißen und künftig sogar auf die Kabinen-Temperatur achten. Er hat eine Theorie.

Draußen ging ein ungemütlich kalter Regen auf den abfahrbereiten Mannschaftsbus nieder, drinnen im Pressestüberl des TSV 1860 kam die Sprache auf das genaue Gegenteil von winterlichem Schmuddelwetter: auf gut geheizte Kabinen, auf Raumtemperaturen im Bereich von Infrarotkammern – so wie zuletzt beim Auswärtsspiel in Berlin.

Es gibt eine neue Theorie für den verschlafenen Start bei der 0:3-Pleite von vor zwei Wochen. Benno Möhlmann äußerte sie vor der Abreise zum nächsten schweren Auswärtsspiel, am Dienstag Abend beim 1. FC Kaiserslautern (wir berichten im Live-Ticker). „Ein Punkt ist, dass wir etwas knapper anreisen werden“, kündigte der Trainer an: „Damit wir nicht so viel Zeit in der warmen Kabine verbringen müssen, in der wir nicht viel machen können.“ Außer Spannung abzubauen. Der süße Heimsieg gegen Düsseldorf (3:2) wärmte zwar auch gestern noch die Löwen-Seele, doch ein wesentlicher Makel in der Saisonstatistik ist Möhlmann nicht entgangen. In der Auswärtsbilanz stehen für 1860 bislang zu Buche: Sechs Niederlagen, fünf Unentschieden – null Siege.

Eine nachträgliche Analyse des 0:3 bei Union Berlin hat ergeben, dass die Löwen auch in der Fremde ihre gewohnten Abläufe überdenken müssen. Möhlmann: „Ich denke nicht, dass es die optimale Vorbereitung ist, wenn man vor dem Spiel 20 Minuten in einer mollig warmen Kabine rumsitzt.“ Aber, sagte der Ex-Profi und schmunzelte beim Gedanken an die listigen Berliner: „Das haben wir früher in Bremen auch immer gemacht, dass wir die Gegner-Kabine kräftig aufgeheizt haben.“ Künftig will Möhlmann auch auf solche Details achten – ebenso überlegt er, ob es sinnvoll ist, dass sich einige Spieler mit „einer Dreiviertelstunde Powermusik“ auf wichtige Spiele einstimmen: „Das ist dann vielleicht schon wieder zu anstrengend.“

Jetzt, da die Löwen einen wesentlichen Schritt in der Tabelle gemacht (von Platz 17 auf 16) und die Hoffnung auf den Klassenerhalt wiederbelebt haben, will Möhlmann Rückschläge durch Fahrlässigkeit vermeiden – und die kleine Erfolgsserie (vier Punkte aus zwei Spielen) auch beim wankelmütigen FCK ausbauen. „Für uns gilt es jetzt, die gezeigten Grundtugenden erneut auf den Platz zu bringen“, predigte er und präzisierte: „Läuferisch, kämpferisch und auch vom Zusammenhalt her dürfen wir nicht nachlassen.“ Die Erkenntnis, die er aus dem Düsseldorf-Spiel mitnimmt: „Wir wissen wieder, dass wir Tore schießen können, dass wir Spiele gewinnen können. Wir trauen uns auch zu, am Betzenberg zu bestehen – und dort etwas mitzunehmen.“

Kleiner Rückschlag auf dem Weg zu alter Stärke: Dominik Stahl fällt mit einer Achillessehnenreizung aus.

Personell jedoch läuft weiterhin „nicht alles optimal“, wie der Trainer mit betrübter Miene feststellte. Zu Möhlmanns Leidwesen muss er das Team, das sich gerade zu finden scheint, an entscheidender Stelle umbauen. Abräumer Dominik Stahl, von Sportchef Oliver Kreuzer zuletzt mit einem Sonderlob bedacht („Souverän, geistesgegenwärtig“), fällt mindestens für das Spiel am Dienstag, vielleicht auch für das am Freitag gegen Sandhausen aus. Eine Reizung der Achillessehne macht dem Urlöwen zu schaffen. „Er ist damit schon ins letzte Spiel reingegangen, ist dann angespritzt worden, aber jetzt ist es schlimmer geworden“, berichtete Möhlmann. Er bedauert den Ausfall sehr, denn zusammen mit Kai Bülow bildete Stahl zuletzt eine zweikampf- und kopfballstarke Defensivachse. „Speziell für die Zentrale passen sie gut zusammen. Zwar hat nach ihren langen Verletzungen noch nicht alles zu hundert Prozent geklappt, aber sie haben das vernünftig gemacht. Beide waren, nein, beide sind auf einem guten Weg.“ Darum hofft Möhlmann, „dass das mit dem Domi jetzt keine langwierige Geschichte wird“.

Nicht nur wegen Stahls Ausfall denkt Möhlmann daran, das siegreiche Team leicht umzubauen. Mit Rücksicht auf die Englische Woche seien weitere Umstellungen nicht auszuschließen, mit Blick auf die Festung Betzenberg auch der Verzicht auf einen der beiden Stürmer. Erster Kandidat für die Stahl-Position ist Milos Degenek, der Solo-Sechser der Hinrunde. Kandidat für einen Außenposten im 4-2-3-1-System ist Valdet Rama, der als Joker am Samstag einigen frischen Wind brachte. Auch Nico Karger darf sich Hoffnungen machen. Der Torjäger aus der U21 unterschrieb zu Wochenbeginn seinen ersten, bis 2019 gültigen Profivertrag.

Möhlmann wollte die Busreise nach Kaiserslautern dazu nutzen, sich tiefergehende Gedanken über Aufstellung und Taktikfragen zu machen. Mit viereinhalb Stunden Fahrt kalkulierte er – und mit Sicherheit wies er den Busfahrer an, die Heizung ein paar Grad kälter zu stellen. Damit auch der Trainer einen kühlen Kopf bewahrt.

Rubriklistenbild: © MIS

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