Kurz: Jetzt dauert’s nicht mehr lang… Es geht nur noch um den Nach ...

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Der originellste Kommentar kam von einem Kiebitz: „Ich find’s ja gut, dass überall die Kurzarbeit eingeführt wird, aber bei Sechzig gehört sie dringendst abgeschafft!“

Großes Gelächter – und dann, es war 10.17 Uhr, kam er auch schon die Treppe vom Kabinentrakt herauf: Marco Kurz. Vorbei an einem Fan-Transparent („Danke für gestern“) marschierte der Löwen-Trainer zum Kunstrasenplatz, um die obligatorische Auslauf-Einheit zu überwachen. Im dritten Stock der 1860-Geschäftsstelle diskutierten Geschäftsführer Manfred Stoffers und Sportdirektor Miroslav Stevic derweil über den Weg aus der sportlichen Dauermisere, der aller Voraussicht nach ohne Kurz angegangen wird. „Ich habe am Sonntag nach dem Spiel einen dramatischen Kotzreiz bekämpft, jetzt kümmern wir uns um den Rest“, hatte Stoffers schon um kurz vor zehn Uhr bei seiner Ankunft am Trainingsgelände erzählt. Nach der Vormittagseinheit – Kurz war bereits mit Koffer und Laptop nach Hamburg zur Spielbeobachtung St. Pauli gegen Lautern aufgebrochen – verkündete Stoffers dann Folgendes:

„Heute wird’s keine Mitteilung mehr geben. Bei mir daheim im Rheinland heißt es: Am Rosenmontag trifft man keine Entscheidungen, da wirft man Konfetti. Nein, im Ernst: Wir lassen uns auf keinen Termin festlegen.“ „Solche Entscheidungen sind nicht dazu geeignet, um in einem Anflug von Emotion getroffen zu werden.“ „Zukunft ist kein Sekundenphänomen, alles muss wohl bedacht sein, sportlich und finanziell – mit allen Optionen.“ „Prognosen (ob Kurz am Sonntag noch auf der Bank sitzen wird, d. Red.) gebe ich nicht ab. Ich kann nur sagen, dass ich ein paar Meter entfernt von der Bank sitzen werde.“

Dass Kurz eine Viertelstunde zuvor den freien Dienstag gestrichen und für 15 Uhr ein Training angesetzt hatte, kommentierte Stoffers kühl: „Die Geschäftsführung begrüßt das. Jede Ausnutzung von Arbeitskraft ist positiv.“ Der Fall ist also klar: Die Kurz-Arbeit wird in Kürze zu Ende gehen – wenn der passende Nachfolger gefunden ist (siehe nächste Seite). „Die Woche fängt ja erst an“, bemerkte Miki Stevic schon am Vormittag vielsagend. Das Vertrauen in Kurz hat sich nach dem 1:4 in Duisburg entgültig verflüchtigt. Der wehrlose Auftritt in der MSV-Arena erinnerte fatal an die zweite Halbzeit beim 0:2 gegen Freiburg. „Das war ein Rückfall“, meinte Torwart Philipp Tschauner, „es hat bei uns an den Grundtugenden gefehlt. Laufbereitschaft, Aggressivität…“ Von Trendwende, Chili-Fußball oder ähnlichen Träumereien war nichts, aber auch gar nichts zu sehen. „Duisburg hat uns den Schneid abgekauft“, sagte Kurz. „Ich stehe im Fokus. Ich bin verantwortlich für die Mannschaft. Insofern ist die Kritik an meiner Person nichts Ungewöhnliches.“ Und schon gar nichts Ungerechtfertigtes: In 63 Punktspielen unter Kurz gab’s 20 Siege, 20 Unentschieden und 23 Niederlagen. 68 Prozent ihrer Spiele haben die Löwen unter Kurz also nicht gewonnen. Letzte Frage am Montag: Erreichen Sie die Mannschaft noch, Herr Kurz? „Ja, ich denke schon.Klar.“

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