Der DFB darf sich melden!

Junglöwe Leon Klassen über Wiesn, Borschtsch & seine Zukunft

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Leo Klassen (19) im Interview mit Reporter Uli Kellner. Der Durchstarter ist bei den Löwen kaum noch wegzudenken. 

Er ist einer der Aufsteiger in dieser noch jungen Drittliga-Spielzeit: Leon Klassen (19). In unserem Interview spricht der Löwe über Köln, seinen Vertrag und Russland.

Er ist einer der Aufsteiger in dieser noch jungen Drittliga-Spielzeit: Leon Klassen (19) der im Rheinland geborene U-Nationalspieler Russlands. 2017 vom 1. FC Köln gekommen, hat Klassen die U 19 schnell hinter sich gelassen, um im Eiltempo bei den Profis Fuß zu fassen. Als Einwechselspieler im Heimspiel gegen Zwickau gelang Klassen das Kunststück, mit seiner ersten Ballberührung das 3:0 vorzubereiten, bei den jüngsten Siegen stand er jeweils 90 Minuten auf dem Platz – und erzielte in Chemnitz sogar den Siegtreffer. Wir trafen den Junglöwen zum Interview. 

Leon Klassen, kaum haben Sie die ersten Drittligaeinsätze in den Beinen, laufen in den Fanforen die ersten Wetten, dass Ihr Weg Sie in die 1. Liga führen wird. Da werden Sie kaum widersprechen, oder?
Klassen: Natürlich ist es mein Ziel, so hoch wie möglich zu spielen, am liebsten natürlich Bundesliga. Erst mal muss ich aber schauen, dass ich mich bei 1860 durchsetze. 
Im Gegensatz zu so vielen Löwen-Talenten sind Sie ja kein sogenanntes Eigengewächs, sondern 2017 aus Köln gekommen. Verraten Sie uns, welcher 1860-Scout sich in die rheinischen Nachwuchsligen verirrt hat? Klassen (lacht): Das war gar nicht nötig, denn wir haben uns selbstständig umgeschaut. Ich war unzufrieden bei der Kölner U 17, hatte wenig Spielzeit und hab für die U 19 einen neuen Verein gesucht. So kam der Kontakt zu Wolfgang Schellenberg zustande (damals NLZ-Chef, jetzt Trainer in Burghausen, d. Red.). Ich war hier zum Probetraining – und dann ging alles ganz schnell.
Wieso ist Ihre Wahl ausgerechnet auf 1860 gefallen? Musste es wieder ein Traditionsverein sein?
Klassen: Wir haben mehrere Vereine abgeklappert – Sechzig war einer davon. Damals haben Sie ja noch A-Junioren-Bundesliga gespielt, das war mein eigentliches Ziel. 
Fiel es Ihnen nicht schwer, mit 17 die Familie zu verlassen und in den Süden Deutschlands zu ziehen? Klassen: Klar war es eine Umstellung, so weit weg zu sein, aber ich hab mich recht schnell daran gewöhnt. Auch meine Eltern standen da voll hinter mir.
Ihr Vater ist Russe, Ihre Mutter Halbrussin, Sie selber sind in Bad Neuenahr geboren. Was ist typisch deutsch an Ihnen und wo schlagen die russischen Wurzeln durch?
Klassen: Dadurch, dass ich in Deutschland aufgewachsen sind, hab ich schon eher eine deutsche Mentalität. Die russische Seite kommt eher daheim zum Tragen. Mein Papa stammt aus Kasachstan, meine Mutter aus Novosibirsk. Wir essen oft russisch, reden ab und zu russisch, wobei ich es nicht perfekt kann. Ich verstehe alles und kann mich so einigermaßen verständigen.
Was kommt denn so auf den Tisch bei Familie Klassen? 
Klassen: Pelmeni, das ist Hackfleisch im Teigmantel, aber auch Gulaschsuppe und Borschtsch.
Sportlich scheinen Sie ja auch eher Richtung Russland zu tendieren. In Ihrer Vita finden sich Einsätze für die russische U 17, U 18 und U 19.
Klassen: Das liegt daran, dass ich halt zuerst eine Einladung vom russischen Verband bekommen habe. Wenn ich eine Einladung vom DFB hätte, würde ich’s mir auf jeden Fall überlegen. Der DFB darf sich gerne melden. Wegen der sportlichen Perspektive – und weil ich hier aufgewachsen bin.
Die Interessenten hießen Rubin Kasan, FK Rostow und Zenit St. Petersburg. Zu welchem Verein hätten Sie tendiert?
Klassen: Eher zu den Erstgenannten, denn bei St. Petersburg wäre ich erst mal nur für die zweite Mannschaft vorgesehen gewesen. Am Ende war es die Entscheidung von mir, dass ich hierbleiben wollte – und ich bin froh darüber.
Ihr Vertrag bei 1860 läuft bis 2020 und kann sich per Option bis 2021 verlängern. Bierofka und Gorenzel wollen Sie unbedingt über die Saison hinaus halten. Was wollen Sie?
Klassen: Ich fühle mich sehr wohl hier – im Verein, in der Stadt und sportlich sowieso. Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, länger hier zu spielen. Morgen beginnt in München das Oktoberfest. Sie haben es ja schon letztes Jahr kennen gelernt.
Was macht mehr Spaß: Kölner Karneval oder Wiesn?
Klassen: Den Karneval finde ihn schon ein bisschen cooler (grinst).
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Lesen Sie auch: Neue Hose, alte Heimat – Löwen-Neuzugang Tim Rieder erweist sich als 1860-Glücksgriff.
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