Sechste 1860-Niederlage in Folge

Irritierendes Foto auf Homepage: Liebe Löwen, geht's noch?

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Die Löwen kassieren bei Union Berlin die nächste Pleite.

München - Nach sechs Niederlagen in Folge ist der direkte Klassenerhalt für den TSV 1860 nur noch Utopie. Langsam gehen die Hoffnungs-Strohhalme aus.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Löwen-Fan, waren tagsüber in den Bergen, wissen von nichts und wollen sich am Abend erkundigen, wie ihr Verein bei Union Berlin abgeschnitten hat. Ein Klick auf die Homepage des TSV 1860 und Ihnen springt als Erstes ein tolles Bild von Torhüter Stefan Ortega entgegen, mit der fetten Überschrift: „Super Parade, Tego!“ Der erste Impuls: Passt. Ist wohl gutgegangen, da oben in Berlin. Sekunden später die Enttäuschung: 0:3! Sechste Pflichtspielniederlage in Folge, vierte Pleite im vierten Rückrundenspiel, weiterhin auf Abstiegsplatz 17. Alarmierend hoch drei. Aber die Macher der Löwen-Homepage feiern erst mal den Super-Tego.

Sagt mal, geht’s eigentlich noch?

Und dabei dürfen sich nicht nur die Heile-Welt-Bastler von der Online-Fraktion angesprochen fühlen. Wobei das „geht’s noch?“ sich nicht zuletzt auch darauf bezieht, ob die Löwen tatsächlich noch eine reelle Chance haben, die Klasse zu halten.

Noch hängen sie am Tropf des SC Paderborn, der als Drittletzter auch nicht vom Fleck kommt. Die Relegation ist also durchaus noch im Bereich des Möglichen. Das Erreichen von Platz 15, der den sicheren Klassenerhalt bedeuten würde, ist angesichts von nun neun Punkten Rückstand nur noch Utopie.

Zu so einem Vorhaben gehören ja auch Glaube und Überzeugung, etwas, das den Löwen völlig abgeht. Trainer Benno Möhlmann schilderte seine Eindrücke von der gestrigen Mannschaftssitzung, in der das 0:3 bei Union aufgearbeitet wurde so: „Eigentlich weiß jeder, worum es geht. Aber wenn ich die Spieler frage, warum so was wie in Berlin passiert, dann zucken alle nur mit den Schultern.“

Sechs Niederlagen in Folge hat Möhlmann jetzt auf dem Buckel, und natürlich nervt es ihn, nach jeder Pleite Stellung beziehen zu müssen („Wie heißt der Film, der mit dem Murmeltier?“), aber noch schließt er ein glückliches Ende dieser Saison nicht aus: „So scheiße haben wir jetzt auch nicht gespielt, dass wir schon aufgeben müssten. Und alles niederzumachen, diese Situation sehe ich auch nicht.“

Dass die Fans die Spieler beschimpft und verspottet haben (das übliche Transparent „Adios 2. Liga Tour“ hing auch in der Alten Försterei am Zaun), gesteht Möhlmann ihnen zu: „Ich verstehe sie, wenn man bedenkt, was sie in den letzten Wochen und Monaten, ja sogar Jahren hinnehmen mussten.“

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Womit wir beim Kernpunkt wären für die Löwen-Misere: Es handelt sich um einen schleichenden Prozess, da in der Vergangenheit unfähige Personen in der Vereinsführung unfähige Leute engagiert haben, die dann wieder entlassen wurden oder selbst hinschmissen – und durch unfähige Leute ersetzt wurden. Sage keiner, dass das auf die Entwicklung des sportlichen Kerngeschäfts keinen Einfluss habe.

Werner Lorant, unter dem die Löwen in den Neunzigerjahren eine nie für möglich gehaltene Renaissance erlebt haben, sprach vor anderthalb Wochen beim sogenannten „Grantlerabend“ genau dieses Thema an: „Wie viele Trainer sind nach mir gekommen? 15, 16? Will vielleicht irgendjemand behaupten, dass da lauter Blinde dabei waren. Mit Sicherheit nicht. Dieser Verein hat seit Jahren keine vernünftige Führung. Und dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass man jetzt da steht, wo man steht.“

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