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Lienen fordert Reserverunde für Schäffler

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München - Löwen-Stürmer Manuel Schäffler will nur Spielen! Bei 1860 kommt er kaum zum Zug. Ausleihen will ihn der Verein aber zur Zeit auch nicht. Trainer Lienen fordert nun eine Reserverunde.

Manuel Schäffler muss sich derzeit vorkommen wie ein Papagei. Täglich hört er die gleichen Fragen, täglich gibt er die gleiche Antwort. „Weißt du was, Manu?“ – „Nein, noch nichts.“

So geht das seit Wochen. So lange, wie nun schon klar ist, dass nichts klar ist. Zumindest nichts, das der junge Stürmer beeinflussen könnte. Schäfflers Problem: Er hat beim TSV 1860 einen längerfristigen Vertrag unterschrieben (bis 2012), kommt aber nicht regelmäßig zum Einsatz – weder in der ersten Mannschaft, in der Trainer Ewald Lienen auf andere Stürmer setzt (Lauth und Rösler oder Mlapa).

Noch in der zweiten Mannschaft, deren Spiele er meistens verpasst, weil er in der 2. Liga auf der Bank sitzt. Um Matchpraxis zu sammeln, soll der 20-Jährige nun bis Sommer ausgeliehen werden.

Das geht aber erst, wenn klar ist, ob den Löwen Kenny Cooper zur Verfügung steht, der eine Knie-OP hatte und erst seit kurzem zurück in München ist (angeblich fit). Und wenn klar ist, ob 1860 noch einen Stürmer dazuholt.

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Die Bosse lassen sich Zeit mit ihrer Entscheidung. Jede Geldausgabe will gut überlegt sein. Und noch hat das Transferfenster ja geöffnet. Zumindest bis Montag, 12 Uhr. Was Schäffler von dieser Hängepartie hält, behält er für sich.

Seine Antworten klingen aber zunehmend genervt – und fatalistisch. Hatte er bis vor kurzem noch klare Präferenzen, als er nach Aachen drängte (aber nicht durfte), sagt er inzwischen: „Mir egal, wo ich hingehe. Hauptsache ich spiele.“

Und wenn es der FC Ingolstadt ist, der ihn wie die meisten Drittligist mit der Sänfte abholen würde – so einen guten Ruf genießt der Stürmer in der Branche. Auch Lienen hält einiges von Schäffler, das ist nicht das Problem.

Das Problem ist, dass die Liga, die für einen wie ihn geeignet wäre, nicht existiert. So sieht es zumindest Lienen, der sich gestern in Rage redete, als es um Pendler zwischen dem Amateur- und dem Profifußball ging.

Um Spieler, die zu gut sind für unten, aber noch nicht reif genug für oben. Um Talente wie Schäffler eben. Lienen findet, dass DFB und DFL das Spielsystem auf den Prüfstand stellen sollten. Er fordert, eigentlich ein Klassiker: eine eigene Liga für Reserveteams. Ein Blick auf seine Ersatzbank macht deutlich, warum er das sagt. Zuletzt nahmen dort Platz: Uzoma, Kaiser, Schäffler, Leist, Marcos Antonio, Biancucchi.

Drei 20-Jährige, drei 21-Jährige. Das ist keine Seltenheit und führt zu Konflikten, weil die Talente dadurch oft für die U 23 blockiert sind, die meistens freitags spielt. Die Reserverunde, die sich Lienen vorstellt, fände immer erst nach den Spielen der ersten Mannschaft statt. Völlig „lächerlich“ findet der Coach auch die Regelung, dass in der Regionalliga, in der 1860 II mitmischt, keine Nicht-EU-Spieler eingesetzt werden dürfen.

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Emanuel Biancucchi, der vergeblich auf seine italienischen Wurzeln gesetzt hatte, sei dadurch um eineinhalb Jahre seiner Karriere gebracht worden. „Da konnte er beim Ausländeramt die Rezeption umdribbeln, um auf eine Spielgenehmigung zu warten“, ätzt Lienen. Beim Rumänen Cristian Valentin Muscalu liege der Fall ähnlich. Lienen hätte den jungen Trainingsgast gerne verpflichtet, doch er kann ihm keine Einsätze garantieren und „will ihn in seiner Weiterentwicklung nicht behindern“.

Das Gleiche gilt für Schäffler. Lienen will den Fürstenfeldbrucker „nicht auf Teufel komm raus“ abgeben, sondern, um ihn nach vorne zu bringen. „Jedes Spiel, das ein junger Spieler bestreitet, macht ihn besser“, weiß er. Daher hofft Lienen, dass nun endlich Bewegung ins Stürmer-Domino kommt.

Seine Idealvorstellung sähe so aus: Schäffler für die Rückrunde in die 3. Liga, Cooper möglicherweise ausleihen (Klubs aus England sind interessiert) und einen Stürmer dazuholen, „der mindestens so gut ist wie Manu, aber mehr Erfahrung hat“.

Ob das alles so hinhaut, ist aber fraglich, weil Finanzchef Manfred Stoffers das Geld zusammenhält wie Dagobert Duck. „Er kennt unsere Sichtweise“, spricht Lienen für sich und Sportchef Stevic, „aber seine Tür ist verrammelt.

Ich bin schon mehrmals mit der Schulter dagegen gerannt. Wahrscheinlich steht der Safe auf der anderen Seite.“ Oder Schäffler, der eigentlich am liebsten bleiben würde.

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