Zur Lage in der 3. Liga

Spätes Glück für zwei Aufstiegsrivalen - Schwarzes Wochenende für 1860

Ingolstadts Torhüter Buntic bejubelt seinen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit gegen Viktoria Köln.
+
Wahnsinn im Audi-Sportpark: Torhüter Buntic stürmt in der Schlussphase mit, versenkt einen Abpraller volley und bringt Ingolstadt in der 93. Minute auf die Siegerstraße.

Erster Corona-Fall, erste Spielabsage - und zwei Aufstiegsrivalen mit unwirklichem Last-Minute-Glück. Aus Sicht des TSV 1860 hätte die zurückliegende Woche kaum schlechter laufen können.

  • Irre Nachspielzeit in Ingolstadt mit einem Tor von Torwart Buntic.
  • Auch Rostock dreht in der populär gewordenen Minute 90.+4 das Spiel gegen Verl.
  • 1860 am Samstag gegen den FC Hansa gefordert: Kehrt das Glück nach Giesing zurück?

Das Momentum ist ein bislang wenig erforschter Bereich der Glückswissenschaft. Landläufig bekannt ist das Phänomen „Gustav Gans“ (unverschämt viel Glück) – und das gegenteilige Phänomen „Donald Duck“ (alles geht schief, immer). Die rudimentär vorliegenden Erkenntnisse lassen sich im folgenden, vermeintlich simplen Satz bündeln: „Wenn’s läuft, dann läuft’s…“

In der 3. Liga gibt es dazu zwei aktuelle Beispiele, die einen denkwürdigen 23. Spieltag prägten. Los ging’s am Freitagabend im Rostocker Ostseestadion, wo die Gastgeber zur Pause mit 0:2 gegen Verl hinten lagen, sich dann aber an ihren guten Lauf erinnerten (vier Siege in Folge), zügig den Ausgleich schafften, um in der vierten Minute (!) der Nachspielzeit mit dem 3:2-Siegtor zuzuschlagen. Das Hansa-Momentum spricht dafür, dass der gute Lauf geradewegs in die 2. Bundesliga führen könnte.

Nicht zu toppen, diese mecklenburgische Siegermentalität? Von wegen! Noch extremer hat sich das Glück tags drauf auf die Seite des FC Ingolstadt geschlagen, der bis zur 93. Minute mit 0:1 gegen Viktoria Köln hinten lag und dann auf höchst spektakuläre Weise die Wende erzwang: Sturmlauf mit Mann und Maus, Ausgleich durch Torhüter Fabijan Buntic, doch damit nicht genug. Caniggia Elva setzte noch einen drauf und traf in der populär gewordenen Minute 90.+4 zum 2:1-Siegtreffer. Nun weiß man ja, dass Tomas Oral um keine schräge Idee verlegen ist (Stichwort Waschanlage), und allmählich wird klar, warum der FCI-Coach nicht bereit ist, Einblicke in seine Psycho-Trickkiste zu gewähren. Angesprochen auf sein Arsenal an motivatorischen Maßnahmen, sagte er vor dem Gastspiel bei 1860: „Die Waschanlagen-Nummer ist ja nur durch Zufall an die Presse gelangt. Und genauso wie damals behalten wir auch diesmal die Dinge im Kämmerchen, die wir anwenden.“

Apropos Löwen. Auch die haben ihre Fans ja bis Ende Januar mit einer Erfolgssträhne verwöhnt. 17 von 21 möglichen Punkten gab’s in den sieben Spielen seit Mitte Dezember, doch dann: Furiose erste Halbzeit gegen Zwickau, die sich nach der Pause ins Gegenteil verkehrte. Plötzlich machten die Sachsen das Spiel – und auch das Tor. Die Folge: Glückssträhne gerissen. Kurz darauf der erste Corona-Fall, die erste Spielabsage – und Ergebnisse der Konkurrenz, die Trainer Michael Köllner nicht gefallen dürften: Nicht nur Ingolstadt und Rostock haben ja ihre Spiele gewonnen, auch Dresden fand in Magdeburg spät in die Erfolgsspur zurück: 1:0 durch Mörschel in der 74. Minute.

Bedauerlicherweise ist auch das Gegenteil des Momentums weitgehend unerforscht. Es gibt nicht mal ein Wort dafür, nur ein Zitat von Andy Brehme, das das Phänomen zumindest griffig beschreibt: „Haste Sch . . . am Fuß, haste Sch . . . am Fuß.“ Kleiner Trost für 1860: Am Samstag geht es gegen die Glücksritter aus Rostock. Eine gute Gelegenheit, das mysteriöse Momentum zurück nach Giesing zu zwingen.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare