Der Ski-Star über Sechzig und Co.

Löwe Linus ist Weltspitze

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Slalom-Ass Linus Strasser startet für 1860, „Müchens ­große Liebe“ 

München - Ja, Linus Strasser schaut hin und wieder auch Spiele des FC Bayern, aber tief in sein Skifahrerherz haben es nur die Löwen geschafft. Und deshalb hat er sich mit der tz auch auf dem Gelände des TSV 1860, unter dessen Flagge er im Weltcup fährt, getroffen.

„Ich bin der Einzige, bei dem bei Fahrervorstellungen und Siegerehrungen immer der Verein dazugesagt wird“, schmunzelt der 23-Jährige, der am Wochenende in Val d’Isere startet. Das FCB-Detail behält er im Löwenstüberl lieber für sich, auch wenn Wirtin Christl Estermann gerade nicht da ist. Dafür erzählt er sein Leben in 14 Punkten – genauso viele Zähler haben die Löwen auf dem Konto, und genau so viele Starts hat Strasser bisher im Weltcup. Und das sagt Linus über…

die Anfänge: Als ich zwei Jahre alt war, bin ich um sechs Uhr in der Früh in kompletter Skimontur und Ski ins Schlafzimmer meiner Eltern und habe gefragt, wann wir endlich Skifahren gehen. Unsere Familie (Schwestern 26 und 16, Bruder 24, d. Red.) ist am Wochenende immer nach Kitzbühel, wir hatten dort eine Ferienwohnung, das war für mich das Größte.

den ersten Skiclub mit sechs Jahren: Mein Vater hat gesehen, dass ich Skifahren kann und ist zum Kitzbühler Skiclub (KSC) gegangen. Dort war Mario (Weinhandl, d. Red.) Trainer. Wir standen an einem kleinen Schlepper, unten am Rasmussleiten, und ich sollte vorfahren. Mario hatte das Thema im Hinterkopf schon abgehakt, er dachte: Wieder ein Münchner, der daherkommt und meint, sein Sohn müsste unbedingt einen Rennanzug anziehen. Nach meinen ersten Schwüngen hat sich Mario nur zu meinem Vater umgedreht und gesagt: Den nehme ich. Dann ist er ins Auto eingestiegen und wieder heimgefahren.

seine Löwen: Es ist wichtig, dass im Skiteam jemand als Blauer die Fahnen hochhält. Der Felix ist bekanntlich ein Roter, da wär es schon schön, wenn die Löwen wieder Erfolg hätten. Ich würde es ihnen wirklich gönnen, dass sie sich jetzt mal stabilisieren und irgendwann auch wieder angreifen können. Lieber lande ich im Gesamtweltcup ein, zwei Plätze weiter hinten und die 60er schaffen dafür die Top 15.

erste Streckenbesichtigungen: Als Siebenjähriger habe ich alleine Strecken besichtigt und nicht mehr in der Gruppe. Ich hatte früh meine eigene Vorstellung, wie ich gewisse Stellen fahren will. Ein Trainer kann mir nie genau erzählen, wie ich da hinkomme.

den Wechsel nach Deutschland mit neun Jahren: Bis dahin bin ich in Tirol die Landescups gefahren. Mit neun habe ich einen deutschen Skiklub gebraucht, um in Deutschland Rennen fahren zu können. Starnberg und die Löwen standen zur Auswahl, ich habe das aber nicht so mitbekommen, mein Papa hat das damals geregelt. Aber 1860 ist in München eine coole Adresse, ich fand es schon als Kind toll, für den Verein zu fahren, weil man ihn durch den Fußball kannte.

das Ski-Internat: Die Zeit auf dem Internat in Berchtesgaden war nicht ohne. Mit 22 bist du gern unterwegs, mit 14 ist das Wegsein das Schwierigste, weil die Zeit mit der Familie eingeschränkt ist. Mit 15 oder 16 hatte ich deshalb auch eine Phase, in der ich überlegt habe, es zu lassen. Auch weil ich zu der Zeit körperlich unterlegen war, ich bin mit meinen 50 Kilo gegen teils ausgewachsene Männer gefahren.

Stefan Luitz: In der Jugend, so mit zehn, elf, zwölf Jahren habe ich mir mit Stefan einige gute Duelle geliefert. Außer uns ist aus dieser Zeit eigentlich auch niemand übrig. Stefan ist ein sehr guter Freund, auch heute noch.

Felix Neureuther: Wir haben einen ähnlichen Charakter und sind lockere Typen, die vieles nicht zu ernst nehmen. Mit 15 war Felix als Skifahrer das große Vorbild. Ich schaue ihm auch heute noch gerne zu, er hat eine feine, filigrane aber trotzdem spektakuläre Art zu fahren. Den grünen Helm, den wir jetzt beide nicht mehr fahren, hatte ich aber zuerst!

Zimmerpartner: Das wechselt. Mit Stefan klappt’s gut, weil er recht ordentlich ist. Wenn nicht wenigstens der Zimmerkollege ordentlich ist, wird’s manchmal schwierig, da schaut’s recht aus. Aber ich bin auch gerne mit Felix auf dem Zimmer.

Alpinchef Mathias Berthold: Er hat von Anfang an auf mich gesetzt und mich in der Vorbereitung auf die vergangene Saison ins Sommertrainingslager nach Amerika mitgenommen. Er hatte wohl im Hinterkopf, dass ich vielleicht zur WM mitfahren könnte. Sein Vertrauen hat sich ausgezahlt, ich konnte mich mit einem zehnten Platz dafür bedanken.

Heimathang: Was für Felix der Gudiberg ist, ist für mich der Ganslernhang in Kitzbühel. Der Ganslern, das ist Rock’n’Roll von oben bis unten. Ich bin auf meinem Heimathang noch nicht viele Rennen gefahren, aber viele Tore im Training. Als ich vergangene Saison im Weltcup dort fahren durfte, ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.

Streif: Den Super-G in Kitzbühel würde ich mir schon zutrauen, die Abfahrt ist eine andere Hausnummer. Aber ich kenne den Hang, einfach jeden Winkel, ich müsste nicht besichtigen. Teilabschnitte der Streif bin ich schon gefahren, es würde mich interessieren, wie es wäre, wenn ich sie in einem Schwung runterziehen würde.

Abitur: Ich bin froh, dass ich es gemacht und geschafft habe. Eine vernünftige Ausbildung schadet auch einem Skifahrer nicht, das nimmt einem keiner mehr.

Ziele: Ich bin ein Gefühl- und Instinktskifahrer, und ich spüre, dass ich noch Luft nach oben habe. Mit einer Saison, wie der vergangenes Jahr, wäre ich total zufrieden. Wenn ich noch ein-, zweimal mehr in die Top 15 reinfahren könnte, wäre das super. Ich besitze auch drei Paar Super-G-Ski und würde diese gerne öfter benutzen, weil mir Speed Spaß macht und ich ein Händchen dafür hätte, aber ich habe vergangenes Jahr gemerkt, wie schwer es ist, in zwei Disziplinen vorne mitzufahren. Deshalb konzentriere ich mich erst mal auf Slalom und Riesenslalom. 

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