Löwen sollen sich an Matchwinner orientieren

"Eineinhalb Meter groß?" Benjamin scherzt über Rodri

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Erleichterung pur: Cheftrainer Fröhling und Assistenzcoach Benjamin nach Rodris Ausgleichstor gegen Aalen.

München – Die Abstiegsangst strapaziert die Nerven der Löwen, die sich jetzt an Retter Rodri orientieren sollen.

Exakt 772 Kilometer beträgt die Strecke zwischen der Münchner Arena und dem Osterbekkanal in Hamburg, dem Ziel von Torsten Fröhlings Reise. Und nach den aufwühlenden 90 Minuten zuvor startete der Trainer des TSV 1860 mit einigermaßen gemischten Gefühlen in sein verlängertes Heimatwochenende. Sollte er jetzt glücklich sein über das von Joker Rodri gerettete 1:1 gegen Aalen? Oder enttäuscht, weil sein Team die große Chance verpasst hatte, einen Mitkonkurrenten zu distanzieren? „Working on a dream“ heißt eines der letzten Alben von Bruce Springsteen, dessen Musik in Fröhlings Auto „rauf- und runterläuft“. Arbeiten an einem Traum – wie passend. Der Traum der Löwen, die Liga zu halten, entwickelt sich allerdings zu einem Nervenkrieg. Fröhling sehnte sich danach, „mal den Kopf freizukriegen“, wie er zugab, ehe er sich sieben Stunden lang hinters Steuer setzte. Collin Benjamin, sein in München gebliebener Co-Trainer, sagte mit dem Abstand von einer Nacht: „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass das alles nicht an unseren Nerven zehrt.“

Dabei hatte Fröhling nach dem 3:0 in Fürth berechtigte Hoffnung, die Tage bei seiner Familie in entspannter Stimmung verbringen zu können, mit fünf Punkten Vorsprung auf Aalen. So sind es magere zwei. Und die Suche nach Gründen führt immer wieder dorthin, wo Spiele im Abstiegskampf gerne entschieden werden: in die Köpfe der Spieler. Fröhling sprach von einem „erschreckenden“ Auftritt, zumindest bis zur Pause. „Mit dem ersten Fehlpass sind wir unsicher geworden“, analysierte Christopher Schindler, der Kapitän. Korbinian Vollmann, erneut einer der Besten in einem gehemmten Team, sagte: „Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir nicht mutig genug gespielt, warum auch immer. Das müssen wir abstellen.“ Co-Trainer Benjamin gab offen zu: „Das war das Gegenteil von dem, was wir uns vorgenommen hatten. Am Ende sind wir froh, diesen einen Punkt genommen zu haben.“

Was zu den positiven Aspekten an diesem ersten Tag des kalendarischen Frühlings führt. Die Löwen trotzten erneut etlichen Widerständen: den grippebedingten Ausfällen von Kai Bülow und Gary Kagelmacher, dem Ausscheiden von Torwart Vitus Eicher mit einer Gehirnerschütterung (einer leichten nur, wie der Verein meldete) – und auch dem 0:1 durch VfR-Stürmer Collin Quaner (59.), über das Fröhling sagte: „Das wäre leicht zu verteidigen gewesen. Da haben wir den Laufweg nicht mitgemacht.“ Mit besten Grüßen an Martin Angha, der den zuletzt starken Kagelmacher nicht annähernd ersetzen konnte.

Die verunsicherten Löwen hätten Gründe gehabt, noch mehr zu zaudern. Stattdessen rannten sie plötzlich mit dem Mute der Verzweiflung an – und Stürmer Rodri zeigte in der 75. Minute, dass man seinen Kopf im Abstiegskampf nicht nur zum Grübeln benutzen kann. „Ich weiß nicht, wie groß er ist“, scherzte Benjamin. „Eineinhalb Meter vielleicht? Aber wie er da hochsteigt, um das Tor zu erzielen, das ist für mich purer, absoluter Wille. Das ist eigentlich das, was man in unserer Situation von jedem erwarten müsste. Hoffentlich nimmt er diesen Schwung in die nächsten Spiele mit.“

Ehe es am Ostersonntag mit dem Spiel gegen Aue erneut ernst wird, steht aber erstmal eine Ligapause an, die nach Ansicht von Dominik Stahl „wie gerufen“ kommt. Die Frage, wie denn nun dieses 1:1 zu werten sei, beantwortete der Chefsechser pragmatisch: „Wir haben Aalen auf Distanz gehalten, das war wichtig.“ Fröhling sagte noch, ehe er nach Hamburg düste: „Kein Gegner wird uns Punkte schenken. Jedes Spiel ist schwierig – vor allem, wenn man da unten steht wie wir.“

Uli Kellner

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