Vor dem Spiel gegen Ingolstadt

Löwen gehen stabil ins Derby

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Seit ihrem Sieg beim FC St. Pauli ahnen die Löwen, dass sie sich in dieser Liga vor kaum einem Team zu verstecken brauchen.

München – Die Löwen und Moniz zeigen Lernfortschritte. Gegen Ingolstadt geht die Tendenz erneut zu kontrollierter Offensive.

Auch am Freitag, im Vorfeld des sechsten Zweitliga-Spieltages, fanden auf Seiten der runderneuerten Löwen wieder erfreuliche Lernprozesse statt. Trainer Ricardo Moniz etwa lernte in der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Ingolstadt einen seit Wochen recht gebräuchlichen Begriff. „Wie heißt das: Offene Tür?“, fragte der Niederländer, als es um die geeignete Taktik für das Duell mit Tabellenführer Ingolstadt ging. Gemeint hatte er: Scheunentor. Diesen Begriff hatte Sportchef Gerhard Poschner benutzt, als es nach dem schwachen Saisonstart darum ging, die sehr offensive Taktik des Trainers zu kritisieren. Doch auch Moniz brachte den Zuhörern eine schöne Vokabel bei. Den Begriff: „Physische Überkapazität“. Er benutzte ihn, um zu verdeutlichen, wie stark die deutsche 2. Liga zum Beispiel im Vergleich zur spanischen 2. Liga sei. „Ohne physische Überkapazität hast du keine Chance“, sagte er und meinte: Du musst topfit sein gegen die Heidenheims und St. Paulis dieser Liga, „alles geht so unglaublich schnell hier“.

Schnell kann es bei einem viel beachteten Verein wie dem TSV 1860 auch passieren, dass der Wind sich dreht. Eben noch herrschte massive Krisenstimmung, der Trainer stand auf der Kippe, die Abwehr in der Kritik und die Einkaufspolitik von Poschner warf Zweifel auf. Jetzt, nach dem ersten Sieg unter Moniz (2:1 in St. Pauli), stellt sich alles viel freundlicher dar. Die Löwen haben Anschluss ans Tabellenmittelfeld gefunden, die Defensive schloss am Millerntor die „offene Tür“, und auch die Zahlen lassen sich plötzlich ganz anders interpretieren. „Die Sechzger sind seit vier Pflichtspielen ungeschlagen“, meldete der Klub auf seinem berühmten Statistikblatt, das vor jedem Heimspiel verteilt wird („Faktenkarussell“). Und: „Das Team von Ricardo Moniz punktete auch nach Rückstand.“

"Fußballgott" sieht Moniz zaubern - Bilder vom 1860-Training

"Fußballgott" sieht Moniz zaubern - Bilder vom 1860-Training

In der Tat hat sich die Lage deutlich entspannt, wie auch die Pressekonferenz am Freitag zeigte. Man spricht plötzlich wieder über Fußball bei 1860, über Taktik, über die Bestückung des 18er-Kaders. Moniz steht ja mittlerweile ein wahres Überangebot an Profis zur Verfügung.

Erneut traf es diesmal Volz, Claasen und Vallori, die nicht zum Aufgebot zählen. Adlung dagegen ist dabei. Ein Fragezeichen steht noch hinter Edu Bedia, dem spanischen Ballstreichler. Bedia musste zuletzt mit Leistenproblemen kürzer treten, und je nachdem, wie sich die entwickeln, will Moniz seine Taktik ausrichten. Infrage kommt ein leicht defensives 4-3-3 wie in St. Pauli – oder die Rückkehr zu geballter Offensive. Moniz gab zu, dass ihn ein System mit zwei Spitzen reizen würde (Rodri und Okotie), unterstützt vielleicht von Leonardo als Zehner, doch das Risiko, erneut einen Rüffel des Sportchefs zu kassieren, ist groß. Stichwort Scheunentor. Also sagte Moniz ganz brav: „Das wäre dann ja fast ein 3-2-5.“ Um lächelnd hinzufügen: „Ich denke, das ist eher was für die Zukunft.“

In der Gegenwart geht es darum, im Ingolstadt-Derby Fehler wie im Heimspiel gegen RB Leipzig zu vermeiden, Moniz erkennt ja durchaus Parallelen bei den Gegnern: „Sehr hohes Pressing, viel Schnelligkeit vorne, Technik im Mittelfeld, hinten sehr stabil.“ Ein 0:3 wie damals sollte tunlichst vermieden werden.

Im Wesentlichen wird sich die Moniz-Elf also mit zuletzt bewährter Formation dem Überraschungs-Spitzenreiter entgegen stellen. Kapitän Schindler teilte mit, dass das Team die 0:2-Pleite vom Februar noch nicht vergessen habe. „Wir haben was gutzumachen“, sagte er, wobei sich die Frage stellt: Wer genau fühlt sich da angesprochen? Neben Schindler sind Stark und Wojtkowiak die einzigen aus der Startelf, die auch damals schon dabei waren. Der Rest lernt gerade noch, über den Verein an sich, die Liga – und auch über den Trainer, der erkennbar gewillt ist, den idealen Grat zwischen eigener Angriffslust und den Vorgaben des Klubs auszuloten.

Uli Kellner

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