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60-Baustellen: Probleme an allen Fronten

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Löwen-Trainer Rainer Maurer.

München - Kein Erfolg, kein Geld, keine Zuschauer, keine Perspektive – die Löwen befinden sich in einem existenzbedrohenden Teufelskreis. Wir haben die Baustellen des Vereins analysiert.

Der Vorteil eines weitgehend leeren Stadions ist, dass sich Sponsoren viel Fläche bietet, ihre Werbebotschaften zu transportieren. Ein den östlichen Oberrang umspannendes Transparent forderte am Samstag, beim Spiel der Löwen gegen den VfL Bochum (Endstand 1:3): „Tooooooore schießen! Der Rest ist M-Sache.“ Wobei das „M“ nicht für Reiner Maurer steht, den Trainer, sondern für einen Geldgeber, der zwischen den Kategorien „Premium Partner und „Löwenfreunde“ angesiedelt ist. Den Löwen wäre es natürlich lieber, die Ränge wären gefüllt mit Zuschauern und die Mannschaft würde auch ohne Extraaufforderung ins Schwarze treffen, doch beides ist ein frommer Wunsch.

Das Sparbuch des TSV 1860

„Münchens Große Liebe“, wie 1860 sich selbst anpreist, geizt auch in dieser Saison mit Toren (23 in 18 Spielen – nur sieben Zweitligisten treffen noch seltener), und was den Zuschauerzuspruch betrifft, so jammert der Verein zwar auf vergleichsweise hohem Niveau. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass der Besucherschnitt seit Jahren dramatisch in den defizitären Bereich absinkt. Kein Erfolg, keine Zuschauer, kein Geld und seit Samstag wohl keine sportliche Perspektive mehr – das ergibt ein düsteres Gesamtbild. Wie es auf den vielen Baustellen des Vereins aussieht, wo sich im Hinblick auf eine bessere Zukunft welche Maßnahmen abzeichnen, zeigt unsere Übersicht.

Die Mannschaft

Viele Profis, die am Samstag zum Einsatz kamen, werden nächste Saison nicht mehr da sein. Die einen sind zu teuer, andere zieht es fort, zudem laufen etliche Verträge aus. Als Löwen-Fan kann man das bedauern, weil die Mannschaft eigentlich Potenzial hat. Man kann den Umbruch aber auch begrüßen, weil die Mannschaft das vermutete Potenzial zu selten abruft. Sicher ist eigentlich nur, dass Kapitän Bierofka bleibt, er hat zu reduzierten Bezügen bis 2013 verlängert. Auch Torhüter Kiraly ist zum Verzicht bereit, er ließ bereits eine Klausel streichen, wonach sich sein opulenter Vertrag (40 000 Euro/Monat) ab dem 25. Einsatz verlängert hätte.

Aigner will sein Glück im wahrscheinlichen Fall des Nichtaufstiegs in der Bundesliga versuchen, Lovin (Vertrag bis 2012) und Ludwig (läuft aus) sind sportlich nicht unumstritten, und Lauth wird seinen letzten großen Vertrag nur dann bei 1860 unterschreiben, wenn Geld und Perspektive stimmen – Augsburg lockt, man will ihn als Thurk-Nachfolger. Rukavina und Ignjovski schließlich stehen weiter zum Verkauf, das serbische Duo soll den Löwen die dringend benötigten Transfererlöse bringen.

Leihgabe Bell muss im Normalfall zurück nach Mainz. Bleiben (neben Kiraly und Bierofka): Bülow und Buck – sie stellen zumindest eine halbe Viererkette. Von den drei Eingewechselten ist Volland bereits an Hoffenheim verkauft (und für ein weiteres Jahr ausgeliehen), Ghvinianidze nach diversen Eskapaden durchgefallen und der torlose Rakic dauerfrustriert. In den nächsten Spielen, in denen einige Stammkräfte ausfallen, werden die Fans wohl die U 23-Akteure Hofstetter (18), Ratei (22) und Ziereis (18) kennen lernen. Sie sind jetzt – zusammen mit Christopher Schindler (20) – die Zukunft des Vereins.

Trainer und Sportchef

Die Verträge von Reiner Maurer und Miroslav Stevic laufen im Sommer aus – mit beiden ist die Vereinsführung nicht restlos zufrieden. Dazu kommt: Der Allgäuer und der Serbe sind erwiesenermaßen nicht die allerbesten Freunde, zudem in fachliche Fragen oft konträrer Meinung. Dass die beiden einträchtig zusammen sitzen und das Team für eine bessere 1860-Zukunft planen, ist eine bizarre Vorstellung. Die Auftritte der kommenden Wochen werden Aufschluss darüber geben, wie es mit Trainer und Sportchef weitergeht. Maurer braucht nach zwei Heimpleiten dringend eine Trendwende, für eine Verlängerung mit Stevic sprechen seine Kontakte und sein Verhandlungsgeschick.

Finanzen/DFL

Nach der ersten DFL-Hürde, die der Verein letzten Freitag genommen hat, tut sich im März bereits die nächste auf: Stichwort Lizenzierung. Intern ist man sich einig, dass die Suche nach einem Investor forciert werden muss. Als Sanierungsfall ist es zwar schwer, gutes Geld für KGaA-Anteile zu erzielen, doch ohne Finanzspritze von außen wird sich der Verein schwer tun, vor den DFL-Kontrolleuren zu bestehen. Wie kritisch die Löwen gesehen werden, deutete Vizepräsident Dieter Schneider an, als er mahnte: „Beim nächsten Bescheißen ist die Lizenz weg.“ Dass 1860 keine Lobby mehr bei den deutschen Fußball-Instanzen hat, war zuletzt auch auf dem Platz zu sehen, wo Schiedsrichter im Zweifel gegen die Löwen entschieden.

Zuschauer

Dass 1860 die Zuschauer davonlaufen, ist nicht mehr zu leugnen. 13

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600 waren es gegen Paderborn, unwesentlich mehr zum Rückrundenstart gegen Bochum. Der Schnitt sinkt bedrohlich – von 41 720 (2005/2006) zum Start des Arena-Zeitalters über 28 135 (2008/09) und 21 985 (letzte Saison) auf aktuell unter 20 000. Der Schwund summiert sich zu einem Millionenbetrag, der im Etat fehlt. Schneider: „Die Zuschauer kommen letztlich dann, wenn attraktiver Fußball gespielt wird.“ Nicht der einzige Teufelskreis, der den Löwen das Leben schwer macht. Positiv sind im Moment eigentlich nur: die Tooooore von Benny Lauth. Doch wie lange noch.

Von Uli Kellner

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