Absturz statt Befreiungsschlag

Löwen jaulen: "Wir sind jetzt da unten am Arsch"

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Ratlose Löwen bei den Fans in Nürnberg: Yannick Stark, Daniel Adlung, Keeper Stefan Ortega und Marius Wolf (v.l.).

Nürnberg/München - Nach dem Duell der kriselnden Traditionsvereine kann der 1. FC Nürnberg vorerst durchatmen. Für 1860 München wird die Situation dagegen zunehmend kritisch.

Angst, sagt Gerhard Poschner, Angst gehöre zum Leben dazu. Aber Angst davor, dass 1860 München aus der 2. Fußball-Bundesliga absteigt, „habe ich nicht“, betonte er. Nach dem 1:2 (1:2) der Löwen im Keller-Duell beim 1. FC Nürnberg, müsste es der Sport-Geschäftsführer allerdings langsam mit der Angst zu tun bekommen. Die Sechziger stehen nach wie vor auf dem Relegationsplatz, und Besserung ist nicht in Sicht für eine Mannschaft, die um den Aufstieg mitspielen sollte.

Die Spieler zumindest wissen nach der Niederlage beim Club, der einstweilen fünf Punkte Vorsprung vor dem bayerischen Rivalen hat, was die Stunde geschlagen hat. „Die Tabelle lügt nicht mehr am 16. Spieltag“, sagte Daniel Adlung und forderte: „Wir müssen aufwachen, wir dürfen nicht weiter in den Strudel da unten geraten.“ Auch Torhüter Stefan Ortega beschleicht ein mulmiges Gefühl: „Es ist kurz vor knapp. Wir sind jetzt da unten am Arsch und dürfen den Rückstand nicht zu groß werden lassen.“

Wie das gehen soll angesichts der verbleibenden Spiele bis zur Winterpause gegen die Spitzenmannschaften Karlsruher SC, 1. FC Kaiserslautern und RB Leipzig, darüber darf gerätselt werden. Die Löwen befinden sich, wie Yannick Stark lapidar feststellte, „in einer Scheiß-Situation“, und beim zuletzt ebenfalls nicht sonderlich konstanten Club wies wenig bis nichts darauf hin, dass sich daran etwas ändern könnte. „Was wir gezeigt haben, war für den Abstiegskampf zu wenig. Da musst du viel bissiger auftreten“, sagte Torhüter Ortega.

Bissig waren die Löwen vor 31.079 Zuschauern in Nürnberg nur ein paar Minuten lang. Alessandro Schöpf (14.) und Jakub Sylvestr (17.) trafen für den Club, der Club in Person von Jürgen Mössmer per Eigentor für die Gäste (27.), aber die hinterließen nie den Eindruck, als würden sie den Ausgleich erzielen. Der verletzte Torjäger Ruben Okotie fehlte erneut an allen Ecken und Enden. Einzig die Fans heizten in Nürnberg ordentlich ein - wenn auch teilweise mit den falschen Mitteln.

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Weil die Löwen nach der fragwürdigen Gelb-Roten Karte für Martin Angha (58.) auch noch in Unterzahl spielen mussten, passierte so gut wie gar nichts, was nach Aufbäumen oder einem verzweifelten Sturmlauf aussah. „Der Schiedsrichter lag da nicht ganz richtig“, sagte Trainer Markus van Ahlen zum Platzverweis, ansonsten sah er ein wenig ratlos aus, als er nach dem Spiel wieder und wieder betonte: „Es ist keine leichte Situation für den Klub mit dieser jungen Mannschaft. Sie braucht Unterstützung, Ruhe und Kontinuität.“

Auf diese drei Faktoren wird van Ahlen ebensowenig bauen können wie der neue Trainer Rene Weiler in Nürnberg. Die Stimmung in Nürnberg ist nicht so schlecht wie in München, acht Punkte zum Relegationsplatz für den angestrebten Sprung nach oben sind es trotzdem. Wohin der Weg des Club führt, will Weiler allerdings noch nicht abschließend beurteilen. Die Antwort auf die Frage, ob der Kader aufstiegstauglich sei, „möchte ich bitte hinausschieben“, sagte der Schweizer, er müsse in der Winterpause erst mal „über die Bücher gehen“.

SID

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