Die blaue Verzweiflung

Gefahr, Druck, Warten, Hoffnungen: tz-Analyse zur 1860-Lage

+
Hoffnungsträger: Neuzugang Michael Liendl.

München - Die Löwen haben immer noch keinen Sieg eingefahren, in der Tabelle sind sie ganz unten. Der Frust ist groß, der Druck gewaltig.

Als die Löwen am Dienstagmittag aus Bochum an die Grünwalder Straße zurückkehrten, ging’s gleich auf den Trainingsplatz. Den Frust rausschwitzen, sofern das überhaupt geht. An der Tabellensituation hat sich dadurch nichts geändert. Die 0:1-Niederlage festigte lediglich Platz 16. Was jetzt?

Die Gefahr: Die Löwen sind drauf und dran, langsam den Glauben an sich, an das notwendige Glück und an banale Fußball-Mechanismen (irgendwann gleicht sich alles aus usw.) zu verlieren. Als sich Kapitän Christopher Schindler nach dem Spiel zum Interview stellte, sprach die pure Verzweiflung aus ihm: „Jetzt sind wir wieder unten drin. Letztes Jahr haben wir auch lange gesagt, dass nichts passieren wird, und dann…“ Schindler wies zwar gleich darauf hin, „dass es noch nicht so weit ist“, warnte aber auch davor, wie schwierig es zu verarbeiten sei, „wenn die Leistung o. k. ist, aber nichts dabei rauskommt“.

Der Druck: Zwei Punkte und zwei Tore aus fünf Spielen, in vier davon blieb man ohne Treffer – klar, dass da die Psyche aller Beteiligter ins Schleudern gerät. Hochgerechnet auf die gesamte Saison wären das übrigens nicht mal 14 Punkte und genauso wenig Treffer am Saisonende. So weit wird’s nicht kommen. Aber um die von Fröhling avisierten 40 Punkte erst mal einzufahren, bedarf es schon jetzt einer anstrengenden Aufholjagd. Und der nächste Gegner hat’s in sich. Es geht nach Düsseldorf, zum Tabellenletzten (ein Punkt). Nichts anderes als Überlebenskampf ist angesagt. „Nun kommen die Nerven mit ins Spiel“, sagte Vizepräsident Peter Helfer.

Das Warten: Wegen der Länderspielpause dürfen die Löwen erst in zehn Tagen wieder ran. Bis dahin schleppt man die Enttäuschung mit sich rum. „Die Pause kommt mir gar nicht gelegen“, sagte deshalb auch Torsten Fröhling, der sich alles ganz anders vorgestellt hatte: „Wir wollten mit einem Erfolgserlebnis in die Länderspielpause gehen.“ Trotzdem ist er darum bemüht, dass in der nächsten Zeit keine große Depression ausbricht: „Wir müssen intern gefestigt bleiben.“

Die Hoffnungen: Nach dem 2:0-Sieg im Pokal gegen Hoffenheim, dem imponierenden Auftritt beim 2:2 in Nürnberg und auch der durchaus ansprechenden Leistung beim 0:1 gegen Freiburg ist beim TSV 1860 wieder der spielerische Alltag eingekehrt. „Das ist ganz gefährlich, wenn du aus deinen guten Spielen keine Punkte holst“, sagte der ehemalige Bochum-Trainer Peter Neururer nach dem Schlusspfiff am Montag. Fröhling: „Ja, ja wir wurden auch von den Bochumern wieder gelobt. Ich will endlich mal erleben, dass man uns hinterher hasst.“

Das Liendl-Debüt: Es dauerte etwas mehr als eine Stunde, dann wurde der Düsseldorfer ausgewechselt. Kein schlechter Einstand bis dahin, aber den besonderen Kick konnte der neue Spielmacher dem Löwen-Spiel auch noch nicht verleihen.

tz

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Zwei Löwen fehlen angeschlagen - fallen sie gegen Buchbach aus?
Zwei Löwen fehlen angeschlagen - fallen sie gegen Buchbach aus?
Gebhart poltert: „Jeder Spieler muss sich fragen: Gebe ich wirklich alles?“
Gebhart poltert: „Jeder Spieler muss sich fragen: Gebe ich wirklich alles?“
Marinkovic: „1860 ist eine große Mannschaft – wer will da nicht hin?“
Marinkovic: „1860 ist eine große Mannschaft – wer will da nicht hin?“
Bierofka und Buchbach: Da war doch was
Bierofka und Buchbach: Da war doch was

Kommentare