tz-Interview mit Löwen-Legende

Radi wird 80! "Slobodanka ist mein großes Glück"

+
Eine lebende Löwen-Legende wird 80: Petar Radenkovic.

München - Der König wird 80. Petar Radenkovic, die Löwen-Legende schlechthin, dürfte sich am heutigen Mittwoch vor Glückwünschen kaum retten können. Das große tz-Interview zum Geburtstag:

Der „Radi“ war nicht nur ein Aushängeschild für den TSV 1860, sondern auch eine der schillerndsten Figuren in der über 51-jährigen Bundesliga-Geschichte. Weltklassetorwart, Entertainer, Hitparadenstürmer, liebenswerter Charmeur, verrückter Vogel, stürmender Keeper – all das war der gebürtige Belgrader, der Fußball-München Anfang der Sechzigerjahre im Sturm eroberte. Den Spitznamen „Radi“ verpasste ihm einst ein Journalist in Anlehnung an das wohl berühmteste bayerische „Gmias“, „König“ nannte und besang er sich in aller Bescheidenheit selbst, ebenso wie er sich ganz selbstverständlich als „bestes Torwart von Welt“ auszeichnete. Das Radebrechen gehörte zur Show. Meister war er mit den Löwen, Pokalsieger und Europacup-Finalist. Alles in den goldenen Zeiten der Blauen zwischen 1964 und 1966. Mit den Kollegen von damals feiert er heute beim „Käfer“. Nach dem Abstieg 1970 beendete Radi mit35 Jahren seine Karriere. Mit 215 Bundesliga-Einsätzen war er noch jahrzehntelang Rekordspieler der Löwen, ehe er nach der Jahrtausendwende von Harald Cerny (238) abgelöst wurde. In Sachen Popularität wird Petar Radenkovic allerdings für ewig unschlagbar sein. Zum 80. traf sich die tz mit Radi und bat ihn darum, Sätze über sein Leben zu vervollständigen.

Der 80. ist ein Geburtstag, der...

keine besonderen Gefühle in mir auslöst. Es ist ein stolzes Alter, aber mich hat auch nie groß beschäftigt, als ich 50, 70 oder 60 wurde. Na ja, der vielleicht schon. Als Sechziger…

Mein bestes Spiel habe ich gemacht gegen…

ja, gegen wen? Schwer zu sagen. Es gab einige. Das 2:0 in Dortmund, als wir 1966 die Weichen zur Meisterschaft stellten, aber auch das Europacup-Finale in Wembley, oder zuvor in Zürich das Entscheidungsspiel gegen den AC Turin. Da war ich schon sehr stark.

Mein größter Fehler passierte mir…

vielleicht 1963 bei unserem 3:2-Sieg gegen Dortmund in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Aber ich habe selten Fehler gemacht.

Meine einzige Sperre in der Bundesliga erhielt ich, weil…

ich 1969 Schiedsrichter Horstmann nach dem 0:2 in Dortmund der Trunkenheit an der Pfeife bezichtigt und einen Bluttest gefordert hatte. Er hatte einen klaren Elfer für uns nicht gegeben und Dortmund einen geschenkt. Ich wurde drei Spiele gesperrt.

Mein bester Freund bei den Löwen war…

Zjelko Perusic. Nicht unbedingt, weil wir beide aus Jugolawien stammten. Wir lagen auch immer auf einem Zimmer, und er war der überragende Mann in unserer Defensive.

Max Merkel war ein Trainer, der…

der Beste war, den 1860 je hatte. Aber nachdem er sich mit der Mannschaft total zerstritten hatte, musste was passieren. Die meisten meiner Kollegen, auch ich, waren für seinen Sturz im Dezember 1966. Nur drei Spieler hatten pro Merkel gestimmt.

1970 habe ich aufgehört, weil…

ich schon fast 36 war und 1860 keine Rolle mehr in der Bundesliga spielte. Die Entscheidung fiel schon vor dem Abstieg.

Ich war wirklich bestes Torwart von Welt, weil…

ich nicht nur auf der Linie gut war sondern auch im Beherrschen des Strafraums und im Organisieren der Abwehr.

Radi esse ich besonders gern, weil…

er mir einfach schmeckt. Als man mir den Spitznamen Radi gab, wusste ich zunächst gar nicht, was das ist.

Das Grünwalder Stadion war für uns…

zum Glück eine ganz enge Arena, in der eine ganz besondere Atmosphäre herrschte. Die Unterstützung der Zuschauer, manchmal waren 44 000 da, war unglaublich. Aber man musste auch etwas tun dafür.

Als ich 1966 die Meisterschale in der Hand hielt, fühlte sich das an wie…

die absolute Erfüllung eines Traums. Es war das Allerhöchste.

Als die Löwen in München die Nummer eins vor dem FC Bayern waren, war das…

ganz normal. Die Bayern waren in der zweitklassigen Regionalliga, von denen hat - ohne sie beleidigen zu wollen -  kaum jemand gesprochen.

Hätten die Löwen damals Franz Beckenbauer gehabt, dann…

hätte das super gepasst. Ich glaube, mit dem Franz hätten wir den Europapokal der Landesmeister, die heutige Champions League, gewonnen. Franz wäre ja zu uns gewechselt, wenn Bayern 1965 nicht aufgestiegen wäre.

Mit meinem Showtalent und meinem fußballerischen Können würde ich heute in der Bundesliga…

die gleiche Rolle spielen wie damals. Und obwohl ich vielleicht jetzt viele Millionen verdienen würde, möchte ich die Vergangenheit gegen die Gegenwart nicht eintauschen.

Das Europacup-Finale in Wembley war…

die Krönung. Auch wenn wir gegen West Ham verloren haben, Wembley ist einzigartig. Und man würde wohl heute nicht mehr so von diesem Endspiel schwärmen, wenn es, sagen wir mal, in Griechenland stattgefunden hätte.

Wenn man immer zur Wiesnzeit Geburtstag hat, dann…

war das mal schön. Die einstige Fröhlichkeit ist nicht mehr da. Viel zu viele Leute. Aber am Donnerstagnachmittag gehe ich raus. Vier Dinge sind Pflicht: Eine Mass, ein Hendl, eine große Brezn und - natürlich ein Radi.

Als Feldspieler hätte ich in 215 Bundesliga-Spielen…

vielleicht sieben, acht Tore geschossen. Pro Saison eins.

Die Beatles und die Rolling Stones  mussten sich vor mir in acht nehmen, weil…

ich mit meiner Single Bin i Radi, bin i König 1965 zeitweise vor ihnen in der Hitparade lag. Die Beatles höre ich gern, die Rolling Stones nicht so.

Als Sepp Maier meinen Hit in „Bin i Radi bin i Depp, König ist der Maier Sepp“ umtextete, fand ich das…

nicht schlimm. Das hat irgendein frustrierter Bayern-Fan erfunden und der Sepp hat es halt nachgeplappert. Wir beide waren immer Freunde.

An München liebe ich…

den Marienplatz, Schwabing, die Menschen und die Erinnerung an

Petar Radenkovic mit seiner Slobodanka.

meine großen Erfolge.
Die vergangenen Jahre verbrachte ich überwiegend in Belgrad, weil…

2009 meine Frau Olga gestorben ist. Wir waren 52 Jahre verheiratet, und ihr Tod war für mich ganz schlimm. Ohne sie war ich einsam in München. Deshalb habe ich mich entschieden, zu meinen alten Freunden nach Belgrad zurückzukehen. Dort habe ich dann Slobodanka kennengelernt. Wir haben geheiratet, und sie hat mich wieder auf ein normales Gleis im Leben zurückgeführt. Slobodanka ist mein großes Glück.

Körperlich fühle ich mich…

Gott sei Dank blendend. Seit meiner Hüftoperation vor eineinhalb Jahren geht es mir wieder richtig gut. Noch einmal ein großes Dankeschön an die Ärzte im Garmischer Klinikum.

Wenn ich Präsident des TSV 1860 wäre, dann…

wäre 1860 nach wie vor ein echter Konkurrent für den FC Bayern. Vor 35 Jahren wollte ich ja schon Fußballabteilungsleiter werden, aber die Mitglieder haben sich anders entschieden. Ich hätte damals viele qualifizierte Leute aus dem Sport und aus der Wirtschaft mitgebracht.

So wie Manuel Neuer das Torhüterspiel interpretiert, habe ich…

es vor fünfzig Jahren schon gemacht. Vielleicht noch etwas extremer. Jogi Löw hat Mut bewiesen, dass er Neuer so spielen ließ.

Der zweitbeste Torwart beim TSV 1860 war für mich…

Rainer Berg. Er brachte alle Eigenschaften mit, die ein moderner Torhüter haben muss.

1860 kann noch mal Meister werden, wenn…

das weiß ich nicht. Aber sag niemals nie. Aber wenn überhaupt, dann wird das erst die übernächste Generation erleben.

tz

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Gefeuerter Scout geht gegen Kündigung vor - und bringt 1860 in Bedrängnis
Gefeuerter Scout geht gegen Kündigung vor - und bringt 1860 in Bedrängnis
Keine Einigung mit Forren - Gustavo fliegt mit nach München
Keine Einigung mit Forren - Gustavo fliegt mit nach München
Warten auf die Neu-Löwen - und was macht die 1860-Konkurrenz?
Warten auf die Neu-Löwen - und was macht die 1860-Konkurrenz?
1860 will raus aus dem Chaos
1860 will raus aus dem Chaos

Kommentare