Was wird aus dem Stürmer?

Wood: Star-Allüren nach dem Siegtreffer

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Die pure Freude nach dem historischen Treffer: Löwen-Profi Bobby Wood (l.) feiert sein Tor zum 2:1 über Deutschland mit Ingolstadts Alfredo Morales.

Köln - Mit seinem Treffer gegen Deutschland hat Bobby Wood Geschichte geschrieben. Bei den Löwen liegt der Stürmer aus den USA nun wieder hoch im Kurs - doch nach dem Spiel gibt er sich unnahbar.

Torwart Ron-Robert Zieler musste einräumen, dass er keine Chance hatte beim Gegentreffer in der 87. Minute, der aus Weltmeister Deutschland einen Verlierer machte. „Das war ein sehr gut platzierter Schuss.“ Abgegeben von Bobby Wood, 22, US-Stürmer, ein paar Minuten zuvor eingewechselt.

Für den US-Fußball hatte das Tor historische Wucht. Es war der erste Sieg in Deutschland. „Bei der Nummer eins der Welt zu gewinnen, ist schon was Besonderes“, meinte Coach Jürgen Klinsmann. Entsprechend enthusiastisch bejubelte das amerikanische Team, angetreten sogar mit einem College-Spieler von der Stanford University, den 2:1-Erfolg vor einem erstaunlich gut gefüllten Auswärts-Fanblock im Kölner RheinEnergie-Stadion.

Klinsmann lobte Michael Bradley, den kahlköpfigen Ex-Mönchengladbacher mit der Statur zwischen Eishockeycrack und American Footballer als „überragenden Mann auf dem Platz“, doch in den Annalen wird man den Sieg an Bobby Wood festmachen.

Wood: 13 Minuten bis zum triumphalen Treffer

Als einer der US-Boys, die in Deutschland spielen, war er die passende Besetzung für eine Heldengeschichte. Und nicht nur wegen Erfüllung der Jokerrolle: Eingewechselt in der 74. Minute, Torschütze in der 87. „Bobby hatte eine schwierige Saison“, hebt Jürgen Klinsmann an. Er kann Lebensläufe dramatisch ausgestalten, Woods Vita ist für ihn eine gute Vorlage.

Transfer geplatzt! Halfar kehrt nicht zu Löwen zurück

Ein Junge aus Hawaii, wo man nicht kickt, sondern surft, will ein Top-Fußballer werden. Er bricht mit 14 auf in die Fremde, zu 1860 München, um sich dort ausbilden zu lassen. Er pendelt zwischen Regionalliga und 2. Liga. Er wird oft unterschätzt, manchmal diszipliniert.

Als Wood in München abermals in der Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte, hat Jürgen Klinsmann selbst eingegriffen und bewirkt, dass ein Leihgeschäft abgeschlossen wurde: Zur Winterpause gaben die Löwen Bobby Wood an den Zweitligarivalen Erzgebirge Aue ab. „Und dort hatte er gleich eine Verletzung“, so sein Nationaltrainer, „doch am Ende der Saison war er wieder da. Aue war wichtig für ihn, hat ihn sehr unterstützt.“ Dumm nur: Aue stieg ab, dadurch verlängert sich die Ausleihe nicht, es gilt wieder der Vertrag des TSV 1860 mit Bobby Wood.

Poschner garantiert Wood "volle Rückendeckung"

Angeblich will er nicht zurück in diesen unruhigen Verein. Dessen Manager Gerhard Poschner sagt: „Trainer Torsten Fröhling und ich wollen ihn haben. Ich will ihn überzeugen, dass er bei uns volle Rückendeckung bekommt.“

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Man hätte Wood in Köln gerne gefragt, wie er seine Zukunft sieht. Doch Anfragen weist Bobby Wood mit einem brüsken „I don’t speak German“ ab. Nach acht Jahren in Deutschland sprachlos? Das Angebot, man könne sich auch auf Englisch unterhalten, entlockt ihm nur ein „No“. Und Absatz kehrt.

Ein Tor – und schon Allüren. Vor den amerikanischen Fernsehkameras setzt er sein Hawaii-Lächeln auf, die weißen Zähne blitzen, und Wood sagt, was die Landsleute in ihrem neuen Fußballstolz hören wollen. Das alles sei „amazing“ und er fühle sich geehrt, dabei sein zu dürfen.

Ohne Wood zum Gold Cup

Er war es jetzt bei der kleinen Europa-Tour der US-Kicker, mit der sie sich auf den Gold Cup im Juli, ihre Kontinental-Meisterschaft, vorbereitet haben. „In die werden die Amerikaner mit richtig Mumm gehen“, mutmaßt Joachim Löw, der sie für „deutlich über dem Niveau von vor zwei Jahren“ hält.

„Wir fangen jetzt damit an, dass wir auch in den zehn Schlussminuten bestehen“, sagt Klinsmann. Für den Gold Cup hat er seinen Zögling Wood aber nicht vorgesehen: „Er hat sich einen Urlaub verdient.“ Am 29. Juni muss Wood bei den Löwen antreten. Kommt er?

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